Wer seinen autobiografischen letzten Film „Die Fabelmans“ (2022) gesehen hat, weiß: Steven Spielberg war von Anfang an ein Naturtalent. Wenige Regisseure haben das Kino so im Blut wie er, und so war es auch eher eine Formalität, als der „A.I.“-Schöpfer Mitte der 1960er-Jahre ein Filmstudium an der California State University in Long Beach begann.
Spielberg sehnte sich nach der Praxis – er wollte hinaus und Filme machen. Während andere das Studium auch dazu benutzten, um erste Gehversuche hinter der Kamera zu machen und Kontakte zu knüpfen, ergab sich für den außerordentlich begabten Jungfilmer schon während seiner universitären Ausbildung eine große Chance.
Sein Kurzfilm „Amblin'“ (nach dem er später auch seine Produktionsfirma benannte) brachte ihm viel Aufmerksamkeit und schließlich einen Studiovertrag bei Universal ein. So drehte der heute 78-Jährige schon bald ein Segment der Anthologie-Serie „Night Gallery“, und obwohl er die Arbeit zum Teil als frustrierend empfand, weil das Studio seine Kreativität stark einschränkte, führte er bei weiteren Serienepisoden Regie – bis die Aufträge immer größer wurden.
Steven Spielberg brach sein Studium ab – und drehte "Der weiße Hai"
Auf eine Premierenfolge der legendären NBC-Krimireihe „Columbo“ folgte der Thriller „Duell“, Spielbergs erster „richtiger“ Film – dessen Qualität den „Fernsehfilm der Woche“-Rahmen, in dem er entstanden war, bei Weitem überstieg und der deshalb rund ein Jahr später in einer erweiterten Fassung weltweit im Kino landete. Als nächstes drehte Spielberg das Roadmovie „Sugarland Express“, bevor er sich als drittes Langfilmprojekt Peter Benchleys Bestsellerroman „Der weiße Hai“ vornahm – und damit den ersten Hollywood-Blockbuster der Kinogeschichte schuf. Der Rest ist Geschichte!
Es muss wohl nicht dazu gesagt werden, dass bei all den Verpflichtungen kaum noch Zeit fürs Studium übrig blieb. 1969 kehrte Spielberg der Universität den Rücken. Doch ganz ließ den späteren „Krieg der Welten“-Macher seine akademische Karriere nicht los. Jahrzehnte später – im Jahr 2001 – beschloss Spielberg so, seinen Abschluss nachzuholen. Zu diesem Zeitpunkt zählte er längst zu den erfolgreichsten Regisseuren überhaupt und hatte zwei Oscars im Regal stehen!
"Schindlers Liste": Der wohl hochkarätigste Abschlussfilm aller Zeiten
Dass er sich einfach noch mal unter die Studierenden mischen und im Hörsaal Platz nehmen würde, war also eher keine Option. Deshalb ermöglichte ihm die Universität ein spezielles Programm: Spielberg musste keine Lehrveranstaltungen besuchen, sondern bekam die Möglichkeit, seinen Abschluss über praktische Arbeiten nachzuweisen. Für den Kurs „Fortgeschrittene Filmproduktion“ reichte er so das siebenfach oscarprämierte Meisterwerk „Schindlers Liste“ ein. Sharyn Blumenthal, Leiterin des Fachbereichs, fällte folgendes Urteil: „Ich würde sagen, das zählt als fortgeschrittener Film.“
Spielberg ließ es sich übrigens nicht nehmen, persönlich an der Abschlussfeier teilzunehmen. Bei seiner von frenetischem Applaus begleiteten Rede erklärte er: „Die Anforderungen für meinen Abschluss 33 Jahre nach dem Ende meines eigentlichen Studiums zu erfüllen, markiert meinen bislang längsten Nachbearbeitungszeitraum. […] Ich wollte das seit vielen Jahren erreichen – als Dank an meine Eltern für die Chance auf Bildung und Karriere, und als persönliche Botschaft über die Bedeutung eines Studienabschlusses.“
Wenn ihr übrigens wissen wollt, warum der Meisterregisseur bis heute mit den Folgen von „Der weiße Hai“ zu kämpfen hat, dann lest auch den folgenden Artikel:
"Ich bedaure es aufrichtig": Steven Spielberg ringt seit 50 Jahren mit den Folgen von "Der weiße Hai"Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits bei unserer spanischen Schwesternseite Espinof.com erschienen.