Dass Alfred Hitchcock kein großer Freund seiner Darsteller*innen war, gehört längst zum Mythos um den „Master of Suspense“. Der Regisseur von Thriller-Meilensteinen wie „Das Fenster zum Hof“ oder „Psycho“ wollte keine eigenständigen Künstler, sondern formbare Marionetten – Werkzeuge seiner Vision, die möglichst ohne Widerworte taten, was er von ihnen verlangte. Das zeigt sich auch darin, dass Schauspiel-Legende Paul Newman prompt auf seiner Feindesliste landete, als er es wagte, den berümten Filmemacher zu hinterfragen.
Hitchcock selbst fasste seine Haltung einst mit drastischen Worten zusammen: „Schauspieler sollten wie Vieh behandelt werden.“ (mehr dazu hier) Diese Haltung durchzog seine gesamte Karriere. Wer auf seinem Set stand, hatte die Dialoge exakt nach Drehbuchvorlage zu sprechen, die Markierungen millimetergenau zu treffen und niemals eigene Ideen einzubringen. Und wer ihm dennoch widersprach, riskierte seinen Zorn – oder Schlimmeres: lebenslange Verachtung.
"Dieser schreckliche alte Mann" – ein Hass, der blieb
Doch kein Star brachte Hitchcock so in Rage wie Leon M. Lion. Der britische Theaterdarsteller spielte die Hauptrolle in „Nummer Siebzehn“ von 1932 – einem Film, den Hitchcock ohnehin nicht drehen wollte. Das Projekt war ihm von den Produzenten aufgezwungen worden, nachdem sein vorheriger Film gefloppt war.
„Es war ein furchtbarer Film, ein billiges Melodram“, sagte Hitchcock später im Gespräch mit Regisseur Peter Bogdanovich. „Nur ein weiteres Theaterstück, das sie gekauft hatten, und das sich nicht übertragen ließ. Und dann war da noch dieser schreckliche alte Mann, Leon M. Lion.“
Der Schauspieler hatte sich durch seine Rolle in der Bühnenfassung der zugrundeliegenden Vorlage selbst in die Filmproduktion gedrängt – sehr zum Missfallen des Regisseurs. Schon bei einem früheren Projekt, „Bis aufs Messer“, war er Lion nur knapp entkommen. Die Zusammenarbeit verlief dementsprechend frostig, und Hitchcock verabscheute alles, was mit „Nummer siebzehn“ zu tun hatte – das Stück, den Dreh, die Erinnerungen und auch das Ergebnis.
Wusstet ihr übrigens, dass Hitchcock ausgerechnet einen Film im Disneyland drehen wollte? Mehr dazu erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Widerlich": Dieser legendäre Regisseur wollte einen Horrorflm im Disneyland drehen