Die erste „Star Wars“-Trilogie, „Der Herr der Ringe“ oder – wenn es etwa nach Quentin Tarantino geht – die „Dollar“-Trilogie von Sergio Leone: Ja, die Filmgeschichte brachte schon so manch ikonische Dreiteiler hervor, die für Cinephile seit jeher zur absoluten Speerspitze des Kinos zählen. Doch wohl nicht nur für den Verfasser dieses Artikels ist die „Before“-Reihe von Richard Linklater die wohl schönste und letztlich auch beste Trilogie aller Zeiten.
Kaum ein Film hat mich auf so vielen Ebenen so sehr berührt wie „Before Sunrise“ (dass ich zu jener Zeit nicht nur in Wien, sondern auch unweit des Drehorts des Friedhof der Namenlosen wohnte, ist dabei nur eines von vielen Puzzleteilen). Ja, es ist wahrlich einzigartig, wie Jesse (Ethan Hawke) und Céline (Julie Delpy) über schwere Themen Liebe, Tod, Gott und die Welt philosophieren und mit ihren Gesprächen zugleich eine unbescherte Lockerheit und Natürlichkeit versprühen, die einen auch selbst dazu bewegt, mal über das Leben nachzudenken.
Außergewöhnlich ist auch, dass mich die beiden Fortsetzungen „Before Sunset“ und „Before Midnight“ genauso stark in ihren Bann zogen. Ja, alle neun Jahre kehrte Linklater zurück in das Leben seiner zutiefst menschlichen Protagonisten, spann die Boy-meets-Girl-Romanze aus dem Jahr 1995 sowohl 2004 als auch 2013 ebenso logisch wie spannend weiter, bescherte uns damit gewissermaßen ein Wiedersehen mit alten Freunden – bis 2022 kam. Und nichts geschah.
Doch nur, weil der bisherige Rhythmus und die damit einhergehenden Zeitsprünge innerhalb der Geschichte nicht eingehalten wurden, muss das nicht heißen, dass es nicht mehr weitergeht. Kein Geringerer als Regisseur und Autor Linklater selbst macht nun Hoffnung auf eine weitere Fortsetzung.
Richard Linklater schließt "Before 4" nicht aus
Im Podcast The Discourse sprachen Linklater und Hauptdarsteller Ethan Hawke nicht nur über ihren neuen Film „Blue Moon“, sondern auch über die potentielle Zukunft ihres großen Meisterstücks (ohne die Bedeutung ihres über einen Zeitraum von zwölf Jahren gedrehten „Boyhood“ schmälern zu wollen). Und auch wenn sich die beiden dabei nichts Konkretes entlocken lassen, scheint zumindest Linklater mit dem Projekt noch nicht abgeschlossen zu haben.
„Ob ich über eine Rückkehr nachdenke? Es ist schwer, das nicht zu tun. Sie [Anm. d. Red.: die Figuren im Film] waren 18 Jahre lang ein großer Teil unseres Lebens. Jesse war immer in meinem Hinterkopf, manchmal auch weiter vorne. Aber niemals weit weg“, so Richard Linklater.
Die Neun-Jahre-Deadline habe man mittlerweile zwar überschritten, doch aus gutem Grund, wie der Filmemacher schließlich erklärt: „Wir hatten keine gute Idee. Wir müssen immer eine Vorstellung von der neuen Stufe im Leben von Jesse und Céline haben. [...] Der letzte war wirklich hart, sich diesem Alter anzunähern. Aber ich weiß nicht… wir sind noch hier. Schreibt uns nicht ab.“
Hawke, der genau wie Delpy im Laufe der Zeit auch zum Co-Autoren der Reihe wurde, sieht die Trilogie als abgeschlossen. Zumindest erst einmal. Teil 4 schließe zwar auch er nicht aus, dieser müsse dann allerdings „etwas ganz anderes“ sein. Was genau, wisse aber auch er (noch?) nicht.
Etwas anderes und doch irgendwie ähnlich ist „Merrily We Roll Along“, an dem Linklater bereits seit einigen Jahren arbeitet. Bis wir die Verfilmung des gleichnamigen Musicals von Stephen Sondheim zu sehen kriegen, dauert es allerdings noch eine Weile. Oder besser gesagt: mindestens 15 Jahre! Mehr dazu könnt ihr an anderer Stelle nachlesen:
Die Dreharbeiten sollen bis 2040 (!) dauern: Einer der besten Regisseure unserer Zeit arbeitet gerade an einem einzigartigen Mammutwerk