"Widerlich und ekelhaft": Robert De Niro, Jack Nicholson und Nicolas Cage lehnten einen Film ab, der heute Kultstatus genießt
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: vom obskuren 70er-Jahre-Horrorfilm über Kunstfilme von Chantal Akerman bis hin zum neuesten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Vor mittlerweile 23 Jahren kam der vielleicht ultimative Film für alle Weihnachtshasser in die Kinos. Doch ursprünglich war kein Star dazu zu bewegen, die Hauptrolle zu übernehmen!

Ein abgehalfterter, versoffener Kleinkrimineller tritt gemeinsam mit seinem Komplizen Jahr für Jahr zur Weihnachtszeit als Kaufhaus-Weihnachtsmann und Elf auf – nur, um das Shoppingcenter im Anschluss auszurauben. Das ist die simple Prämisse für einen Film, der unter Festtagsmuffeln längst zum Kult-Klassiker avanciert ist: „Bad Santa“!

In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik hieß es über die von Terry Zwigoff („Ghost World“) inszenierte Komödie: „‚Bad Santa‘ ist ebenso unvorhersehbar und überraschend wie dreist und sadistisch. Schimpfwörter aller Art werden hier an so vielen Stellen benutzt, wie zuletzt nur in ‚Scarface‘, und trotzdem ist dies ein Film, den man gerade deswegen so mag.“

Bad Santa
Bad Santa
Starttermin 18. November 2004 | 1 Std. 28 Min.
Von Terry Zwigoff
Mit Billy Bob Thornton, Bernie Mac, Tony Cox
Pressekritiken
4,2
User-Wertung
4,0
Filmstarts
4,0

Allerdings war die erwähnte, offensiv zur Schau gestellte Respektlosigkeit des Films auch der Grund, warum lange niemand irgendetwas mit ihm zu tun haben wollte. Bevor schließlich Billy Bob Thornton („Armageddon“) in die Hauptrolle des Gauners Willie T. Stokes schlüpfte, wurde die Rolle nämlich zahlreichen anderen Schauspiel-Größen angeboten, die dankend ablehnten – und das, obwohl niemand Geringeres als die Coen-Brüder („Fargo“, „The Big Lebowski“) als Produzenten-Duo fungierten!

Der gefallene Erfolgsproduzent Bob Weinstein war damals so begeistert von dem Drehbuch zu „Bad Santa“, dass er nicht unversucht ließ, um dessen Umsetzung zu ermöglichen. Doch das erwies sich als schwieriges Unterfangen. In einem Interview mit der New York Times gab er zu Protokoll: „Ich fragte einen Universal-Manager: ‚Warum habt ihr [den Film] abgelehnt?‘ Und er sagte: ‚Es war das widerlichste, ekelhafteste, frauenfeindlichste, weihnachtsfeindlichste und kinderfeindlichste Ding, das wir uns vorstellen konnten.‘ Genau deswegen habe ich es ja gekauft!“

Schließlich wurden Glen Ficarra und John Requa („Crazy, Stupid, Love.“) damit beauftragt, den ersten Skriptentwurf der Coens zu überarbeiten. Requa erinnert sich: „Sie hatten nur eine Bedingung. Sie sagten: ‚Es ist eine Geschichte über Erlösung – aber schiebt diese Erlösung bis ganz zum Schluss hinaus. Nicht zu früh zu viel davon.‘ Also schrieben wir ein wirklich derbes Drehbuch, und dann fügten die Coen-Brüder noch eine Menge weiterer derber Witze hinzu.“ (via Far Out Magazine)

Jack Nicholson, Bill Murray, Robert De Niro – sie alle sagten ab!

Doch selbst mit einem leicht entschärften Schluss – natürlich bekommt die zynische Fassade des Protagonisten irgendwann doch noch Risse – machten zunächst alle einen großen Bogen um das Projekt. Ficarra und Requa hatten das Drehbuch ursprünglich für James Gandolfini („Die Sopranos“) geschrieben, doch der sagte ab. Kurzzeitig war Bill Murray („Ghostbusters“) an Bord, „aber irgendwann hörte er auf, ans Telefon zu gehen – wie Bill das eben so macht.“ Laut Requa fanden auch Verhandlungen mit Hollywood-Legende Jack Nicholson („Besser geht’s nicht“) statt, doch auch der schmiss bald wieder hin – genau wie Robert De Niro („Taxi Driver“).

Erst danach kam Billy Bob Thornton ins Spiel, der direkt große Lust auf den Part hatte – in einem Interview aber weitere Schauspieler nannte, die „Bad Santa“ ablehnten: „Ich habe gehört, dass Sean Penn im Gespräch war, ebenso wie Nicolas Cage. Mein Manager rief mich an und sagte: ‚Warte, bis du dieses Drehbuch liest. So was hast du noch nie gesehen.‘ Ich hatte vielleicht ein Drittel gelesen, da rief ich ihn schon zurück und sagte: ‚Das müssen wir machen.‘ Es war eigentlich eine ganz klare Sache.“

So hatte die Geschichte doch noch ein Happy End – und es wird wohl kaum jemand bestreiten, dass sich Thornton letztlich als ideale Wahl erwiesen hat. 2016 spielte er die Rolle sogar ein zweites Mal! Übrigens haben auch Leonardo DiCaprio, Brad Pitt und Matt Damon einen heute berühmten Film abgelehnt. Um welches Meisterwerk es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren