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    Headshot
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Headshot
    Von Christoph Petersen
    Nach den absolut genredefinierenden Martial-Arts-Meisterstücken „The Raid“ und „The Raid 2“, die es beide in die FILMSTARTS-Liste der 75 besten Actionfilme aller Zeiten geschafft haben, versucht die indonesische Kinoindustrie jetzt natürlich, möglichst nahtlos an die beiden Welterfolge von Gareth Evans anzuknüpfen. Aber wie ein paar Jahre zuvor in Thailand, wo alle den Erfolg von „Ong-Bak“ mit Tony Jaa wiederholen wollten (etwa mit „Revenge Of The Warrior“), sind die Ergebnisse nun auch in Indonesien eher so mittelmäßig. Gareth Evans hat seine Schauspieler für bestimmte Szenen in „The Raid 2“ mehr als ein Jahr lang trainieren lassen – eine solch kompromisslos-konsequente Herangehensweise lässt sich einfach nicht kopieren, wenn man möglichst schnell aus einem Trend Kapital schlagen möchte. Das merkt man nun auch „Headshot“ von den Mo Brothers („Macabre“) an: Die Martial-Arts-Sequenzen sind auf extremste Weise körperlich, krachend effizient und superbrutal, aber trotz der Besetzung von „The Raid“-Star Iko Uwais lange nicht so ausgefeilt wie in den Vorbildern.

    Als ein von seinen Rettern Ishmael getaufter junger Mann (Iko Uwais) bewusstlos und mit einer Pistolenkugel im Kopf am Strand angeschwemmt wird, päppelt ihn die junge Ärztin Ailin (Chelsea Islan) vorsichtig wieder auf. Nur sein verlorenes Gedächtnis kann auch sie ihm nicht zurückgeben. Was die beiden also nicht wissen: Ishmael wurde von dem sadistischen Gangsterboss Lee (Sunny Pang) schon seit seiner Kindheit an zum perfekten Killer ausgebildet – und Lee war es auch, der den Befehl dazu gegeben hat, Ishmael zu eliminieren. Als sich nun herumspricht, dass im Krankenhaus ein Mann ohne Erinnerung, aber dafür mit einer Kugel im Kopf herumliegt, brauchen Lee und seine Schergen nur noch zwei und zwei zusammenzählen – und so eröffnen sie die Jagd auf Ishmael, wobei sie beim ersten Versuch zwar nicht ihn, aber dafür immerhin Ailin in ihre Gewalt bringen…



    Mit ihrem vorherigen Film „Killers“ haben die Mo Brothers Kimo Stamboel und Timo Tjahjanto einen der moralisch abgründigsten Serienkillerfilme überhaupt geschaffen – und ähnliche Abgründe schimmern nun auch in „Headshot“ immer wieder durch: So hat Lee „seine Kinder“ zu Killern erzogen, indem er sie mehrere Tage in einer Grube hungern und dursten ließ und dann eine Wasserflasche zu ihnen nach unten warf – mit dem Ergebnis, dass sich die Jungen und Mädchen für ein paar Schluck Wasser gegenseitig zerfetzen. Was passiert mit jemandem, der sein Gedächtnis verloren hat und sich selbst für einen guten Menschen hält, wenn er plötzlich von so einer Vergangenheit erfährt? Eine spannende Frage, die in „Headshot“ aber nicht behandelt wird – dafür sind Iko Uwais‘ schauspielerische Fähigkeiten auch einfach zu begrenzt. Schon die kurzen romantischen Momente sind eher hölzern geraten, da haben die Macher wohl gut daran getan, auf wirklich dramatische Herausforderungen für ihren Star lieber zu verzichten. Stattdessen bleibt die Handlung purer Vorwand für die Gewalteinschübe und kommt in der zweiten Hälfte sogar vollständig zum Erliegen – diese besteht nämlich fast ausschließlich aus fünf aneinandergereihten Boss Fights.

    Aber zu einer Sache ist die Story dann doch gut: Die Einführung der Bösewichte ist grandios gelungen! Gleich in der ersten Szene bricht Lee aus einer Einzelzelle in einem Hochsicherheitsgefängnis aus – und beweist dabei sowohl seine absolute Ruchlosigkeit als auch seine Fähigkeit zur Manipulation. Seine Handlanger stürmen wenig später einen Reisebus und veranstalten darin ein regelrechtes Massaker. Solche Gewaltausbrüche dominieren den Film, in dem „Arts“ ganz bewusst hinter dem „Martial“ zurücksteckt: In „Headshot“ haben die Kämpfe nichts Elegantes, nichts Tänzerisches, keine spielerische Ironie. Klassische Handkantenballett-Momente sind hier Mangelware. Stattdessen scheint jede kleinste Bewegung auf die maximale Effektivität und Zerstörung ausgelegt (wenn hier Knochen brechen, dann hört man das nicht nur, in der Regel ragen sie anschließend auch aus dem Körper heraus).

    Es gibt zwar keine so langen ausgefeilten Passagen wie in „The Raid“ oder „Ong-Bak“, aber die einzelnen Moves werden selten zerschnitten, weshalb alles handgemacht wirkt – inklusive einiger heftiger Gore-Momente, wenn etwa eine Patrone von Hand durchs Auge ins Gehirn gedrückt wird. Auch ganz besonders schmerzhaft: Nachdem einer der Handlanger durch eine alte Schreibmaschine geschlagen hat, ragen ihm einige der Tastenhebel aus den Knöcheln heraus – quasi wie bei Wolverine. Dass es trotzdem keine gute Idee ist, diese „Krallen“ als Waffen einzusetzen, spürt er schon im nächsten Moment, als er seinen Widersacher verfehlt und mit der Faust gegen die Wand schlägt. Das tut auch beim Zuschauen richtig weh.

    Fazit: Es bleibt dabei – Fans von Martial-Arts-Kost der härtesten Gangart sollten sich weiterhin zuerst „The Raid“ und „The Raid 2“ anschauen. Aber wenn man dann noch mehr von diesem neuen indonesischen Körperzerstörungs-Kino sehen will, ist „Headshot“ sicherlich nicht die schlechteste Wahl.

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