Es ist mittlerweile rund zwei Jahre her, dass sich Michael Caine in den Ruhestand verabschiedete (wenn er ihn auch demnächst für die Fortsetzung eines Fantasy-Flops unterbricht) – im stolzen Alter von 90 Jahren natürlich eine nachvollziehbare Entscheidung! Immerhin stand der Brite fast 70 (!) Jahre lang auf der Bühne und vor der Kamera, er hat zwei Oscars gewonnen (für „Hannah und ihre Schwestern“ sowie „Gottes Werk und Teufels Beitrag“) und kann auf ein unglaublich umfangreiches Werk zurückblicken, das mehr als 130 Filme umfasst – darunter Hits und Klassiker wie „Die Brücke von Arnheim“, „Dressed To Kill“, „Children Of Men“, Christopher Nolans „The Dark Knight“-Trilogie oder „Die Unfassbaren - Now You See Me“.
Aus dieser Menge an Filmen einen persönlichen Favoriten herauszufischen, ist gar nicht so einfach. Caine hat es trotzdem getan: In einem Interview mit dem Hollywood Reporter bezeichnete er „Der stille Amerikaner“ (2002) als den „beste[n] Film, den ich je gedreht habe.“ Bei dem von Phillip Noyce („Salt“) inszenierten Polit-Thriller handelt es sich um die zweite Verfilmung des gleichnamigen Romans von Graham Greene, der sich um das Liebesdreieck zwischen einem britischen Reporter (Caine), einem amerikanischen Arzt (Brendan Fraser) und einer vietnamesischen Frau (Do Thi Hai Yen) im Saigon der 1950er-Jahre dreht – vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs.
Caine selbst befand die 1958 von Joseph L. Mankiewicz („Alles über Eva“) gedrehte Erstverfilmung als „nicht besonders gut.“ Die zweite Version fiel zwar an den Kinokassen durch, bekam dafür aber jede Menge Lob von der Kritik. Michael Caine erhielt für seine Leistung seine sechste und letzte Oscar-Nominierung.
Dabei wäre „Der stille Amerikaner“ um ein Haar gar nicht veröffentlicht worden! Denn die Studioverantwortlichen befürchteten, dass der Film im Zuge der Terroranschläge des 11. Septembers 2001 als zu antiamerikanisch wahrgenommen werden und deshalb auf Ablehnung stoßen könnte. Caine allerdings glaubte fest an das Projekt, und er tat alles in seiner Macht stehende, um dafür zu sorgen, dass das Werk doch noch in die Kinos kommt. Das ist ihm letztlich zwar gelungen, doch der Weg dahin war alles andere als einfach – und der Schauspieler gab zu Protokoll, dass er sich einem derartigen Stress nie wieder aussetzen würde.
Michael Caine will nicht mehr über "Der stille Amerikaner" reden
Im Interview mit Dark Horizons auf diese Aussage angesprochen, antwortete Caine: „[...] Wenn ich heute eine Rolle annehmen und die Produzenten dann sagen würden: ‚Wir mögen den Film nicht, veröffentlichen wir ihn doch einfach im Januar‘, dann würde ich wohl sagen: ‚Ach, macht doch, was ihr wollt!‘ Ich würde das nicht nochmal tun. Es war zu hart für mich – es hat mich fast umgebracht. Der Stress war wirklich unglaublich.“
Caine fuhr fort: „Ich habe es erst gemerkt, als ich zurück nach England kam. Ich bin einfach zusammengebrochen […]. Direkt danach habe ich ‚The Statement‘ gedreht, und am Ende haben mich nur noch Adrenalin und Kaugummi aufrecht gehalten. […] Ich habe eine Woche lang kein Wort gesprochen. Seitdem rede ich nie über ‚Der stille Amerikaner‘. Ich will es einfach nicht.“
Zwar sei er froh, dass der Film nun „da draußen“ sei und von seinen Fans auf DVD oder im Fernsehen geschaut werden könne (ganz im Gegensatz zu sämtlichen deutschen Streamingdiensten), doch obwohl er ihm einen so hohen Stellenwert einräumt, war es ihm die Energie im Nachhinein nicht wert.
Eine weitere schwierige Karrierephase machte Caine übrigens in den 1990er-Jahren durch. Was Steven Seagal damit zu tun hatte, lest ihr im nachfolgenden Artikel: