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Once Upon A Time In... Hollywood
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
5,0
Meisterwerk
Once Upon A Time In... Hollywood

Tarantinos neues Meisterwerk

Von Carsten Baumgardt
Vor zwei Jahren versetzte Kultregisseur Quentin Tarantino die Filmwelt in Ekstase, als er seinen neunten Film „Once Upon A Time In… Hollywood“ ankündigte: ein Thriller-Drama um den bestialischen Mord der Manson-Familie an Roman Polanskis schwangerer Frau Sharon Tate. Dieser barbarische Akt bewegt auch 50 Jahre später noch immer die Menschen. Doch wie seine Story im Detail aussieht, daraus machte Tarantino ein Riesengeheimnis. Stattdessen präsentierte er im Wochentakt einen großen Star nach dem anderen für seinen Cast, bis man als Filmfan vor Neugier zu platzen drohte. Nach der Weltpremiere im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes wissen wir endlich, warum der „Pulp Fiction“-Regisseur schwieg: Er hat uns alle an der Nase herumgeführt und reihenweise falsche Fährten gelegt. „Once Upon A Time In… Hollywood“ hat nämlich praktisch gar keine richtige Handlung, sondern begleitet einfach nur einen strauchelnden Westernstar und sein Stuntdouble 24 Stunden bei ihrer Arbeit im Hollywood des Jahres 1969.

Auf sein Publikum nimmt Tarantino dabei keine Rücksicht, sondern macht das, was er will. Er bombardiert uns fast schon im Sekundentakt mit (oft auch sehr abseitigen) Popkultur-Zitaten und geht dabei so exzessiv-hysterisch ins Detail, dass man seiner Bitte, bestimmte Filme zur Vorbereitung anzusehen, doch besser nachkommen sollte, um alle Insidergags zu verstehen. Aber keine Sorge: Auch ohne diese Hausaufgabe ist „Once Upon A Time In… Hollywood“ ein Meisterwerk und ein Riesenspaß. Denn die Thriller-Komödie voller Ironie ist unglaublich unterhaltsam, wird von zwei grandiosen Hauptdarstellern getragen und brilliert mit einer Schlussviertelstunde, die das Publikum komplett aus den Socken haut. 

Cool und lässig: Brad Pitt als Cliff Booth.


8. Februar 1969: Der Westerndarsteller Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) hat schon bessere Zeiten gesehen. Er zehrt noch von dem nach und nach verblassenden Ruhm seiner einstigen Hit-TV-Serie „Bounty Law“. Doch derzeit wird er nur noch als Bösewicht verheizt, der am Ende neue Helden gut aussehen lässt, wenn sie ihm im Finale die Visage polieren. Immer an seiner Seite ist Cliff Booth (Brad Pitt), sein Stuntdouble, persönlicher Fahrer, Assistent und bester Freund. Der Filmproduzent Marvin Schwarz (Al Pacino) zeigt Rick einen Ausweg und bietet ihm Hauptrollen in Spaghetti-Western an. Aber der Schauspieler will nicht nach Italien und tritt erst einmal als Bösewicht in der TV-Serie „Lancer“ auf. In seiner Nachbarschaft ist derweil der Regie-Shooting-Star Roman Polanski (Rafal Zawierucha) mit seiner Frau, der Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie), eingezogen...

Die Ankündigung von Kult-Regisseur Quentin Tarantino („The Hateful 8“), nach exakt zehn Filmen seine Karriere beenden zu wollen, traf die Filmwelt wie ein Donnerschlag - egal, wie ernst man diese Drohung nun nehmen will. So überhöht Tarantino gleichzeitig geschickt jedes weitere Werk zum Megaevent. Die bange Frage: Hat der Filmemacher mit seinem neunten Film „Once Upon A Time In... Hollywood“ seine Zeit und sein Talent sinnvoll investiert? Absolut – so brillant war er lange nicht mehr. Diese exzentrische Hollywood-Huldigung ist allerdings völlig anders, als wir es uns wohl alle vorgestellt haben.

Trockener Humor statt Manson-Morde


Stand am Anfang der Berichterstattung über das Projekt die Geschichte des Manson-Kults im Fokus, entpuppt sich dieses vermeintliche Zentrum des Films nun als Nebenhandlung. „Once Upon A Time In… Hollywood“ ist so auch viel weniger spannend, als es zu erwarten war, sondern vor allem sehr, sehr lustig. Tarantino teilt mächtig aus, vor allem gegen die „Fucking Hippies“ (Zitat Rick Dalton), die bei jeder Gelegenheit ihr Fett wegbekommen und beschimpft werden. Die gewohnt brillant-lässigen Dialoge sind derbe, aber es schwingt durchweg ein entwaffnender und trockener Humor mit. Und dafür braucht der für seine kultigen Dialoge bekannte Tarantino gar nicht immer große Worte. Wenn ein neuer Regisseur Rick Dalton altes Image als Westernheld unter einer Hippie-Matte verschwinden lassen will, reicht ein kurzer Blick auf DiCaprios mürrisches Gesicht: Das ist nämlich einfach nur köstlich.

Meist ist für den Humor aber Brad Pitt („Inglourious Basterds“) zuständig. Als schlagkräftiger Stuntman Cliff Booth, der nicht nur seinen Boss beschützt, sondern auch für seinen zwielichtigen Ruf gefürchtet wird, avanciert er sofort zum absoluten Publikumsliebling. Pitt hat die meisten Lacher auf seiner Seite, weil er lakonisch über den Dingen steht und austeilt, wenn es nötig ist. Eine bereits in den Trailern angedeutete Begegnung von Booth mit Kampfsportlegende Bruce Lee (Mike Moh) ist dann auch das Highlight in diesem an Highlights nicht armen Film – eine schlicht herausragend lustige Sequenz. Leonardo DiCaprio („Django Unchained“) hat als weinerlicher Rick Dalton zwar die undankbarere, weil weniger coole Rolle, meistert diese aber ebenso überragend, weil er eine größere Bandbreite an Emotionen zeigen darf. Sein Rick Dalton ist ein zerbrechlicher, manischer Charakter mit Selbstzweifeln, die er immer wieder zur Seite schieben will.

In Action: Schauspieler Rick Dalton.


Die beiden herausragenden Hauptdarsteller haben einen großen Anteil daran, dass es keinen großen Plot braucht, sondern es auch einfach so einen Heidenspaß macht, zwei Jungs zuzusehen, wie sie auf der Suche nach einer Zukunft durch Hollywood irrlichtern und dabei einfach nicht von ihrer Vergangenheit loskommen. Dazu kommt natürlich Quentin Tarantinos meisterliche Inszenierung: Ohne Rücksicht auf historische Genauigkeit erschafft er mit exquisiten Sets seine ganz eigene Version der Traumfabrik im Jahr 1969, die er - mit einem tollen 60er-Jahre-Soundtrack unterlegt - von seinem Stammkameramann Robert Richardson zum Leben erwecken lässt. Die eleganten 35mm-Bilder des dreifachen Oscarpreisträgers („JFK“, „Aviator“, „Hugo Cabret“) passen perfekt zur damaligen Zeit. Und natürlich dürfen ein paar der für den Regisseur so typischen inszenatorischen Kabinettstückchen wie kurz-knackige Rückblenden, die auf den Punkt Argumente in einem Dialog unterstreichen, nicht fehlen.

„Once Upon A Time In... Hollywood“ ist so natürlich auch die Liebeserklärung eines Kinoverrückten. Und ein solcher Film über das große Hollywood braucht selbstverständlich eines der größten Staraufgebote, das nur denkbar ist. Deswegen bietet der Cast neben den zentralen und alles bestimmenden DiCaprio und Pitt sowie Margot Robbie („I, Tonya“), die auch noch etwas mehr Leinwandzeit hat und optisch perfekt Sharon Tate verkörpert, noch eine lange Liste namhafter Akteure. Teilweise laufen diese Top-Schauspieler nur einmal kurz durchs Bild. Das mag wie ein reiner Marketinggag oder pure Dekadenz wirken, doch oft haben gerade diese Mini-Auftritte, in denen zum Beispiel Kurt Russell („Death Proof“) eine Szene stiehlt oder Damian Lewis („Homeland“) die Leinwandikone Steve McQueen spielt, schon ihren Sinn, weil so selbst Kleinigkeiten an Wichtigkeit gewinnen.  

Lässig und lustig


Immer wieder streut Tarantino nicht nur solche überraschenden Auftritte, sondern auch andere, einfach aus der Hüfte geschossen kleine amüsante Gimmicks ein. Diese Momente, in denen zum Beispiel der durchtrainierte Cliff Booth seine Fähigkeiten unter Beweis stellt, tragen oft überhaupt nichts zur Handlung bei, sind aber unerwartet, lässig und vor allem lustig. Das daraus resultierende Aufbrechen einer klassischen storygetriebenen Narration ist in dem satte 159 Minuten langen „Once Upon A Time In... Hollywood“ Konzept: Der Filmemacher schafft durch solche Momente eine außergewöhnliche Atmosphäre, die immer ein bisschen drüber ist, gerade dadurch aber eine rauschhafte Wirkung entfaltet, der man sich nicht entziehen kann.

Fazit: Quentin Tarantino enttäuscht mit „Once Upon A Time In… Hollywood“ eine ganze Reihe von Erwartungen und liefert gerade deswegen seinen überraschendsten Film. Brad Pitt und Leonardo DiCaprio brillieren dabei als jetzt schon ikonisches Duo in einer mit Filmzitaten gespickten, superlustigen, grandios gespielten, meisterhaften Thriller-Groteske, bei der 161 nostalgische Minuten wie im Flug vergehen - und die letzten 15 davon sind so ziemlich das Unterhaltsamste, was es seit längerem zu sehen gab.

Wir haben „Once Upon A Time In… Hollywood“ beim Filmfestival in Cannes gesehen, wo er im offiziellen Wettbewerb gezeigt wurde.

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