An diesem aufsehenerregenden Milliarden-Deal gibt es in den Medien aktuell kein Vorbeikommen. Auch wir berichteten am 5. Dezember 2025 ausführlich über die Nachricht, die Hollywood erschütterte: Netflix hat das Rennen bei der Übernahme von Traditionsstudio Warner Bros. gemacht und einen Deal über 82,7 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Wird dieser im kommenden Jahr vollständig abgewickelt, wobei es aber noch einige Hürden zu nehmen gilt, gehören Warner Bros. und der Streamingdienst HBO Max zu Netflix. Alle wichtigen Informationen zu diesem Mega-Deal findet ihr in diesem Artikel.
Doch was bedeutet der Merger für die Zukunft des Kinos? Hieß es seitens Netflix im Rahmen der Bekanntmachung der Übernahme zunächst noch, man erwarte (auch dies ist schon eine vorsichtige Aussage), die aktuellen Geschäfte von Warner Bros. am Laufen zu halten, also auch die Kinostarts, benutzte Netflix-Co-CEO Ted Sarandos inzwischen eine Formulierung, die einen etwas anderen Ausblick auf die Zukunft gibt. Und die könnte verkürzte Laufzeiten von Warner-Filmen im Kino mit sich bringen.
Ted Sarandos: Filme sollen schneller zum Verbraucher kommen – also nach Hause?
„Ich denke, mit der Zeit werden sich die [Kino-]Auswertungsfenster so entwickeln, dass sie viel verbraucherfreundlicher werden und das Publikum schneller dort abholen, wo es gerade ist“, so Sarandos bei einem Investoren-Call, über den Branchenblätter wie Variety übereinstimmend berichten. Und wo das Publikum ist, davon hat der Co-CEO eine klare Vorstellung: auf dem heimischen Sofa.
Ted Sarandos hat in der Vergangenheit stets deutlich gemacht, dass er für die Kinobranche eigentlich keine Zukunft sieht und seiner Ansicht nach das Publikum Filme am liebsten von zuhause aus konsumiere. Beim TIME100 Gipfel 2025 sprach er so auch davon, dass das exklusive 45-tägige Kinofenster, an dem Studios und Filmtheater festhielten, komplett „dem Konsumentenerlebnis widersprechen, einfach nur einen Film zu lieben.“
Kürzere Kino-Auswertungen und direkte Streaming-Starts?
Schaut man sich an, wie lange Warner Bros. seine Kinofilme 2025 im Durchschnitt im Kino gezeigt hat, kommt man sogar auf mehr als 45 Tage. Kaum vorstellbar also, dass Sarandos auf lange Sicht daran festhalten will, wenn er doch selbst schon das 45-Tage-Fenster als veraltet und nicht verbraucherfreundlich ansieht. In näherer Zukunft anstehende Filme wie die oben genannten Blockbuster „Dune: Part Three“, „The Lord Of The Rings: The Hunt For Gollum“ und Co. müsste dies noch nicht zwingend betreffen – vor allem auch, weil der Netflix-Warner-Deal, sollte er final durchgewunken werden, überhaupt erst Ende 2026 komplett abgewickelt sein würde. Doch für die Zukunft könnten solche „Entwicklungen“ beim Kinofenster dann tatsächlich greifen.
Und nicht nur das. Große Blockbuster, die auf bekannten Marken basieren, wird Netflix zwar mit großer Sicherheit weiterhin ins Kino bringen – egal ob nun kürzer oder länger. Sarandos betonte bei dem Call schließlich: „Es ist nicht so, dass wir etwas dagegen hätten, Filme in die Kinos zu bringen.“ Aber kleinere, finanziell möglicherweise riskantere Produktionen werden womöglich ihren Weg in Zukunft direkt ins Streaming finden, wie FILMSTARTS-Autor Julius Vietzen die Befürchtungen vieler Hollywood-Insider in seinem Artikel über den Deal zusammenfasst.
Ins Streaming zu HBO Max oder Netflix?
Als weitere Frage steht natürlich im Raum, ob die Warner-Filme dann ins Streaming zu Netflix oder HBO Max kämen – was die eigentliche Frage aufwirft, ob Netflix dauerhaft überhaupt daran interessiert sein kann, zwei Streamingdienste parallel zu betreiben. Variety berichtet über die Antwort von Netflix im Help Center auf eine mögliche Nutzer-Frage, ob man nun sein HBO-Max-Abo kündigen solle: „Netflix und Warner Bros. bleiben getrennte Unternehmen, bis die Transaktion abgeschlossen ist.“
Veränderungen auch bei den Streamingdiensten nach Abschluss des Deals sind also nicht ausgeschlossen – die Ansage von Netflix in einer offiziellen Mitteilung, Netflix und HBO Max würden weiterhin getrennt funktionieren, gilt also wahrscheinlich nur vorerst, lässt sich zumindest spekulieren.
Kinobetreiber*innen in Sorge
Durch die Aussagen von Ted Sarandos zum sich in Zukunft wohl verändernden Kino-Auswertungsfenster sind Kinobetreiber*innen laut der einschlägigen Branchenblätter mehr als in Sorge – Variety berichtet unter anderem über die Hoffnung von Chris Randleman, einem der Verantwortlichen hinter der texanischen Kinokette Flix Brehouse, dass „der Deal hoffentlich gekillt wird, sodass Warner an eine besser Firma verkauft werden kann“. Als Kandidat stand hier lange Zeit Paramount Skydance im Raum – die unbestätigten Gerüchten zufolge wohl immer noch einen Gegenangriff planen könnten.
Erst einmal aber bleibt die Frage im Raum, ob der Deal tatsächlich so vonstattengehen kann, wie Netflix jetzt schon selbstbewusst vermeldet hat. So ist unter anderem mit kartellrechtlichem Widerstand zu rechnen.
Wer jetzt trotz all dieser vielen Fragen und der Unsicherheit rund um die Zukunft von HBO Max ein Abo bei dem Streamingdienst abschließen möchte, der am 13. Januar 2026 nach Deutschland kommt, findet alle wichtigen Informationen im nachfolgenden Artikel. Und eines ist klar: Serien wie „The Pitt“ und „Game Of Thrones: A Knight Of The Seven Kingdoms“ werden zu Beginn des kommenden Jahres wirklich nur bei HBO Max zu sehen sein. Und nicht bei Netflix.
HBO Max kommt endlich nach Deutschland: Termin, Preise, Filme und Serien und alles, was ihr zum Start wissen müsst