Bekanntermaßen haben Krähen eine mannigfaltige und sich häufig widersprechende Symbolik – abhängig von Kultur und Kontext. Mal steht das Tier stellvertretend für Intelligenz und Weisheit, mal für Tod, Aberglaube und Düsternis. Mit der „Krähe“ als metaphorisches Wesen ist kein Film enger verbunden als Alex Proyas‘ dunkler Fantasy-Trip „The Crow“ von 1994. Hauptfigur und Racheengel Eric (Brandon Lee) kehrt darin nach seiner Ermordung von den Toten zurück, begleitet von einer mysteriösen Krähe, die immer an seiner Seite weilt.
Mit einer riesigen Krähe, die sich für den Protagonisten ebenso als elementarer – und besonders hartnäckiger – Begleiter entpuppt, bekommen wir es im schauderhaften, mit Horror- und Thriller-Elementen angereicherten Psycho-Drama „The Thing With Feathers“ zu tun. Der als Doku-Filmer bekannt gewordene Spielfilm-Debütant Dylan Southern schickt darin „Doctor Strange“ Benedict Cumberbatch als trauernden und vom Schicksal gebeutelten Mann auf eine emotionale Tour de Force.
Ein neuer Trailer gewährt nuun spannende (und extrem düstere) Einblicke in den Kampf des alleinerziehenden Vaters gegen seinen seelischen Schmerz – und das unheimliche Vogelvieh spielt natürlich auch eine ganz entscheidende Rolle!
Angsteinflößender Krähenmann
Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau ist ein junger Vater (Cumberbatch) gemeinsam mit seinen kleinen Söhnen plötzlich auf sich allein gestellt. Während es herausfordernd und schwer genug ist, die tägliche Arbeit als Comiczeichner, Haushalt und die erzieherischen Verpflichtungen zu vereinbaren, droht eine weitere Gefahr. Denn die Trauer der Familie kulminiert in einer mysteriösen Gestalt: einer riesigen, menschenähnlichen Krähe.
Das seltsame Wesen tritt aus den Schatten des Hauses hervor und zwingt die Hinterbliebenen, sich ihrer tiefen Verzweiflung zu stellen. Mit jedem Tag wächst die Bedrohung in den eigenen vier Wänden. Der völlig überforderte, zunehmend an seinem Verstand zweifelnde Vater muss eine Möglichkeit finden, seine Kinder und sich zu beschützen.
Southern adaptiert mit „The Thing With Feathers“ die 2015 erschienene Novelle „Grief Is The Thing With Feathers“ des britischen Schriftstellers Max Porter. Schon in der Buchvorlage fungiert die Krähe als Sinnbild von Leid und Unglück und Southern visualisiert sie im Film auf verschiedene Weise. In der Vorschau erscheint sie als zunächst harmloser Vogel, der auf dem Fenstersims Platz nimmt. Dann ist da dieser beunruhigende, nur bruchstückhaft zu erkennende Mix aus Schattenwesen und vermenschlichter Krähe, die laut krächzt und überall „Federn lässt“ (sprich: immer da ist). Und kurz darauf manifestiert sie sich als eine Art alptraumhaftes Horror-Wesen. Ist es der Krähenmann oder die Trauer des Vaters, die diesen schreiend in den absoluten Wahnsinn zu treiben scheint?
Auch wenn ihn der Film in seiner Gesamtheit nicht gänzlich überzeugt: In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik Kritik beschreibt unser Autor Lars-Christian Daniels ihn dann auch entsprechend als stellenweise extrem „gruselig, mitreißend und originell“. Die Kreatur zeigt sich erst nach und nach und dies macht einen großen Reiz aus – bleiben die Dinge auf diese Weise schließlich lange geheimnisvoll und vage. Einen deutschen Kinostart für „The Thing With Feathers“ gibt es bislang allerdings noch nicht.
Den ersten ausführlichen Trailer könnt ihr euch nachfolgend ansehen. Besondere Gruselstimmung kommt darin auf, da wir meist nur die Stimme des Menschenvogels aus dem Off hören und ihn nicht sehen: