"Es hat einfach nicht funktioniert": Michael Caine bedauert bis heute, dass dieser "wunderbare" 90er-Jahre-Thriller zum Mega-Flop wurde
Jaroslav Sebov
Jaroslav Sebov
-Freier Autor
Erholt sich immer noch von der 8. Staffel "Game Of Thrones" und vertreibt sich die Zeit mit allerhand Fandoms wie "Star Wars", "The Witcher" und "Der Herr der Ringe". Findet, kein anderer Film verdient einen zweiten Teil mehr als "Master And Commander".

Michael Caine hat in seiner Karriere in vielen tollen Filmen mitgespielt, einen davon hält er persönlich für einen „wunderbaren Film“ – doch trotz starker Besetzung und packender Story blieb der Erfolg aus. Was ist also schiefgegangen?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Michael Caine habe in seiner langen Karriere alles erreicht. So hat er zwei Oscars gewonnen (für seine Nebenrollen in „Hannah und ihre Schwestern“ und „Gottes Werk und Teufels Beitrag“) sowie legendäre Rollen in Filmen wie „The Dark Knight“ und „Prestige“ gespielt.

Der mittlerweile 92-jährige Brite, der sich vor rund zwei Jahren in den verdienten Ruhestand verabschiedet hat, zählt zu ganz Großen in Hollywood. Doch auch er hat Filme in seiner Vita, die nicht viel Anerkennung erhielten. Ein gutes Beispiel dafür:Blood & Wine – Ein tödlicher Cocktail“, ein Thriller aus den 1990er-Jahren. Denn trotz starker Besetzung und einer vielversprechenden Geschichte konnte der Film nicht die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die er zumindest laut Caine verdient hätte.

Blood & Wine - Ein tödlicher Cocktail
Blood & Wine - Ein tödlicher Cocktail
Starttermin 6. Februar 1997 | 1 Std. 38 Min.
Von Bob Rafelson
Mit Jack Nicholson, Stephen Dorff, Jennifer Lopez
User-Wertung
3,0

Dass „Blood And Wine“ heute nur noch einer eingeschworenen Cineasten-Bubble bekannt, aus dem kollektiven Gedächtnis aber eher verschwunden ist, liegt am allerwenigsten an den Schauspieler*innen. Schließlich teilte Caine die Leinwand mit Jack Nicholson und Jennifer Lopez, die ganz sicher ebenfalls keine Unbekannten sind.

Doch trotz dieser Starpower und Bob Rafelson auf dem Regiestuhl, der nach Filmen wie „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ bereits zum fünften Mal mit Jack Nicholson zusammenarbeitete, war der Film ein Misserfolg und erhielt durchmischte Kritiken. „Es hat einfach nicht funktioniert, oder?“, resümierte Caine rückblickend über den Flop in einem Interview mit dem berühmten Filmkritiker Roger Ebert (laut Far Out Magazine – und tatsächlich ist die Frage, warum dieser Film einfach nicht zünden wollte, 29 Jahre später gar nicht mehr so leicht zu beantworten!

Ein Film ohne Helden – und damit ohne Publikum

„Blood And Wine“ erzählt die Geschichte eines kriminellen Trios, das in eine Welt aus Gier, Eifersucht und Verbrechen verstrickt ist. Caine, Nicholson und Lopez liefern starke Darbietungen, doch das Publikum konnte sich nicht mit den moralisch zwiespältigen Charaktere identifizieren. „Es gab einfach niemanden, mit dem man mitfühlen konnte“, erklärte Caine.

Filme, die ihr Personal bewusst nicht heldenhaft inszenieren, haben es bei den Zuschauer*innen oftmals schwer. In Hollywood gilt schon seit jeher die goldene Regel: Ohne wenigstens eine Figur, die man lieben oder wenigstens verstehen kann, ist ein Erfolg schwer zu erreichen!

Das Fehlen eines klassischen Sympathieträgers mag ein entscheidender Faktor für das Scheitern des Noir-Thrillers gewesen sein. Doch auch die düstere Atmosphäre, die unkonventionelle Erzählweise und die pessimistische Weltsicht trugen eher nicht dazu bei, dass das Studio einen Massenerfolg erwartete – und so wurden gar nicht erst die nötigen Marketingmaßnahmen ergriffen, um das Publikum auf „Blood And Wine“ aufmerksam zu machen. In den USA startete der Film in lediglich 166 Kinos.

Trotz des daraus folgenden finanziellen Misserfolgs (26 Millionen US-Dollar Budget standen gerade einmal rund 1,1 Millionen Dollar an Einnahmen entgegen) war „Blood And Wine“ aber keineswegs ein schlechter Film. In seinen besten Momenten glänzt der Film durch scharfsinnige Dialoge, moralische Dilemmata und eine packende Inszenierung, die in einer anderen Zeit vielleicht mehr Anerkennung gefunden hätte. Michael Caine selbst bezeichnete den Film als „wunderbar“, und auch Roger Ebert nannte sein Scheitern eine „kriminelle Ungerechtigkeit.“ .

Was Michael Caine auf sich genommen hat, um einen von ihm persönlich besonders geliebten Film zu retten, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

"Es hat mich fast umgebracht": So hart musste Michael Caine um seinen "besten Film" kämpfen

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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