The Housemaid - Wenn sie wüsste
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
The Housemaid - Wenn sie wüsste

Kein neuer "Gone Girl"

Von Oliver Kube

2024 startete „Euphoria“-Serienstar Sydney Sweeney auch im Kino voll durch! Innerhalb der ersten vier Monate des Jahres war sie in vier Filmen auf den hiesigen Leinwänden vertreten. Mit „Wo die Lüge hinfällt“ landete sie einen überraschenden RomCom-Superhit – und ihre Leistung im Echtzeit-Thriller „Reality“ verschaffte ihr sogar einen Platz im Awards-Rennen. Selbst ihr eher kleiner Auftritt im MCU-Megaflop „Madame Web“ wurde noch als einer der wenigen Lichtblicke verbucht – und mit „Immaculate“, einem Kloster-Horror mit WTF-Finale, brachte sie sich parallel auch noch als Scream Queen in Stellung. 2025 sah dann allerdings schon wieder ganz anders aus (und damit meinen wir nicht die Jeans-Kontroverse): Im Aussteiger-Intrigenspiel „Eden“ blieb sie blass, ihren Streaming-Thriller „Echo Valley“ hat kaum jemand mitbekommen, ihr bereits 2022 abgedrehter Neo-Western „Americana“ sollte vom plötzlichen Hype profitieren, schmierte in den US-Kinos aber völlig ab.

Ihren heftigsten Rückschlag musste Sweeney allerdings mit dem Flop des Boxerinnen-Biopics „Christy“ einstecken – ein absolutes Herzensprojekt, das sie sogar mit ihrer eigenen Produktionsfirma unterstützt hat, das dann aber weder an den Kinokassen noch bei der Filmkritik punkten konnte. Fast schien es schon so, als sei Sweeney die Absteigerin des Jahres – zumindest bis pünktlich zu Weihnachten die mit überraschenden Wendungen vollgestopfte Bestseller-Adaption „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ in die US-Kinos kam. Der fiese Psycho-Thriller von „Brautalarm“-Regisseur Paul Feig hat in Nordamerika auf Anhieb so viel Geld eingespielt, dass das Studio bereits jetzt grünes Licht für die Fortsetzung „The Housemaid 2“ (startet wahrscheinlich 2027) gegeben hat. Aber während zumindest am Box Office die (vorläufige) Umkehr geschafft ist, sieht es in Bezug auf die Qualität des Films leider längst nicht so rosig aus.

Millie (Sydney Sweeney) kann ihr Glück kaum fassen, als sie Stelle als Haushaltshilfe in einer Luxusvilla tatsächlich bekommt… Leonine
Millie (Sydney Sweeney) kann ihr Glück kaum fassen, als sie Stelle als Haushaltshilfe in einer Luxusvilla tatsächlich bekommt…

Das Leben von Millie (Sydney Sweeney) verlief bisher nicht gerade nach Plan. Mit einem unvollendeten Studium schleppt sie sich ohne Job und Wohnung von einem Tag zum nächsten, während sie die Nächte in ihrem klapprigen Auto verbringt. Deshalb kann sie ihr Glück auch kaum fassen, als die wohlhabende Nina (Amanda Seyfried) ihr eine Stelle als Haushaltshilfe inklusive Kost und Logis in ihrer riesigen Villa anbietet. Doch kaum ist Millie dort eingezogen, zeigt Nina ihr wahres Gesicht: Die Dame des Hauses rastet immer wieder komplett aus, während sie ihrer Angestellten vermeintliche Verfehlungen vorwirft.

Auch zu Ninas ebenso verwöhnter wie respektloser Tochter Cecelia (Indiana Elle) findet Millie einfach keinen Draht. Allein Ninas attraktiver und erfolgreicher Ehemann Andrew (Brendan Sklenar) ist rücksichtsvoll und nett zu ihr – was seine Gattin rasend eifersüchtig macht. Trotz kryptischer Warnungen von Enzo (Michele Morrone), dem Gärtner der Familie, hat Millie keine andere Wahl, als zu bleiben. Es dauert nicht lange und die ohnehin schon angespannte Situation eskaliert endgültig…

Bemüht edel

Der millionenfach verkaufte Roman „Wenn sie wüsste“ (hier bei Amazon*) von Vielschreiberin Freida McFadden ist der Inbegriff von Literatur, die man sich am Bahnhof oder Flughafen noch schnell für einen längeren Trip zulegt. Eben einer dieser Thriller, die bevorzugt in spießigen US-Vororten spielen und sich um das drehen, was hinter den Vorhängen der Nachbarhäuser wohl alles Niederträchtiges vorgeht. Paul Feig („Nur ein kleiner Gefallen“) versucht, daraus einen mit erotischen Untertönen angereicherten Edel-Thriller im Stile von David Finchers brillantem „Gone Girl“ zu formen. Aber stattdessen kommt eher eine mittelmäßige, dazu überlange, wenn auch erfreulich düstere „Desperate Housewives“-Episode dabei heraus.

Statt nur auf glatt-glänzende Oberflächen zu setzen, hätte sich Feig vielleicht – passend zur Romanvorlage – darauf einlassen sollen, einen hemmungslos übertriebenen, womöglich sogar bewusst trashigen Film zu inszenieren. Denn im Prinzip ist gegen solchen Flughafen-Pulp ja gar nichts einzuwenden – man sollte ihn nur eben besser selbst nicht allzu ernst nehmen. Die Darsteller*innen haben leider ein ähnliches Problem: Sydney Sweeney und „Nur noch ein einziges Mal“-Sweetheart Brendan Sklenar treten so nüchtern auf, als würden sie in entschieden anspruchsvollerer Kost spielen, statt mal ein bisschen Spaß mit ihren betont klischeehaften Rollen zu haben. Allein Amanda Seyfried („Mamma Mia!“) scheint verstanden zu haben, in was für einer Geschichte sie hier mitspielt, und dreht dementsprechend immer wieder richtig auf – so wie es die zunehmend immer absurderen Wendungen eigentlich auch zwingend verlangen.

Zumindest Amanda Seyfried gibt mit ihrer Performance dem Affen ordentlich Zucker – so, wie es die überdrehten Twists der Vorlage eigentlich verlangen! Leonine
Zumindest Amanda Seyfried gibt mit ihrer Performance dem Affen ordentlich Zucker – so, wie es die überdrehten Twists der Vorlage eigentlich verlangen!

So wirkt fast alles ohne Amanda Seyfried arg bemüht und gestelzt. Speziell die Szenen mit dem ohnehin überflüssigen Gärtner, gespielt vom arg hölzern agierenden „365 Days“-Beau Michele Morrone, laden wiederholt zum Augenrollen ein. Das wirkt dann eher unfreiwillig komisch als spannungsfördernd. Die große Wendung im dann endlich ordentlich auf- und sogar angemessen überdrehenden Finale baut zudem auf zu vielen nur nachlässig übertünchten Handlungslücken und schwachen Charakterisierungen auf – sodass sie, selbst wenn nur wenige sie konkret vorhersehen werden, wenig mehr als ein Achselzucken beim Gros des Publikums provozieren dürfte.

Fazit: Statt sich konsequent auf den überbordenden Trash-Faktor der Vorlage einzulassen, versucht Paul Feig, aus dem Ausgangsmaterial einen Edel-Thriller à la „Gone Girl“ zu formen. Aber das gelingt ihm trotz einer spiellaunigen Amanda Seyfried leider auch nicht besser als zuletzt bei seiner enttäuschenden Amazon-Prime-Fortsetzung „Nur noch ein kleiner Gefallen“.

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