Bevor (Mini-)Serien mit leinwandreifem Aufwand TV-Alltag wurden, fanden häufig in einem Rutsch gedrehte, aber gestaffelt veröffentlichte Mehrteiler ihren Weg auf die Leinwand. Ob man diese Projekte als Kinoserie, Filmreihe oder als einen einzelnen Film betrachtet – diesbezüglich lässt sich streiten. Gerne wird aber zu der Lösung tendiert, die Superlative ermöglicht:
So wird beispielsweise die 1966 und 1967 veröffentlichte, sowjetische „Krieg und Frieden“-Adaption mit einer 12.000 Menschen starken, monumentalen Schlachtsequenz bevorzugt als 7-Stunden-Epos bezeichnet, statt als vierteilige Filmreihe. Fast 20 Jahre nach diesem Mammutwerk betrat ein weiteres Großprojekt eine vergleichbare Grauzone: „Schlacht um Moskau“ ist ein fast sechs Stunden langes Kriegsfilm-Epos, bestehend aus zwei Filmen mit jeweils zwei rund 90-minütigen Teilen!
An die wahnwitzige Bildgewalt von „Krieg und Frieden“ reicht die dramatische Nacherzählung des Angriffs Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion zwar nicht heran. Doch die sowjetisch-ostdeutsch-vietnamesisch-tschechoslowakische Koproduktion aus dem Jahr 1985 ging trotzdem als detailliert erzähltes Kriegskino in die Geschichte ein – und nun wird es endlich in HD ausgewertet: Am 22. Januar 2026 feiert „Schlacht um Moskau“ seine deutsche Blu-ray-Premiere!
Als Bonusmaterial umfasst die 2-Disc-Edition einen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen, den Kino-Trailer zum Film und den deutschsprachigen Vorspann, der einst für die Kinoerstaufführung erstellt wurde. Darüber hinaus könnt ihr online eine digitales Booklet mit Begleitinformationen abrufen.
Darum geht es in "Schlacht um Moskau"
Sommer 1941: Nazi-Deutschland hat Frankreich bezwungen und widmet seine Aufmerksamkeit als nächstes der Sowjetunion. Adolf Hitler setzt all seine Hoffnungen bezüglich „Operation Barbarossa“ auf Feldmarshall Fedor von Bock (Ernst Heise): Er soll Moskau einnehmen. Der linke Widerstand innerhalb des Dritten Reichs und gut informierte Pressemitglieder wollen die Sowjets warnen, doch die Hinweise von Ilse Stöbe, Rudolf von Scheliha und Richard Sorge (Juozas Budraitis) finden beim sowjetischen Geheimdienst kein Gehör.
Am 22. Juni passiert es: Hitlerdeutschland überfällt die überforderte Sowjetunion. Erst kurz vor den Toren von Moskau bleibt der Angriff stecken und die Rote Armee kann eine Gegenoffensive einleiten...
Dokumentarische Aufnahmen, inszenatorischer Pomp und ein Volksmund-Finale
Geschrieben und inszeniert wurde „Schlacht um Moskau“ von Yuriy Ozerov, der vor allem für seine ambitionierten Kriegsfilme bekannt ist. So drehte er den über 430 Minuten langen Fünfteiler „Befreiung“ und den 196 Minuten langen Zweiteiler „Stalingrad“, der eine Art Fortsetzung von „Schlacht um Moskau“ darstellt.
„Schlacht um Moskau“ weist durch die Einarbeitung von dokumentarischem Material über weite Strecken große Authentizität auf – die Ozerov zu Filmbeginn auch stark betont: Eine Erzählstimme behauptet, der Film weise keinerlei Fiktion auf, sondern berichte lediglich von verbuchten, historischen Persönlichkeiten und dem, was ihnen real vorgefallen ist.
Historiker*innen kreiden „Schlacht um Moskau“ trotzdem mehrere Fälle der dramaturgischen Freiheit und einzelne, historische Ungenauigkeiten an. Dazu zählt der Schlussakt des Films, der von einer 28-köpfigen Soldatentruppe berichtet, die sich 20 deutschen Panzern stellen muss: Diese militärische Anekdote wurde schon vor Produktion des Films oft als womöglich vom Volksmund überhöht in Frage gestellt. Mittlerweile gilt es sogar als Konsens, dass sie frei erfunden ist.
Entgegen dem, was der Film anfangs suggeriert, sollte man ihn also nicht wie eine Dokumentation goutieren. Auch muss er sich die deutliche Kritik gefallen lassen, dass sich einige Szenen allzu leicht so (fehl-)deuten lassen, laut ihnen wären manche Menschenleben aus militärstrategischen Gründen zu entbehren. Mit der entsprechenden, kritischen Distanz lässt er sich jedoch als inszenatorische Muskelübung enormen Ausmaßes betrachten.
Eine schonungslosere, unmissverständlich-harsche Darstellung des Kriegselends findet ihr wiederum in unserem folgenden Heimkino-Tipp:
Einer der besten Kriegsfilme aller Zeiten ist ein beklemmend-surreales Erlebnis – jetzt feiert er seine Blu-ray-Premiere*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.