"Sie werden diesen verdammten Film hassen": Clint Eastwoods großer Frust über ein Studio, das ihm die Hände band
Jaroslav Sebov
Jaroslav Sebov
-Freier Autor
Erholt sich immer noch von der 8. Staffel "Game Of Thrones" und vertreibt sich die Zeit mit allerhand Fandoms wie "Star Wars", "The Witcher" und "Der Herr der Ringe". Findet, kein anderer Film verdient einen zweiten Teil mehr als "Master And Commander".

Clint Eastwood wollte mehr Herz und Tiefe im Kriegsfilm "Stoßtrupp Gold" – doch Studioentscheidungen machten daraus ein Action-Komödien-Spektakel. Der Film wurde für das Schauspiel-Schwergewicht letztendlich zur Enttäuschung.

Als „Stoßtrupp Gold“ 1970 in die Kinos kam, bekam das Publikum eine launige Klamotte zu sehen, eine Action-Komödie, die während des Zweiten Weltkriegs spielt. Doch Hauptdarsteller Clint Eastwood hatte etwas ganz anderes im Sinn gehabt, als er das Drehbuch las, das er als „eine der besten Antikriegs-Geschichten, die ich je gesehen hab“ bezeichnete. Für ihn war es ein Werk, das trotz allen Humors auch düster und nachdenklich hätte werden sollen, das aber durch Studioentscheidungen seiner Seele beraubt wurde.

"Es war völlig entmenschlicht": So anders hätte "Stoßtrupp Gold" werden sollen

Damals hatte Eastwood noch keine Produzentenrolle inne, die ihm Mitsprache bei der Nachbearbeitung hätte verschaffen können. Dennoch kämpfte er um die inhaltliche Richtung, die ihm für den Film vorschwebte. Doch all seine Bitten, Szenen zurückzubringen oder den Schnitt zu ändern, prallten an den Studiobossen ab.

"Einer meiner besten Filme": Auf dieses außergewöhnliche Weltkriegs-Epos ist Clint Eastwood ganz besonders stolz

Gegenüber Journalist Paul Nelson machte er seinem Ärger Luft, wie in "Conversations with Clint: Paul Nelson's Lost Interviews with Clint Eastwood, 1979-1983"* nachzulesen ist: „Dieser Film war völlig entmenschlicht. Am Ende war es nur noch ein riesiges Actionspektakel – mit tollen Effekten, ja, aber ohne Herz. Es gab einfach zu viel Geballer. Was fehlte, war der Grund, warum es diese ganze Mission überhaupt gibt.“ Eastwood wollte mehr Tiefe und weniger Lärm, doch das Studio setzte auf Schauwerte.

Machtkämpfe im Studio – und Eastwoods ohnmächtige Wut

Hinter den Kulissen herrschte zudem noch viel Chaos: Gleich drei verschiedene Chefs übernahmen bei MGM während der Entstehung von „Kelly’s Heroes“, wie der Film im Original heißt, das Ruder. Jede Führung hatte eigene Pläne, doch eines war allen gemein – das Projekt sollte so schnell wie möglich Geld in die Kassen spülen. Eastwood bemerkte trocken, das Studio habe das Geld dringend gebraucht und den Film deshalb „mit Vollgas“ ins Kino gedrückt.

Dabei habe er mehrfach um Änderungen gebeten. Selbst das Einbauen einer einzigen Szene, die ihm ganz besonders am Herzen lag, wurde aber abgelehnt. Als er dann vorschlug, die Premiere zu verschieben, um den Schnitt zu verbessern, erntete er erneut nur ein Nein. In seiner Verzweiflung appellierte er an MGM-Chef Jim Aubrey: „Vergesst die Kritiker – die werden diesen verdammten Film sowieso hassen. Lasst uns ihn wenigstens in die richtige Reihenfolge bringen, damit er eine faire Chance hat. Damit vor allem das Publikum etwas davon hat.“ Auch dieser letzte Versuch scheiterte.

Am Ende kam „Stoßtrupp Gold“ als der Klamauk in die Kinos, als den wir ihn heute kennen. Für Eastwood wiederum wurde er zu dem Film, der ihn lehrte, warum künstlerische Kontrolle unverzichtbar ist. Vielleicht erklärt sich daraus, warum er später als Regisseur kompromisslos die Hoheit über Schnitt und Tonalität seiner Werke beanspruchte – und genau dadurch seinen einzigartigen Stil prägte.

Warum Clint Eastwood viele Jahre nicht an der Oscarverleihung teilnehmen wollte, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen:

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