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    Die Croods - Alles auf Anfang
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Die Croods - Alles auf Anfang

    Der Steinzeit-Wahnsinn geht weiter

    Von Christoph Petersen
    Spätestens wenn die Thunder Sisters mit Neon-Kriegsbemalung und zu Heavy-Metal-Mucke auf Wolfsspinnen (tatsächlich halb Wolf, halb Spinne) gegen eine Horde von Punch-Monkeys in die Schlacht ziehen, um ihre als Bananen zwangsverkleideten Männer zu befreien, bevor diese einem stacheligen Riesenaffen als Opfer dargeboten werden, kann man sich sicher sein: Die Croods sind zurück! Nach dem Auftakt des anarchischen Animations-Wahnsinns mit „Die Croods“ von Kirk De Micco und Chris Sanders („Drachenzähmen leicht gemacht“) geht es nach einer Reihe von Produktionsverzögerungen nun siebeneinhalb Jahre später mit „Die Croods – Alles auf Anfang“ weiter ...

    ... und auch wenn in der Fortsetzung der Debütant Joel Crawford die Regie übernimmt, hat sich an den zentralen Qualitäten der Croods wenig geändert: An den regelrecht aggressiv-farbenfrohen (Kreaturen-)Designs kann man sich nach wie vor kaum sattsehen, während der Humor gewohnt trocken und die Action wieder ebenso fulminant wie kreativ daherkommt. Dazu gibt es eine Story, die trotz des steinzeitlichen Settings auch eine Menge über die heutige Zeit aussagt - ohne deshalb gleich weniger durchgeknallt zu wirken oder gar den erhobenen Zeigefinger auszupacken.

    Auch in der Fortsetzung garantiert: Grell-farbenfroher Anarcho-Spaß!


    Steinzeit-Patriarch Grug (Stimme im Original: Nicolas Cage) und seine Familie sind nach dem Einsturz ihrer Höhle noch immer auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Auf ihrer Expedition stoßen sie irgendwann auf Phil Betterman (Peter Dinklage), der sich gemeinsam mit seiner Frau Hope (Leslie Mann) und seiner Tochter Dawn (Kelly Marie Tran) ein ummauertes Paradies erschaffen hat: Hier betreiben sie nicht nur Ackerbau, sie haben sich auch ein Baumhaus mit etlichen Zimmern und sogar einer Toilette mit Spülung eingerichtet...

    Während Ugga (Catherine Keener) schwer begeistert von all den modernen Annehmlichkeiten ist, bleibt ihr Mann Grug skeptisch – und er hat Recht: Die Bettermans wollen ihre Tochter Dawn nämlich unbedingt mit Guy (Ryan Reynolds) verkuppeln, obwohl der ja eigentlich schon mit der Croods-Tochter Eep (Emma Stone) zusammen ist – den Rest der Steinzeit-Clans wollen sie hingegen so schnell wie möglich wieder loswerden. Aber dann verstößt Grug gegen die einzige Regel der Bettermans, bloß keine der Bananen zu essen – und damit brockt er allen ein noch viel, viel, viel größeres Problem ein...

    Fenstersüchtig


    Als Crood-Sohn Thunk (Clark Duke) im Baumhaus der Bettermans ankommt, setzt er sich direkt vor ein Fenster – und ist fortan Tag und Nacht nicht mehr davon wegzubekommen. Ein spaßiger Seitenhieb auf Fernsehsucht in Steinzeittagen, der im „Die Croods“-Sequel – ohne je gewollt oder angestrengt zu wirken – immer weiter auf die Spitze getrieben wird. Aber selbst wenn man gerade diesen Gag nicht witzig finden sollte, macht das gar nichts – denn „Die Croods – Alles auf Anfang“ ist vollgepackt mit cleveren Pointen, die in ihren besten Momenten gar an den trocken-anachronistischen Humor von Monty Python in „Das Leben des Brian“ oder „Die Ritter der Kokosnuss“ anknüpfen.

    Noch mehr als die parodistischen Elemente bleiben jedoch die erneut angenehm abgefahrenen Designs in Erinnerung – egal ob Pflanzen, Kreaturen oder Landschaften, auch im Sequel haben sich die Animatoren ausgetobt, als gäbe es kein Morgen mehr. Wahrscheinliches Szenario: Jemand hat ihnen eine Pistole an den Kopf gehalten, damit sie auch ja jede noch so grelle Farbe aus ihrem virtuellen Tuschkasten verwenden. Das Ergebnis ist ein anarchischer Augenschmaus, der diesmal in der Anbahnung des Action-Finals noch um einen durchschüttelnden Heavy-Metal-Touch erweitert wird. Wenn man sich ausgerechnet Nicolas Cage („Mandy“) als Sprecher seiner Hauptfigur anheuert, dann müssen halt alle Beteiligten das Wahnsinns-Pedal eine Ecke stärker durchdrücken als gewohnt...

    Das Konzept einer "Wand" leuchtet den Croods offensichtlich nicht auf Anhieb ein.


    Neben dem grundsätzlich grandios inszenierten „Ratatouille“ und der luftig-spektakulären „Drachenzähmen leicht gemacht“-Trilogie hat „Die Croods“ mit die besten Actionszenen im Animations-Genre überhaupt zu bieten – selbst wenn diese in der Regel so übertrieben sind, dass am ehesten noch ein Vergleich mit den späteren „Fast & Furious“-Filmen angebracht scheint. In „Die Croods 2“ wird dieser Aspekt zwar zugunsten der Story etwas zurückgefahren, aber dafür entwickelt zumindest das Finale erneut einen adrenalingetränkten Punch, wie man ihn in CGI-Abenteuern nur selten erlebt. Astreines Action-Kino eben.

    Bevor es am Ende ordentlich kracht, müssen sich die Croods von den Bettermans erst mal erklären lassen, wie man als „moderner“ Mensch zu leben hat – das sagt ja auch schon ihr Familienname. Natürlich muss man sich nicht allzu sehr anstrengen, um da einen Kommentar zur aktuell so gespaltenen US-Gesellschaft hineinzulesen: Die Croods stehen mit ihren klassischen Familienwerten offensichtlich für den konservativen Teil der USA, während die auf Individualismus und Technik pochenden Bettermans für das herablassend-gutmeinende (Silicon-Valley-)Amerika der Liberalen stehen. Das hätte leicht platt werden können – funktioniert in „Die Croods – Alles auf Anfang“ aber ganz hervorragend, weil der Humor nicht nur den nötigen Biss, sondern der Plot auch genügend Überraschungen bereithält. So verkommen die Figuren nie zu bloßen Karikaturen und das versöhnliche Ende wirkt nicht konstruiert, sondern verdient.

    Das Fazit für das Sequel ist exakt dasselbe wie vor sieben Jahren für den ersten Teil: Mit seinen fulminanten Action-Sequenzen, seinen abgefahrenen Figuren-Designs, seinem trockenen Humor und überhaupt seinen Unmengen an kreativen Einfällen entpuppt sich „Die Croods – Alles auf Anfang" als extrem kurzweilige Familienunterhaltung und Mitternachtskino mit beträchtlichem Kultpotential in einem.

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