Genauso wie es für Musiker, denen mit ihrem Debüt ein Riesenerfolg gelang, das „schwierige zweite Album“ gibt, haben auch Schauspieler oft mit immensen (und unverhältnismäßigen) Erwartungshaltungen von Publikum und Kritik zu kämpfen. Das betrifft vor allem jene Darsteller, die mit überwältigenden Kassenhits neue Rekorde knacken.
Wie sich diese Last anfühlt, weiß Sam Worthington wohl nur zu gut. Der Australier spielte 2009 die Hauptrolle in James Camerons Sci-Fi-Fantasy-Megahit „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, der sich zum erfolgreichsten Film aller Zeiten entwickelte – und Worthington in nicht für möglich gehaltene Star-Sphären katapultierte. Doch schon ein Jahr später erlebte Worthington künstlerischen Schiffbruch. Grund dafür ist ein 125 Millionen Dollar teures, nicht unumstrittenes Fantasy-Remake, das der Schauspieler am liebsten aus seiner Filmografie streichen würde.
Zum Weltstar von 0 auf 100
Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten von „Avatar“ war Worthington, damals 31 Jahre alt, international weitestgehend unbekannt. Er hatte bis dato in australischen TV-Serien mitgewirkt sowie kleinere Parts in – wenig erfolgreichen – Filmen („The Great Raid“, „Rogue“) übernommen. Dann kam das Angebot von Cameron, dem für die Hauptrolle des Jake Sully in „Avatar“ ein unbekanntes Gesicht vorschwebte. Der Regie-Visionär („Terminator“) hatte einen Darsteller im Sinn, der physische Präsenz (Sully ist ein Ex-Marine) mit einem Ausdruck von Verletzlichkeit kombinierte – und fand seinen perfekten Hauptdarsteller schließlich in Worthington.
Nach dem Megaerfolg von „Avatar“ war der zuvor nur wenigen Filmfans bekannte Schauspieler plötzlich einer der gefragtesten Männer Hollywoods – und wurde mit Filmangeboten überhäuft. Worthington nahm schließlich eine Offerte an, den Hauptpart im aufwendigen Fantasy-Actioner „Kampf der Titanen“ zu spielen. Bei diesem, vom französischen Action-Experten Louis Leterrier („The Transporter“) inszenierten Film handelt es sich um die moderne Neufassung des gleichnamigen Originals aus dem Jahr 1981. Im Mittelpunkt der Handlung steht Halbgott Perseus (Worthington), Sohn des Zeus, der sich gefährlichen, menschlichen wie göttlichen Gegnern in den Weg stellt, um den Rachegott Hades ein für alle Mal zu besiegen.
"Ich habe das Publikum enttäuscht"
Der Druck für Worthington nach seinem Durchbruch war durchaus groß, schließlich wurde sein neues Projekt „Kampf der Titanen“ am finanziellen Erfolg des in der fantastischen Welt von Pandora angesiedelten Vorgänger-Blockbusters gemessen. Leterriers spektakulär in Szene gesetzter Clash der Götter reichte am Ende natürlich nicht an „Avatar“ heran – mit einem Einspielergebnis von fast 500 Millionen Dollar war „Kampf der Titanen“ dennoch ein veritabler Kassenhit. Die Kritiken fielen jedoch überwiegend vernichtend aus (lediglich 27 Prozent Zustimmung bei Rotten Tomatoes). Kritisiert wurden vor allem die schwache Figurenzeichnung und die seelenlose Inszenierung, die sich in Klischeebildern und einer aufdringlichen Symbolik verlor.
Für Worthington selbst ist vor allem eigenes Versagen schuld an jenen durchwachsenen Reaktionen. Im Interview mit der Zeitung The Scotsman ging er hart mit sich ins Gericht: „Es war mein erster Film nach ‚Avatar‘ und habe ich das Publikum enttäuscht, weil ich keine wahrhaftige, glaubwürdige Figur gespielt habe. Ich war in der Rolle ein verdammter, durchschnittlicher und langweiliger Actiontyp. Ich hab's vermasselt.“
Der Schauspieler verglich sich und seine Darbietung als Mensch-Gottheit-Hybrid Perseus mit einer „Barbie-Puppe“ und erklärte rückblickend reumütig: „Ich mochte mich selbst nicht dafür. Ich habe versagt, ich gebe es zu.“ Das produzierende Studio Warner Bros. sah das vermutlich anders und schob zwei Jahre später die Fortsetzung „Zorn der Titanen“ nach, überwiegend mit denselben Darstellern aus dem ersten Teil. Da das Einspielergebnis jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, war das Ende des kurzlebigen „Kampf der Titanen“-Franchises damit quasi besiegelt – auch wenn es einige Jahre später tatsächlich noch ein (grottiges) zweites Sequel gab.
Und Worthington? Der etablierte sich in den Folgejahren als gefragter Darsteller in Hollywood, der sein Können sowohl in anspruchsvollen, kleineren Indie-Filmen („Cake“) ebenso wie in größer angelegten Hollywood-Produktionen („Everest“) unter Beweis stellte.
Worthington geizt im Zusammenhang mit seiner Leistung in „Kampf der Titanen“ nicht mit Selbstkritik. Ganz anders äußerte sich einst Kult-Schauspieler Jeff Bridges ("The Big Lebowski") der die Schuld an einer verpassten Mitwirkung an einem der größten Kriegsfilme aller Zeiten nicht bei sich sah – sondern bei seinem einstigen Manager:
"Mein Agent hat es vermasselt": Jeff Bridges bedauert bis heute, dass er nicht in diesem Kriegsfilm-Meisterwerk zu sehen war