Diesen Fantasy-Blockbuster bereut Matt Damon seit 10 Jahren – selbst seine Kinder hassen das 150-Millionen-Dollar-Epos!
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Ein aufwändiger Fantasy-Blockbuster sollte zwei Kinowelten vereinen und wurde zum kostspieligen Fehltritt. Schlechte Zahlen sowie Kritiken – und selbst Matt Damon räumte später ein, dass nicht einmal seine Kinder etwas mit dem Film anfangen konnten.

Auf dem Papier klingt vieles besser, als es in Wirklichkeit ist. In der Filmwelt ist das nicht anders. Ein Paradebeispiel ist ein Kinofilm von 2016, der nicht nur mit einem internationalen Star-Ensemble gesegnet ist, sondern auch von einem Regie-Ass inszeniert wurde, das zuvor preisgekrönte Meisterwerke vorgelegt hatte. Und dennoch entwickelte sich genau dieses Projekt zu einem jener Großexperimente, die eindrucksvoll zeigen, wie schmal der Grat zwischen ehrgeizigem Blockbuster und kostspieligem Fehltritt sein kann. Die Rede ist von „The Great Wall“.

The Great Wall
The Great Wall
Starttermin 12. Januar 2017 | 1 Std. 44 Min.
Von Yimou Zhang
Mit Matt Damon, Jing Tian, Pedro Pascal
Pressekritiken
2,1
User-Wertung
3,0
Filmstarts
3,5
Im Stream

"The Great Wall": Große Namen, großes Spektakel – doch der Wow-Effekt blieb aus

Inszeniert wurde das Fantasy-Epos von Zhang Yimou, einem der renommiertesten chinesischen Filmemacher überhaupt. Mit Werken wie „Hero“ (2002) oder „House Of Flying Daggers“ (2003) hatte er sich international einen Ruf als Meister der Bildkomposition und der opulenten Inszenierung erarbeitet.

„The Great Wall“ sollte sein großer Schritt in Richtung globales Eventkino werden: eine auf rund 150 Millionen Dollar taxierte Koproduktion zwischen Hollywood und China, gedacht als Brückenschlag zwischen zwei gigantischen Filmmärkten. Vor der Kamera standen neben Matt Damon („Die Odyssee“) auch Willem Dafoe („John Wick“), Pedro Pascal („The Last Of Us“), Jing Tian („Pacific Rim: Uprising“) und Andy Lau („Infernal Affairs“) – eine Besetzung, die kaum größer und internationaler hätte sein können.

Inhaltlich verbindet der Film historische Motive rund um die Chinesische Mauer mit Fantasy-Elementen und einer Monster-Bedrohung, die das Reich der Mitte regelmäßig heimsucht. Was als visuell überwältigendes Historien-Fantasy-Spektakel geplant war, entpuppte sich jedoch als schwer greifbares Mischwesen, das weder erzählerisch noch tonal wirklich zur Ruhe kommt. Trotz beeindruckender Kulissen, farbenprächtiger Kostüme und groß angelegter Schlachtsequenzen blieb der gewünschte Wow-Effekt beim Publikum vielfach aus. Ganz im Gegensatz zu diesem Fantasy-Meisterwerk:

4,72 von 5 Sternen! Das ist der beste Fantasy-Film aller Zeiten – laut den deutschen Zuschauern

Auch an den Kinokassen konnte „The Great Wall“ die Erwartungen nicht erfüllen. Weltweit spielte der Film rund 335 Millionen US-Dollar ein – eine Summe, die angesichts des enormen Budgets und der zusätzlichen Marketingkosten als Enttäuschung gilt. Vor allem in den USA blieb das Interesse deutlich hinter den Prognosen zurück. China erwies sich zwar als stärkerer Markt, konnte den insgesamt verhaltenen globalen Eindruck aber nicht mehr drehen. Branchenintern wird der Film daher bis heute als wirtschaftlich problematisches Projekt eingeordnet.

Kritik von allen Seiten – auch von Matt Damons Tochter

Kritisch fiel die Resonanz ebenfalls gemischt aus. International bemängelten viele Stimmen die dünne Figurenzeichnung und das fragmentierte Drehbuch. Auf FILMSTARTS kam „The Great Wall“ mit 3,5 von 5 Sternen vergleichsweise glimpflich davon. Chefredakteur Björn Becher beschrieb den Film als „ein temporeiches, wenn auch manchmal holpriges Historien-Fantasy-Spektakel“ – eine Formulierung, die den Kern des Problems präzise trifft. Der Film ist nie völlig langweilig, wirkt aber oft unausgegoren. Wenn ihr euch selbst ein Bild machen wollt, so könnt ihr den Titel bei Prime Video* sowie Joyn+* ohne Zusatzkosten streamen.

Besonders bemerkenswert ist rückblickend die Offenheit, mit der Hauptdarsteller Matt Damon selbst über das Projekt spricht. In einem späteren Interview gestand er, dass er schon während der Entstehung Zweifel hatte. „Ich dachte: Genau so entstehen Katastrophen. Es fügt sich nicht zusammen. Es funktioniert als Film nicht“, sagte Damon rückblickend. Dieses Gefühl habe ihn nachhaltig geprägt: „Das ist kreativ gesehen so ziemlich das Schlimmste, was man fühlen kann. Ich hoffe, dass ich dieses Gefühl nie wieder haben werde.“

Noch persönlicher wurde Damon, als er Podcaster Marc Marcon (via The Hollywood Reporter) erzählte, wie der Film im eigenen Haushalt aufgenommen wurde. Seine Tochter sei wenig beeindruckt gewesen und habe den Titel kurzerhand gekürzt: „Immer wenn sie über den Film spricht, nennt sie ihn nur ‚The Wall‘. Sie sagt dann: ‚Dad, an diesem Film ist rein gar nichts großartig.‘“ Ein ehrlicher Moment, der deutlich macht, wie sehr sich „The Great Wall“ auch für seinen Hauptdarsteller zu einem Projekt entwickelte, das man lieber hinter sich lässt. Wobei der Hollywood-Star schon einige Flops hatte. Hier nur ein Beispiel:

"Ich habe ein Jahr lang keine Angebote bekommen": Diese beiden Mega-Flops hätten fast die Karriere von Matt Damon ruiniert

Hinzu kam die hitzige Debatte um sogenanntes Whitewashing, die den Film schon vor Kinostart begleitete. Damon reagierte darauf defensiv, aber sichtlich getroffen. „Ja, das war ein verdammter Tiefschlag“, sagte er über die Wucht der Kritik und betonte zugleich, dass er niemandem eine Rolle weggenommen habe und der Film nicht wegen seiner Beteiligung verändert worden sei.

Heute steht „The Great Wall“ exemplarisch für eine Phase des Blockbuster-Kinos, in der internationale Koproduktionen als vermeintliches Allheilmittel galten. Das Ergebnis zeigt jedoch, dass selbst große Namen, immense Budgets und erfahrene Regisseure keine Erfolgsgarantie sind. Für Matt Damon ist der Film ein seltenes, öffentlich eingeräumtes Karrierebedauern – ähnlich wie „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ (2009), über den der „Jason Bourne“-Star einst erzählte, ihm sei durch seine Absage am Sci-Fi-Epos ein mögliches Vermögen durch die Lappen gegangen. Doch ganz so eindeutig ist die Sache offenbar nicht, wie JamesCameron inzwischen klarstellte. Mehr dazu im folgenden FILMSTARTS-Artikel:

James Cameron stellt klar: Matt Damon hat mit "Avatar"-Absage keine 250 Millionen Dollar verschenkt, wie er immer behauptet!

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