"Ich war 42 Jahre alt, alleinerziehender Vater und völlig pleite": Gary Oldman bereut diesen missratenen Film – aber er musste die Rolle aus Geldnot annehmen
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Vor 22 Jahren war Oscar-Preisträger und „Harry Potter“-Star Gary Oldman in einem ziemlich kuriosen Film zu sehen – der sowohl bei der Kritik als auch beim Pubikum durchfiel. Warum er die Rolle trotz berechtigter Zweifel angenommen hat, lest ihr hier.

Warner Bros.

Mit über 40 Karriere-Jahren, in denen er in mehr als 80 Filmen mitgewirkt hat, ist Gary Oldman einer der renommiertesten Schauspieler Hollywoods. Dreifach für den Oscar nominiert und 2018 für das Historien-Biopic „Die dunkelste Stunde“ ausgezeichnet, war der 67-Jährige in zahlreichen prestigeträchtigen Leinwand-Werken zu sehen – doch auch dem Blockbuster-Kino hat er sich nie verschlossen. Entsprechend vielseitig liest sich seine Filmografie: von „Bram Stoker's Dracula“, „True Romance“ und „Léon - Der Profi“ über „Dame, König, As, Spion“ und Christopher Nolans „The Dark Knight“-Trilogie bis hin zur „Harry Potter“-Reihe oder der „Planet der Affen“-Prequel-Saga.

Doch nur wenige Schauspieler*innen haben in ihrer Laufbahn nicht zumindest einmal eine Krisenphase durchgemacht – auch Oldman macht da keine Ausnahme. So machte der „JFK - Tatort Dallas“-Darsteller zu Beginn der Nullerjahre sowohl beruflich als auch persönlich eine schwierige Phase durch, was dazu führte, dass die guten Rollenangebote ausblieben und er in mehreren Flops in Folge auftreten musste. Einer der verheerendsten davon: „Tiptoes“!

Tiptoes
Tiptoes
1 Std. 30 Min.
Von Matthew Bright
Mit Kate Beckinsale, Gary Oldman, Matthew McConaughey

Die von Matthew Bright („Freeway“) inszenierte Tragikomödie ist der klassische Fall eines Films, den schon etwas mehr als 20 Jahre später aus guten Gründen garantiert niemand mehr so drehen würde: Im Mittelpunkt stehen Steven Bedalia (Matthew McConaughey) und seine Freundin Carol (Kate Beckinsale), die gerade ihr erstes gemeinsames Kind erwarten. Doch als Carol erfährt, dass Stevens gesamte Familie kleinwüchsig ist – einschließlich seines Zwillingsbruders Rolfe (Gary Oldman) –, gerät sie in Panik: Könnte ihr Baby ebenfalls von Achondroplasie betroffen sein?

Gary Oldman (rechts) als kleinwüchsiger Rolfe in StudioCanal
Gary Oldman (rechts) als kleinwüchsiger Rolfe in "Tiptoes"

Der Film erhielt größtenteils unterirdische Kritiken, fiel beim Publikum gnadenlos durch und war schon damals stark umstritten, insbesondere wegen der Entscheidung, Oldman an der Seite etwa des späteren „Game Of Thrones“-Stars Peter Dinklage als Mann mit Kleinwuchs auftreten zu lassen. Auch FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen hat sich den Film übrigens angesehen und diese Erfahrung in einem YouTube-Video verarbeitet:

Wenig überraschend ist der Brite im Rückblick alles andere als stolz auf diese Rolle. Im Podcast „Happy Sad Confused“ von Moderator Josh Horowitz auf „Tiptoes“ angesprochen, scherzte Oldman zunächst, er wisse gar nicht, von welchem Film er da spreche – er selbst habe ihn jedenfalls nie gesehen. Doch dann äußerte er sich bemerkenswert offen: Er habe sich zum Zeitpunkt der Dreharbeiten in keiner guten Lebensphase befunden, weshalb er sich dazu gezwungen sah, jede Offerte anzunehmen, die ihm auf den Schreibtisch segelte.

„Ich will ehrlich sein“, so Oldman. „Ich war gerade durch eine Scheidung gegangen und hatte Ärger mit einem Bauunternehmer. Ich landete in Los Angeles, mit 42 Jahren, war alleinerziehender Vater und komplett pleite. Ironischerweise lebte ich unter dem Hollywood-Schriftzug – zur Miete. Wir hatten nicht einmal Möbel. Gott sei Dank gab es Ikea.“

Gary Oldman musste "auf Knien spielen"

Als ihm „Tiptoes“ angeboten wurde, hatte der Mime fast zwei Jahre lang nicht gearbeitet und war zusätzlich von einem Schauspielerstreik betroffen. Seine finanzielle Lage war schwierig, und er brauchte dringend einen Job. „Es war eine harte Zeit“, fährt Oldman fort. „Ich musste Rechnungen bezahlen und brauchte Geld, und dann kam auch noch der Streik – ein doppelter Schlag. Und dann kam dieses Projekt auf. Die verrückte Idee dieses Regisseurs: Ich sollte einen kleinwüchsigen Mann spielen, und den Bruder von Matthew McConaughey.“

Oldman kann also durchaus noch immer nachvollziehen, was ihn damals dazu getrieben hat, den Vertrag zu unterschreiben. Trotzdem ist er der erste, der zugibt, dass der Film – von dem neben der 90-minütigen Kinofassung übrigens auch noch ein zweieinhalb Stunden langer Director's Cut existiert – alles andere als gelungen ist:

„Ich habe eine bestimmte Stimmfarbe ausprobiert, weil ich wie Matthew klingen musste – wir waren ja Brüder, also musste ich ihm auf irgendeine Art und Weise ähneln. Und dann habe ich auf Knien gespielt – verzweifelte Zeiten erfordern verzweifelte Maßnahmen. Ich musste irgendwie arbeiten. Und es war eine verrückte Idee. Aber würde ich es heute wieder tun? Nein.“

Heute ist „Tiptoes“ ohnehin in Vergessenheit geraten – ganz im Gegensatz zu einem Sci-Fi-Blockbuster, auf den Oldman ebenfalls nicht stolz ist, obwohl er sowohl kommerziell erfolgreich war als auch großen Zuspruch seitens der Kritik bekam. Um welchen Film es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Ich kann den Film nicht ausstehen": Dieser Sci-Fi-Klassiker wurde von der Kritik gefeiert, aber Gary Oldman bereut ihn bis heute

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels. Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Sensacine.com erschienen.

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