Bevor James Cameron mit „Titanic“ (1997) ein weltweites Kinoereignis schuf, wollte niemand Geringerer als Alfred Hitchcock selbst die tragische Geschichte des berühmtesten Schiffsunglücks der Welt verfilmen. Tatsächlich plante der Master of Suspense bereits Ende der 1930er-Jahre, einen eigenen Titanic-Film zu drehen – als sein erstes großes Hollywood-Projekt. Doch was vielversprechend begann, endete in einem der kuriosesten, nie realisierten Filmvorhaben der Kinogeschichte.
Hitchcock wollte mit seiner "Titanic" Hollywood erobern
Zu diesem Zeitpunkt befand sich Hitchcock an einem Wendepunkt seiner Karriere: Er hatte sich in Großbritannien mit Filmen wie „Die 39 Stufen“ (1935) einen Namen gemacht und stand nun kurz davor, nach Amerika zu gehen. In einem Interview erklärte er damals: „Ich gehe nach Amerika, um ein oder zwei Filme zu machen. Ich hoffe, der erste wird auf der Katastrophe der Titanic basieren.“ Ein gewaltiger Plan – doch der Filmemacher ahnte wohl nicht, wie viele Hindernisse ihm bevorstanden.
Schon früh hatte Hollywood das Unglück für sich entdeckt. Nur wenige Wochen nach dem Untergang 1912 erschien „Saved From The Titanic“, ein kurzer Stummfilm, in dem sogar eine echte Überlebende, Dorothy Gibson, mitspielte. In den folgenden Jahrzehnten folgten „Atlantic“ (1929), der erste Tonfilm zum Thema, und „Titanic“ (1943), eine deutsche Propagandaversion, die die Briten für die Katastrophe verantwortlich machte und eigens einen deutschen Helden erfand. Hitchcock wollte sich davon deutlich abheben – mit einer spannungsvollen, psychologisch aufgeladenen Geschichte über Angst, Schuld und Überleben.
So hätte Hitchcocks "Titanic" ausgesehen
Für die Ausarbeitung der Handlung beauftragte er den Autor J. B. Priestley, der eine etwa 20-seitige Zusammenfassung der Geschichte verfasste. Doch als es an die Umsetzung ging, zeigte sich schnell, dass das Projekt kaum realisierbar war. Produzent David O. Selznick, mit dem Hitchcock später „Rebecca“ (1940) drehen sollte, schlug vor, ein ausrangiertes Schiff umzubauen und es vor der Küste von Santa Monica tatsächlich versenken zu lassen (via FarOutMagazine). Hitchcock fand das völlig absurd und erinnerte sich später: „Das war das Verrückteste, was ich je gehört habe.“
Neben logistischen Problemen kamen auch politische Bedenken hinzu. Britische Behörden warnten, ein Film über das Unglück könne der Reputation der britischen Seefahrt schaden – und noch offene Gerichtsverfahren könnten zu heiklen rechtlichen Konsequenzen führen. Hitchcock entschied sich schließlich, das Projekt aufzugeben und stattdessen „Rebecca“ zu drehen, mit dem er 1940 seinen Durchbruch in Hollywood feierte. Es ist kaum vorstellbar, wie Hitchcock die gewaltige Schiffstragödie umgesetzt hätte – doch gerade das macht diese nie verwirklichte Vision so reizvoll.
Und während Hitchcocks Titanic-Projekt unterging, stach James Camerons Version Jahrzehnte später in See – und wurde zum erfolgreichsten Film seiner Zeit. Eine der schönsten Szenen zeigt, wie die kleine Cora mit Leonardo DiCaprio tanzt. Was aus der jungen Darstellerin geworden ist, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
So sieht das kleine Mädchen aus "Titanic" heute aus: Vor 28 Jahren tanzte sie mit Leonardo DiCaprio und eroberte die Herzen von Millionen Zuschauern!