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    Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum
    Von Christoph Petersen

    Die Animationsfilme der Hollywoodstudios Pixar, Disney, DreamWorks & Co. sind inzwischen so aufwändig geworden, dass ihre Produktionskosten oft kaum noch unter denen der großen Sommer-Krawallblockbuster liegen. Da reicht es dann auch nicht mehr, nur die kleinen Kinobesucher und ihre Eltern in die Kinos zu locken, stattdessen müssen heutige Animationsabenteuer möglichst alle Altersklassen ansprechen. Deshalb werden sie regelmäßig mit Popkulturanspielungen vollbetoniert („Shrek“) oder bieten gleich Geschichten, die sich eher an ein erwachseneres Publikum richten („Wall-E“, „Oben“). Wir werden nun einen Teufel tun und etwas gegen diese Entwicklung einwenden, denn der durchschnittlichen Qualität der Filme hat sie ganz sicher nicht geschadet. Trotzdem ist es schade, dass es in diesem Umfeld kaum noch möglich scheint, große nur auf Kinder zugeschnittene Filme erfolgreich in die Kinos zu bringen – das lässt zumindest das schwache Ergebnis von David Sorens 130 Millionen Dollar teurem „Turbo – Kleine Schnecke, großer Traum“ an den US-Kinokassen befürchten. Mit der erwachsenenfreundlichen Animationskonkurrenz kann DreamWorks‘ Rennschnecken-Abenteuer jedenfalls finanziell nicht mithalten, dabei hat auch das ganz junge Publikum mehr so liebevolle, temporeiche und lustige Filme verdient wie „Turbo“.

    Jeden Morgen schleicht Turbo (Stimme: Ryan Reynolds) in den Garten, um dort seinen stupiden Erntehelferjob im Tomatenfeld zu verrichten. Doch während sein sicherheitsfanatischer Bruder Chet (fantastisch nasal: Paul Giamatti) und die anderen Schnecken keinerlei Problem damit haben, stumpfsinnige Arbeiten zu verrichten, bis sie irgendwann von einem Vogel aufgepickt werden, hat Turbo einen großen Traum: Er will Rennfahrer werden – genau wie der mehrfache Indy-500-Champion Guy Gagne (Bill Hader), dessen Videos sich Turbo jeden Abend reinzieht. Von den anderen Schnecken wird der Möchtegern-Racer dafür nur ausgelacht, immerhin braucht er selbst für eine Strecke von nur 30 Zentimetern stolze 17 Minuten. Doch dann gerät Turbo durch einen Unfall in den Lachgastank eines getunten Straßenflitzers, woraufhin er überschneckische Kräfte entwickelt und sich mit einer Geschwindigkeit von mehr als 200 Meilen pro Stunde fortbewegen kann. Damit scheint selbst die erträumte Teilnahme am legendären Autorennen Indianapolis 500 plötzlich in greifbarer Nähe…  

    Die Idee zu „Turbo“ klingt im ersten Moment, als stamme sie direkt aus der Marketingabteilung – und das nicht nur, weil sich die verschieden designten Rennschnecken so wunderbar als Spielzeug-Beilage zum McDonald’s Happy Meal eignen. Aber Regisseur David Soren trug die Story schon seit mehr als zehn Jahren mit sich herum und orientiert sich weit stärker an der Lebensrealität seines Publikums als man es bei dem abgefahrenen Plot erwarten würde. Denn bevor es nach Indianapolis zum großen Rennen geht, landet Turbo zunächst einmal in einer dieser abgewrackten Einkaufszeilen (Taco Shop, Autowerkstatt, Modellbauladen, Beauty Center), wie man sie in US-amerikanischen Kleinstädten und Metropolen-Randbezirken inzwischen an jeder dritten Straßenecke vorfindet. Dort kämpfen die Taco-Brüder Angelo (Luis Guzmán) und Tito (Michael Pena) nicht nur ums wirtschaftliche Überleben, sie spiegeln auch den Konflikt der Schneckenbrüder: Während Angelo wie Chet lieber auf Nummer sicher gehen und sich mit wenig zufrieden geben will, träumt Tito vom großen Erfolg, für den er bereits vergeblich die eine oder andere abgedrehte Marketingaktion ausprobiert hat. Und so ist es dann auch Tito, der an Turbos Chance glaubt und die anderen Geschäftsinhaber überredet, die 20.000 Dollar Startgeld für ihn zu sponsern.

    So gelungen der Auftakt im Tomatenbeet (mit teilweise verdammt schwarzem Humor, etwa wenn eine Krähe mal wieder einen der Schneckenarbeiter aufpickt) und das rasante Finale auf der Rennstrecke auch sind, das Prunkstück von „Turbo“ bleibt der Part rund um den Taco-Laden. Indem die Filmemacher auf dem Weg zu ihrem Underdog-Happy-End noch diesen Reality-Check-Abstecher einlegen, holen sie ihr Publikum quasi direkt bei sich vor der Haustür ab, weshalb man Turbo und seinen um jeden Kunden kämpfenden Geschäftsleute-von-nebenan-Sponsoren später beim spektakulären Indy 500 nur umso stärker alle Daumen drückt! Zudem sind auch die Action-Einlagen, in denen Turbo gegen andere normallangsame, aber dafür mit allen Wassern gewaschene Rennschnecken antritt, in diesem mittleren Teil am spektakulärsten - zumal in den Rollen der Schneckenkonkurrenz zumindest in der englischen Originalfassung mit Samuel L. Jackson (als Whiplash), Snoop Dogg (als Smoove Move) und Maya Rudolph (als Burn) auch noch ein grandioses, perfekt harmonierendes Street-Cred-Sprecher-Trio für trockene Comedy-Einlagen sorgt.

    Fazit: „Turbo“ ist ein großer Trickfilmspaß (vor allem) für Kinder und soweit es Rennsport-Animationsfilme angeht, trägt er mit einigen Schneckenlängen vor der Pixar-Konkurrenz „Cars“ und „Cars 2“ den verdienten Sieg davon!

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