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Aquaman
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Aquaman

Rosamunde Pilcher trifft H.P. Lovecraft

Von
Aquaman“ führt noch einmal sehr schmerzhaft vor Augen, was Warner Bros. und DC bei „Justice League“ vor allem falsch gemacht haben: Die Superhelden-Zusammenkunft kam schlicht und einfach viel zu früh! Klar zählen die Auftritte von Arthur Curry alias Aquaman auch so schon zu den Lichtblicken des Big-Budget-Spektakels. Aber man mag gar nicht daran denken, was Aquaman zu „Justice League“ noch alles hätte beitragen können, nun, da er von James Wan („Conjuring - Die Heimsuchung“, „Fast & Furious 7“) erst einmal standesgemäß als ebenso saucooler wie sympathischer Superheld eingeführt wurde. Denn eines macht „Aquaman“ auf jeden Fall: noch mehr Lust auf die Figur Aquaman und die Art, auf die „Game Of Thrones“-Star Jason Momoa sie verkörpert! Der Rest des Films ist hingegen ein mitunter ziemlich holpriges Chaos, mit dem man oft sehr viel Spaß haben kann, dem aber ein wenig mehr Fokus und Stringenz inmitten des CGI-Dauerfeuers sicher nicht geschadet hätte.

Im Jahr 1985 rettet der Leuchtturmwärter Tom Curry (Temuera Morrison) einer verletzt angeschwemmten Frau das Leben. Diese entpuppt sich als Atlanna (Nicole Kidman), Königin von Atlantis. Die beiden bekommen einen Sohn namens Arthur und ziehen ihn einige Jahre lang gemeinsam auf, bis Atlanna gegen ihren Willen in ihre Unterwasser-Heimat zurückkehren muss. Gut 30 Jahre später hat sich der bei seinem Vater verbliebene Arthur (Jason Momoa) mit seinem Superhelden-Status abgefunden, aber König von Atlantis will er trotzdem nicht werden. Erst als sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson) damit droht, die Armeen der sieben Unterwasser-Königreiche zu vereinen, um sie anschließend gegen die Oberwelt in den Krieg zu führen, sieht Arthur keine andere Wahl mehr, als mit Hilfe der xebelianischen Prinzessin Mera (Amber Heard) und seines einstigen Lehrmeisters Vulko (Willem Dafoe) um seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron zu kämpfen und so beiden Welten unter und über dem Wasser Frieden zu bringen...


„Aquaman“ ist eine Rosamunde-Pilcher-Schnulze, ein H.P.-Lovecraft-Monsterfilm, ein Indiana-Jones-Abenteuer, eine Fisch-aus-dem-Wasser-Komödie und ein Unter-der-Meeresoberfläche-„Avatar“ mit schwankender Effektqualität in einem. Den daraus fast zwingend resultierenden sehr uneinheitlichen Tonfall des Films darf man durchaus als Kritik verstehen. Trotzdem müssen wir zugeben, dass uns diese Achterbahnfahrt, so rumpelig sie zwischendrin auch sein mag, am Ende der knapp zweieinhalb Stunden doch erstaunlich viel Spaß gemacht hat. Regisseur James Wan wandelt konstant auf dem schmalen Grat zwischen augenzwinkernder Selbstironie und unfreiwilliger Komik, zwischen einer nie zuvor gesehenen Unterwasserwelt und seelenlosem CGI-Bombast, zwischen einer berührenden Geschichte und sonnendurchflutetem Kitsch. Dabei landet der „Saw“-Erfinder ganz sicher nicht immer auf der richtigen, aber fast immer auf der unterhaltsamen Seite.

Nachdem Zack Snyder in seinen drei DCEU-Filmen „Man Of Steel“, „Batman V Superman“ und eben „Justice League“ noch alles einer – je nach Sichtweise – behaupteten oder tatsächlich vorhandenen Ernsthaftigkeit untergeordnet hat, ist es regelrecht erfrischend, mit welcher Konsequenz sich Wan nun in alle noch so widersprüchlichen Elemente seines Comic-Blockbusters hineinstürzt: Bei der von Aquaman durchaus schmalzig aus dem Off kommentierten Liebesgeschichte zwischen „einem Leuchtturmwärter und einer Prinzessin“ dreht er den Weichzeichner auf, bis das Gesicht von Nicole Kidman im Licht der untergehenden Sonne regelrecht zerfließt. Das führt übrigens zu einem ganz wunderbaren Bruch (vergleichbar etwa mit der Kneipenszene aus „Kingsman“), wenn sie plötzlich einen Trupp atlantischer Soldaten mit ordentlich Wumms im heimischen Wohnzimmer vermöbelt. Und dass im Leuchtturm unter einer süßlichen Schneekugel ausgerechnet ein Buch von H.P. Lovecraft liegt, ist natürlich auch kein Zufall, sondern ein erster Hinweis auf eine fast zwei Stunden später folgende Szene, in der Tausende von Lovecraft’schen Fischmonstern für einen der visuell beeindruckendsten Momente von „Aquaman“ sorgen.

Apropos visuell beeindruckende Momente: Davon gibt es in „Aquaman“ zwar eine ganze Menge (etwa eine Hai-Vs.-Aquariumsscheiben-Einstellung, die hier fast noch besser als in „Meg“ funktioniert), aber daneben finden sich leider fast genauso häufig auch Einstellungen, die zumindest in der 2D-Fassung des Films echt fragwürdig aussehen. Das gilt vor allem für den oft eher merkwürdigen als glaubhaften Unterwasser-Verschwimm-Effekt. Zudem setzt Wan zu oft einfach nur auf bloße Überwältigung, statt uns mit brillanter Qualität oder cleveren Details zu überzeugen. Das gilt etwa für das psychedelisch-schimmernde Atlantis, wo man sich viel mehr Einzelheiten über das Leben am Meeresgrund gewünscht hätte (stattdessen bekommen wir nur ein wässriges „Game Of Thrones“ light). Und für die finale epische Schlacht, in der unter anderem überdimensionierte Seepferdchen, Krebse und Haie gegeneinander ins Feld ziehen. Klingt super und bietet auch einige echt coole Momente, aber ist insgesamt so überfüllt und unübersichtlich, dass man gerade dann das Interesse zu verlieren droht, wenn Aquaman eigentlich seinen großen Auftritt haben soll. Zumal sich die tonale Uneinheitlichkeit des Films nicht nur zwischen verschiedenen Abschnitten oder Sequenzen, sondern auch innerhalb einzelner Actionszenen zeigt, wenn ein eigentlich ernsthafter Moment plötzlich durch einen unangemessenen Oneliner aufgebrochen wird.

Und mittendrin in diesem wilden Mischmasch, quasi wie der Fels in der Brandung: Jason Momoa („The Bad Batch“, „Braven“), der seinen Mega-Muskelkörper mit einer solch bodenständig-charmanten Selbstverständlichkeit vor der Kamera präsentiert, wie es neben ihm kein zweiter Schauspieler hinbekommt. „Aquaman“ beweist einmal mehr, dass Momoa eigentlich schon längst ein Action-Superstar wie vor ihm Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone sein müsste. Dass das bis jetzt noch nicht so richtig hingehauen hat, ist wohl vor allem die Schuld von Marcus Nispel und seinem furchtbaren „Conan“-Remake. Aber egal, besser spät als nie: Es gibt in „Aquaman“ eine Menge Zeitlupe-Einstellungen, die auch aus einer Deo-Werbung stammen könnten, und es gibt eine Menge Oneliner, die auch richtig peinlich hätten ausfallen können, aber Momoa rockt beides gleichermaßen. An seiner Seite erweist sich Amber Heard („Machete 2“, „Drive Angry“) als würdiger Sparringspartner – und zwar in den komödiantischen genauso wie in den actionlastigen Szenen. Bei einer One-Shot-Actionsequenz in Sizilien, in der die Kamera wiederholt und ohne Schnitt zwischen den beiden sich prügelnden Helden hin und her wechselt, ist ihr Part sogar der interessantere: Alkohol tötet!

Von den anderen Darstellern kann sich hingegen keiner nachhaltig in den Vordergrund spielen. Während Willem Dafoe („Spider-Man“) und Patrick Wilson („Watchmen“) souverän ihren Stiefel runterspielen, ist der in „Creed 2“ triumphierende Dolph Lundgren als Xebelianer-König ein offensichtlicher Fremdkörper, der einen immer wieder aus dem Geschehen reißt und dafür im Gegenzug noch nicht mal auf trashige Weise Spaß macht. Ebenfalls blass bleibt Yahya Abdul-Mateen II („The Get Down“) als Superpirat Black Manta – und das, obwohl Aquaman dessen Vater Jesse (Michael Beach) absichtlich sterben lässt. Das könnte besonders deshalb noch zu einem größeren Problem werden, weil die Rolle von Black Manta nach jetzigem Kenntnisstand in „Aquaman 2“ wohl vom Edel-Handlanger zu dem (oder zumindest einem der) Hauptwidersacher des Helden ausgebaut werden soll. Seinem Auftritt in „Aquaman“ nach zu urteilen, wäre das wahrscheinlich nicht die allerbeste Idee. Sichtlich Spaß hat hingegen Nicole Kidman („Der verlorene Sohn“) an ihrem kurzen Part als Schnulzenheldin, die ebenso überzeugend Soldaten den Hintern versohlt wie mit erstaunlichem komödiantischen Timing Goldfische zum Frühstück verspeist.

Fazit: Ein erstaunlich unterhaltsames Durcheinander.
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