Es gibt Filme, bei denen verrät bereits der Titel, dass die Seherfahrung eine emotionale Belastungsprobe wird. Zu diesen gehört auch „How To Make Millions Before Grandma Dies“, den man etwa mit „Wie man Millionen macht, bevor Großmutter stirbt“ übersetzen kann. Spätestens als Videos von emotional zerstörten Kinogästen und Mitarbeiter*innen viral gingen, die vor den Vorstellungen Taschentücher verteilten, war klar, dass hier wirklich Rotz und Wasser geheult wird. Ein entsprechendes Video haben wir euch hier eingebunden:
Und auch ich muss gestehen, dass mich das Kino-Debüt des thailändischen Regisseurs Pat Boonnitipat emotional komplett umgehauen hat. Die letzten 40 Minuten liefen mir die Tränen nur so übers Gesicht – und es wollte einfach nicht aufhören. Dabei driftet das Krebs-Drama nie in sentimentalen Kitsch ab, sondern verlässt sich vollkommen auf die Stärke seiner Figuren, die einem mit zunehmender Spieldauer trotz (oder gerade wegen) all ihrer Ecken und Kanten wirklich ans Herz wachsen.
Für mich ist „How To Make Millions Before Grandma Dies“ der zweitbeste Film 2025 (gezählt werden hier Filme, die im letzten Jahr im Streaming oder Kino angelaufen sind). Geschlagen nur von dem grandiosen „In die Sonne schauen“.
Und das sehe nicht nur ich so – auch viele andere sind von dem Drama begeistert: Top-Wertungen auf Rotten Tomatoes (98% im Kritikerscore und 95% im Publikumsrating) oder Letterboxd, wo das Drama mit einem hervorragenden Ergebnis von 4,3 von 5 möglichen Sternen aktuell sogar Platz 112 der bestbewertetsten Filme aller Zeiten belegt, sprechen eine deutliche Sprache. Dass es der Indie-Hit hierzulande nicht auf die große Leinwand geschafft hat, ist wirklich jammerschade.
Der Film ist übrigens schon letztes Jahr ganz still und heimlich zu Netflix gekommen. Ohne große Werbung oder ähnliches. Das ist einerseits schade, denn das Familiendrama hätte definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt – andererseits habt ihr die Möglichkeit, diese Perle des Emotions-Kinos endlich nachzuholen. Und wer weiß, vielleicht habt auch ihr ja bald schon einen neuen ersten Platz in eurer Jahresliste 2025.
Das ist die Handlung
M (Putthipong Assaratanakul) ist ein fauler College-Abbrecher und erfolgloser Videostreamer, der noch bei seiner Mutter lebt und im Leben auf der Stelle tritt. Sein Verhältnis zu seinen Verwandten ist schwierig und Respekt für die alten Werte und Traditionen besitzt er auch nicht. Als er erfährt, dass seine Großmutter Mengju (Usha Seamkhum) an Krebs erkrankt ist, fasst er einen Plan. Er möchte in ihrer Gunst aufsteigen und sich so den Topplatz in der Erbvergabe erschleichen. Dazu zieht er bei seiner Großmutter ein und übernimmt deren Pflege – obwohl diese darauf eigentlich keine Lust hat.
Von nun an begleitet er die rüstige Rentnerin auf Schritt und Tritt. Die gemeinsame Arbeit auf dem Markt, die Hausarbeit und selbst der Besuch der Chemotherapie bringen etwas Ordnung in das Leben des jungen Mannes – und schon bald weicht der Eigennutz ehrlichem Einsatz.
Glück lässt sich selbst in den dunkelsten Momenten finden
„How To Make Millions Before Grandma Dies“ lebt nicht von langen, emotionalen Reden, mit denen sich die Beteiligten das Herz ausschütten. Vieles bleibt im Angesicht der Krankheit ungesagt, und doch macht der Umgang aller Figuren miteinander deutlich, wie sehr sich die Protagonisten gegenseitig brauchen. Das Erbe, einst größter Antrieb für M, sich um seine todkranke Oma zu kümmern, wird alsbald zum schweren Ballast, der wie ein Elefant im Raum steht. Was geschieht aus Eigennutz und was aus Liebe? Und zunehmend stellt sich die Frage, ob eine materielle Belohnung der einzige Weg ist, um Dankbarkeit auszudrücken?
Obwohl das Krankheitsbild in anderen Dramen schon schonungsloser beschrieben wurde, geht der Leidensweg von Oma Mengju dennoch an die Nieren, denn es ist der schleichend erzählte Verlust von Selbstständigkeit hin zu einer nie gewollten Abhängigkeit, der wirklich schmerzt. Gerade die Szenen, in denen Mengju in einen fast kindähnlichen Zustand versetzt wird und dabei mit ihrer eigenen Vergangenheit – und erlittenen Ungerechtigkeiten – konfrontiert wird, gehören zu den stärksten Momenten des Films.
Dennoch zeigt „How To Make Millions Before Grandma Dies“ sehr eindrucksvoll, dass selbst in dieser Phase des Lebens Glück und schöne Augenblicke existieren können – auch wenn sie sich vielleicht anders darstellen, als wir es gewohnt sind. Schmeißt also Netflix an und haltet die Taschentücher bereit, denn der Film ist ein absolutes Highlight des gefühlsbetonten Kinos und hat es verdient, dass ihr ihm eine Chance gebt.
Ihr wollt noch mehr nach all den Tränen mal wieder herzhaft lachen? Dann haben wir hier ein radikales Kontrastprogramm für euch:
Neu bei Netflix: Achtung, es wird richtig derbe! Bei diesem Film werdet ihr Tränen lachen