Hellboy: The Crooked Man
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Hellboy: The Crooked Man

Comic-Action mit (zu vielen) "Crank"-Vibes

Von Lutz Granert

Mit launigen Sprüchen, teils atemberaubenden Effekten sowie dem rustikalen Charme von Ron Perlman formte Guillermo del Toro aus den eigentlich betont-düsteren Kult-Comics von Mike Mignola zwei massentaugliche Blockbuster: Nach „Hellboy“ (2004) und „Hellboy – Die goldene Armee“ (2008) hatte der spätere Oscar-Abräumer („Shape Of Water“) sogar noch einen dritten Teil im Sinn, der dann jedoch an zu hohen Kosten scheiterte. Stattdessen lieferte „Doomsday“-Regisseur Neil Marshall einige Jahre später mit dem deutlich kostengünstigeren „Hellboy – Call Of Darkness“ einen Neustart, der sich mit einem stärkeren Fokus auf Horror-Elemente zwar inhaltlich mehr der Vorlage annäherte, bei Publikum und Kritik aber trotzdem weitgehend durchfiel.

Das neuerliche Reboot „Hellboy: The Crooked Man“ basiert auf der gleichnamigen, erstmals 2008 erschienenen Comic-Story, die Mike Mignola gemeinsam mit seinem „Dark Horse“-Verleger Christopher Golden selbst ziemlich werkgetreu zu einem Drehbuch verarbeitet hat. Auch mit den Aufnahmen, die ihm täglich vom Set zugeschickt wurden, zeigte sich der „Hellboy“-Schöpfer in Instagram-Posts äußerst zufrieden. Trotzdem polarisiert das Ergebnis – und das liegt auch am visuellen Overdrive von „Crank“-Regisseur Brian Taylor: Während sich (Hardcore-)Fans der Comics zumindest über den extrem düsteren Tonfall freuen werden, dürften Durchschnittszuschauer*innen an dem überdrehten Horrorspektakel mit arg dünn geratenem Plot schnell die Lust verlieren.

Nach Ron Perlman und David Harbour ist Jack Kesy nun bereits der dritte „Hellboy“-Darsteller in den vergangenen 20 Jahren. Telepool GmbH
Nach Ron Perlman und David Harbour ist Jack Kesy nun bereits der dritte „Hellboy“-Darsteller in den vergangenen 20 Jahren.

1959: Hellboy (Jack Kesy) und seine noch unerfahrene B.P.R.D.-Kollegin Bobbie Jo Song (Adeline Rudolph) sollen eine äußerst wandlungsfähige Spinne überführen, die in einen mysteriösen Wald in den Appalachen ausbüxt. Auf der Suche nach dem mutierenden Tier macht das Duo Bekanntschaft mit den Bewohner*innen eines Dorfes, die sich immer wieder gegen Hexen zur Wehr setzen müssen. Auch der Dämon des fast 200 Jahre alten Jeremiah Witkins (Martin Bassindale), genannt „The Crooked Man“, hat es auf sie abgesehen, weil er weitere Seelen benötigt, um endlich Ruhe zu finden…

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Mit gerade einmal 20 Millionen US-Dollar stand für den komplett in Bulgarien gedrehten „Hellboy: The Crooked Man“ im Vergleich zu seinen Vorgängern nur ein vergleichsweise winziges Budget zur Verfügung, das gerade bei der billig anmutenden Kostümierung des Titelhelden sowie den wenig hermachenden Sets immer wieder durchschimmert. Besonders auffällig tritt das bei den bläulich-grauen, überfrachteten Budenzauber-Szenen in einem lieblos eingerichteten, schummrig ausgeleuchteten Haus zutage, wo in jedem Raum mit allzu vorhersehbaren Hui-Buh-Jumpscares Spannung erzeugt werden soll.

Noch preisgünstiger geht's draußen zu: Hellboy, Bobbie Jo Song und Tom stapfen öde durch den dunklen Wald und werden ab und an mit Hexen oder Dämonen konfrontiert – den zähen Erzählfluss bringen aber selbst diese Scharmützel nicht in Schwung. Die wiederholten Einsätze schiefer Streicher als vermeintlich atmosphärische Musikuntermalung nutzen sich ebenfalls schnell ab.

„Hellboy: The Crooked Man“ ist vollgestopft mit albtraumhaften Horroreinschüben. Telepool GmbH
„Hellboy: The Crooked Man“ ist vollgestopft mit albtraumhaften Horroreinschüben.

Zumindest setzt Brian Taylor bei „Hellboy: The Crooked Man“ ganz auf praktische Effekte, wobei er seinem visuellem Einfallsreichtum – wie aus seinen gemeinsam mit Mark Neveldine inszenierten Filmen wie „Ghost Rider 2“ oder „Gamer“ gewohnt – völlig freien Lauf lässt. Da erscheint dann schon einmal unvermittelt der improvisierte Titelschriftzug in blutroten Lettern im Stil eines Retro-Slashers, eine getrickste Zugfahrt gerät allzu Cartoon-artig, enervierende Unschärfen im Bild lassen unwillkürlich zum Brillenputztuch greifen.

Der Mix aus Fantasy-Action und Grusel ist zudem mit schummrigen Horrorvisionen und Albtraumsequenzen (etwa mit einer riesigen Krähe und Hellboys Mutter) überfrachtet, wenn nicht gleich eine – komplett unnötige –Meta-Szene rund ums Rezept zur Herstellung von Hexenkugeln eingeflochten wird. All das zerfasert den sich nur vage abzeichnenden, hauchdünnen Plot immer mehr, bis irgendwann der Überblick und das Interesse an dem düsteren Spuk komplett verloren geht. Bezeichnend, dass Jack Kesy („The Pickup“) als Kette rauchende Titelfigur dann auch eher pflichtbewusst ein paar rotzige Sprüche absetzt und sonst eher resignierend durch das nebulöse Treiben stapft.

Fazit: Werkgetreu? Mag sein. Bei der zunehmend zusammenhanglosen Aneinanderreihung von zuweilen hübsch stilisierten Alptraumszenen und Horrorvisionen in „Hellboy: The Crooked Man“ geht jedoch schnell der Überblick und damit leider auch der Spaß verloren.

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