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    The Diamond Job - Gauner, Bomben und Juwelen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    The Diamond Job - Gauner, Bomben und Juwelen

    Bube, Dame, König, Pulp

    Von Oliver Kube
    Nach Abschluss seiner Arbeit an „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, dem Leinwand-Meisterwerk, das ihm einen Oscar für die Beste Nebenrolle einbringen sollte, flog Sam Rockwell im Sommer 2016 nach England. Dort begann er direkt mit dem Dreh der Krimi-Komödie „The Diamond Job - Gauner, Bomben und Juwelen“ unter der Regie von Hadi Hajaig („Cleanskin - Bis zum Anschlag“). Nachdem er in dem brillanten Martin-McDonagh-Drama noch einen Cop spielte, schlüpfte Rockwell hier nun in die Haut eines Berufsverbrechers. Dennoch sind sich die Rollen ähnlicher, als es auf dem Papier zunächst den Anschein haben mag. Beide Figuren wirken zu Beginn eher unsympathisch, wachsen dem Zuschauer mit fortschreitender Laufzeit aber mehr und mehr ans Herz.

    Für Rockwell kein Problem, hat er doch einen beträchtlichen Teil seiner Karriere darauf aufgebaut, linkische, nicht wirklich vertrauenswürdige Typen zu spielen, die trotz ihrer Fehler irgendwann liebenswert rüberkommen und mit denen der Zuschauer schließlich doch mitfiebert. „Moon“ ist ein Beispiel für diese Art von Antiheld, die der Amerikaner so perfekt geben kann. Ebenso George Clooneys „Geständnisse - Confessions Of A Dangerous Mind“ oder die Sci-Fi-Komödie „Galaxy Quest“, in der Rockwell einige der besten Szenen hat. In „Vice - Der zweite Mann“ gelingt es ihm sogar für jemanden wie George W. Bush Sympathien zu erregen. „The Diamond Job - Gauner, Bomben und Juwelen“ kann allerdings mit keinem der hier genannten Filme mithalten. Dank seines Stars ist er dennoch zumindest einen Blick wert.

    Eddie und sein Team sehen eher nicht wie klassische Diamentendiebe aus.


    Eddie (Sam Rockwell) und Paul (Ben Schwartz) sind auf Bewährung aus dem Knast entlassen worden und arbeiten als Aushilfen in einem schäbigen Schnellimbiss in New York City. Da kommt die aus England eingeflogene, bemerkenswert nervös wirkende Katherine (Phoebe Fox) durch die Tür. Sie stellt sich als Anwältin eines Gangsterbosses (Peter Polycarpou) vor und hat einen Auftrag für das Duo. Eddie und Sam sollen sie über den Atlantik in die Heimat begleiten und dort einen wertvollen Diamanten stehlen. Sie hätte bereits alles detailliert geplant und arrangiert, bräuchte aber zwei Männer, die in London niemand kennt. Was Katherine ihren potenziellen Komplizen verschweigt: Es gibt weitere Interessenten für den Blue Iguana genannten Edelstein, die nicht gerade zimperlich sind, wenn ihnen jemand in die Quere zu kommen versucht…

    Im Schatten von Quentin Tarantino


    Der von Hadi Hajaig nicht nur inszenierte, sondern auch geschriebene Streifen ist offensichtlich von modernen US-Klassikern wie „Pulp Fiction“, „Das Leben nach dem Tod in Denver“ oder „Reservoir Dogs“ beeinflusst. Dazu kommt mehr als nur eine Prise von Guy Ritchies Cockney-Gangsterballaden „Snatch – Schweine und Diamanten“ und „Bube, Dame, König, grAs“. Ein Rezept, das erst einmal durchaus vielversprechend klingt. Nur ist der Engländer leider nicht ansatzweise so talentiert wie Quentin Tarantino oder Guy Ritchie, wenn es darum geht, messerscharfe Dialoge zu schreiben, clevere Wendungen in die Handlung einzubauen oder Action-Szenen wie Shootouts oder Verfolgungsjagden möglichst virtuos ins Bild zu setzen.

    Die Grundidee von „The Diamond Job - Gauner, Bomben und Juwelen“ ist zwar nicht gerade originell, aber auch nicht wirklich schlecht. Die Eingangsszene, in der die von Phoebe Fox („The Aeronauts“) gespielte Katherine die beiden Amerikaner anwirbt, macht sogar richtig Spaß. Und das trotz des billig aussehenden Studio-Settings, dem niemand abkaufen dürfte, dass es tatsächlich in New York stehen könnte. Ist er mit der Story allerdings erst einmal in London angekommen, verzettelt sich Hajaig immer wieder in Logiklöcher und Abschweifungen, anstatt gradlinig zu erzählen. Er fügt Figuren ein, die erst groß aufgebaut werden, wie etwa eine von Amanda Donohoe („Der Biss der Schlangenfrau“) verkörperte, sexbesessene Barfrau, dann aber für den weiteren Verlauf kaum bis gar nicht mehr relevant sind.

    Schießerei mit tödlichem Maskottchen.


    Warum ist „The Diamond Job - Gauner, Bomben und Juwelen“ trotzdem keine komplette Zeitverschwendung? Nun, abgesehen davon, dass das Finale des Films nicht nur überraschend blutig, sondern auch so crazy ist, dass es schon wieder witzig daherkommt, besteht die Antwort aus zwei Namen: Sam Rockwell und Peter Ferdinando! Ersterer wirkt ungeachtet der diversen Schwächen, die das zu vollgestopfte Drehbuch und die betuliche Inszenierung aufweisen, souverän und wie ein Fels in der Brandung. Rockwell verleiht dem Ganzen doch noch eine gewisse Klasse. Ferdinandos („High-Rise“) Auftritte sind hingegen speziell für Fans von „Trainspotting - Neue Helden“ ein Fest. Sein psychopathischer, mit einer unglaublich bescheuerten Vokuhila-Frisur ausgestatteter Kleingangster und Eddies Hauptkonkurrent um den Diamanten kommt schließlich wie der einen Tick trotteligere Bruder von Robert Carlyles Begbie in der genialen Druggie-Dramedy daher. Eine Rolle, die dem ansonsten eher auf ernstere, subtilere Parts abonnierten Darsteller offenbar mächtig Spaß bereitet.

    Fazit: Nur weil viele der Versatzstücke aus anerkannten Meisterwerken stammen, bedeutet das noch lange nicht automatisch, dass der daraus resultierende Film ähnlich gut wird. Aber zumindest Hauptdarsteller Sam Rockwell ist wie immer sehenswert.

     

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