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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Abgang mit Stil
Von
Die Karriere von TV-Superstar („Scrubs“) und Indie-Darling („Garden State“) Zach Braff tritt seit einigen Jahren zäh auf der Stelle. Mit seinem zweiten Regiewerk „Wish I Was Here“ (2014) handelte sich der Amerikaner mit einer Kickstarter-Kampagne vor allem eine Menge wütenden Widerspruch ein, dazu floppte das tragikomische Drama und bekam auch sonst wenig Zuspruch. Große Schauspielrollen standen ebenso wenig an und so hat Braff zum ersten Mal eine Auftragsarbeit als Regisseur übernommen, nämlich die bereits 2015 abgedrehte, starbesetzte Heist-Komödie „Abgang mit Stil“, ein Remake von Martin Brests „Die Rentnergang“ von 1979. Das Projekt war ursprünglich von Theodore Melfi konzipiert worden, der auch selbst das Drehbuch geschrieben hat, dann aber lieber das Wohlfühl-Raumfahrt-Drama „Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen“ in Szene setzen wollte und damit DEN Überraschungshit 2016 gelandet hat. Braff würzt den Verzweifelte-Rentner-rauben-eine-Bank-aus-Ulk mit dem Charme der unverwüstlichen Hollywood-Urgesteine Morgan Freeman, Michael Caine und Alan Arkin, aber das Drehbuch von Melfi gibt nicht viel mehr her als abgestandene Klischees. Und so ist von dem Stil und dem Talent des Regisseurs Zach Braff in „Abgang mit Stil“ nicht viel zu entdecken.

Die New Yorker Rentner Willie (Morgan Freeman), Joe (Michael Caine) und Al (Alan Arkin) sind schon seit Ewigkeiten beste Freunde. Doch ihr Lebensabend verdunkelt sich urplötzlich, als sie erfahren, dass ihre alte Firma Wechsler Steel nach Vietnam verkauft und die Pensionskasse geplündert wurde. Dabei steht Joe das Wasser sowieso schon bis zum Hals und nun kann er die Raten für seinen Hauskredit an die Bank nicht mehr zahlen, während Willie dringend eine neue Leber braucht, um nicht in Kürze das Zeitliche zu segnen. Als Joe in einen Banküberfall stolpert, bei dem smarte Diebe ohne Blutvergießen das große Geld abzocken, kommt ihm die zündende Idee: In seiner Verzweiflung überredet er seine beiden Freunde, mit ihm ebenfalls eine Bank auszurauben…



Gauner, die den Hals nicht vollbekommen - das ist stark verkürzt und auf die Spitze getrieben das heutige Image von Bankern, sie sind durch die diversen Krisen und Crashs der vergangenen Jahre zu einer bevorzugten Zielscheibe von Öffentlichkeit und Medien geworden. Das Bild des kaltherzigen Bankmanagers, der hart arbeitende Bürger gnadenlos aus ihren Heimen vertreibt, weil sie das Geld, das sie sich für den Hauskauf geliehen haben, nicht pünktlich zurückzahlen können, hat sich speziell in den USA in das kollektive Bewusstsein eingebrannt. Den empörenden Kontrast zwischen der grenzenlosen Gier der Finanzjongleure und den niederschmetternden Existenzängsten des „einfachen Mannes“ beschwört nun auch Regisseur Zach Braff und macht ihn sich erzählerisch zunutze. Und damit wirklich gar keine Zweifel an der Rollenverteilung aufkommen können, fügt er sogar noch einen kriminellen Großkonzern hinzu, der in seinem Profitstreben nicht einmal Pensionskassen unangetastet lässt.

An einem präzisen Porträt der Zu- und Umstände ist Braff scheinbar nicht interessiert, stattdessen schwingt er weiter die Moralkeule und inszeniert den Bankangestellten Chuck (Josh Pais aus „Ray Donovan“), der eben noch feixend-arrogant Joes Kreditaufschub abgelehnt hat, exemplarisch als feigen Nervbolzen, der erst auf dicke Hose macht und sich beim Überfall dann wortwörtlich in selbige pinkelt. Aber die (Schaden-)Freude hält sich bei dieser groben Überspitzung in Grenzen, weil hier letztlich eben nur Klischees ausgebreitet werden und ganz Ähnliches gilt auch für alle anderen Figuren - einige der Charaktere aus der zweiten Reihe wie zum Beispiel die Kellnerin Mitzi (Siobhan Fallon Hogan), „Zurück in die Zukunft“-Doc Christopher Lloyd als dösiger Rentner Milton oder Joes bräsiger Schwiegersohn Murphy (Peter Serafinowicz) sind sowieso nur Karikaturen. Mit vergleichbaren Problemen hatte jüngst schon Wolfgang Petersen zu kämpfen, der in seinem Comeback-Film „Vier gegen die Bank“ (ebenfalls ein Remake eines Films aus den 1970ern) auf eine ähnlich grobgestrickte Prämisse gesetzt hat.  

Warum „Abgang mit Stil“ dennoch stellenweise ganz gut unterhält, liegt auf der Hand: Solch ein triumphales Trio wie Michael Caine („Dark Knight“-Trilogie, „Ewige Jugend“), Morgan Freeman („Sieben“, „Million Dollar Baby“) und Alan Arkin („Argo“, „Little Miss Sunshine“) kitzelt selbst aus einem mäßig konstruierten Skript durch pure Spielfreude noch etwas Zählbares heraus. Sein verschmitzter Rentner-Charme sorgt zumindest für eine Handvoll amüsanter Momente, wenn die drei etwa einen ersten Test ihrer Fähigkeiten als Supermarkt-Räuber starten und den wohl dilettantischsten Raubzug seit Clemens Scheitz‘ spektakulär-kläglich gescheitertem Banküberfall in Werner Herzogs „Stroszek“ (1976) abziehen. Das ist der eindeutige Höhepunkt  von „Abgang mit Stil“, weil Zach Braff hier endlich mal eine gewisse Ironie durchscheinen lässt - der Rest ist ein nur mäßiges Sozialmärchen (Wie raubt man politisch korrekt eine Bank aus?) in gediegenen Hochglanz-Bildern und ohne emotionale Kraft. Außerdem muss Braff seine dünne Geschichte immer wieder mit musikalischen Collagen strecken, um überhaupt auf eine Laufzeit von 97 Minuten zu kommen – der Erzählung fehlt hier ganz buchstäblich die Substanz.

Fazit: Zach Braffs Rentner-Komödie „Abgang mit Stil“ fängt mit einem Hauch von Realismus an und endet in einer Ansammlung schaler Klischees, bei der Witz und Originalität weitgehend auf der Strecke bleiben. Allein die gut aufgelegten Altstars bewahren den Film vor dem kompletten Absturz.

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Kommentare

  • Zach Braff

    Ich habe es fast befürchtet... Braff und Auftragsarbeit passt irgendwie nicht zusammen.

  • Hans H.

    Tja, Herr Braff, das war wohl nix. Garden State ist jedoch immer noch einer meiner Lieblings-Filme.

  • niman7

    In der Kritik ist ein kleiner Fehler: Joe (Michael Cane) durchlebt den Banküberfall und kommt anschließend auf die Idee selbiges zu machen und nicht Willi (Freeman).

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