Der Aufschrei in den sozialen Medien war groß, als sich Quentin Tarantino vergangenen Dezember im Brett Easton Ellis Podcast über eine Reihe beliebter Hollywood-Schauspieler auskotzte. Eigentlich sollte es im Podcast um Tarantinos zehn Lieblingsfilme des 21. Jahrhunderts gehen. Doch bevor er sich lobend über seinen fünften Platz „There Will Be Blood“ äußerte, hielt er es für nötig, einen der Hauptdarsteller durch den Dreck zu ziehen:
„‚There Will Be Blood‘ wäre meine Nummer 1 oder 2, wenn er nicht einen gigantischen Fehler hätte […] und dieser Fehler ist Paul Dano“, erklärte Tarantino im Podcast. So ist der „Kill Bill“-Regisseur der Meinung, dass Dano im Vergleich zu seinem Co-Star Daniel Day-Lewis total abstinke: „[Daniel] frisst ihn bei lebendigem Leibe auf […]. Er ist ein schwacher, uninteressanter Typ.“ Und abschließend warf Tarantino noch hinterher, Dano sei „der schwächste verdammte Schauspieler der Schauspielgewerkschaft.“
Zwar ist Tarantino für sein loses Mundwerk bekannt und wird dafür auch geschätzt, doch im Falle Danos waren seine Worte nicht nur schlecht begründet, sondern auch schlichtweg beleidigend. Und das zumal Dano eine durchaus beeindruckende Bandbreite als Schauspieler hat, sei es als psychisch kranker Gegenspieler in „Prisoners“, als emotional verkappter Vater in „Die Fabelmans“ oder als unbestimmter Teenager in „Little Miss Sunshine“. Letzterer feierte nun sein 20-jähriges Jubiläum auf dem Sundance Film Festival. Und dort rang Variety dem Schauspieler nach Wochen des Schweigens endlich ein Statement ab.
Paul Dano äußerte sich erstmals zu Tarantinos Kommentaren
Vor der Jubiläums-Vorführung von „Little Miss Sunshine“ gab es eine Fragerunde, bei der Dano auf Tarantinos Bemerkungen angesprochen wurde. Dabei ließ sich der Schauspieler jedoch nicht auf dessen Ton herab, sondern bedankte sich vordergründig für den großen Zuspruch, den er von allen Seiten erhalten hat: „Das war wirklich nett“, so Dano. „Ich war sehr dankbar, dass die Welt für mich eingestanden ist, damit ich es nicht tun musste.“
Beteiligt an der Fragerunde war auch Danos „Little Miss Sunshine“-Co-Star Toni Collette, die etwas bissiger reagierte und sich auch nochmal direkt an Tarantino richtete: „Scheiß auf den Typ! Er muss high gewesen sein […]. Es war einfach nur verwirrend. Wer macht sowas?“ Scharfe Kritik kam auch vom Co-Regisseur des Films Jonathan Dayton, der Tarantinos Worte „peinlich“ nannte und vermutete, dass Danos „unbeschönigte Darstellung in ‚There Will Be Blood‘ für Tarantino zu unbequem war.“ Dessen komplexe Performance ließe sich nämlich „nicht so einfach einordnen.“
Hollywood positioniert sich also weiterhin hinter Paul Dano - und im Übrigen auch hinter „Scream“-Ikone Matthew Lillard, der ja ebenfalls in Tarantinos Kreuzfeuer geraten ist. So machte sich sogar eine Größe wie George Clooney – der in „From Dusk Till Dawn“ schon Seite an Seite mit Tarantino spielte – bei einer Preisverleihung für die beiden Schauspieler stark, mit denen er liebend gerne zusammenarbeiten würde. Und auch Lillard selbst hatte diesbezüglich nochmal etwas zu sagen.
Matthew Lillard meldete sich ebenfalls zu Wort
Verwunderlich waren auch Tarantinos Sticheleien gegen Matthew Lillard, der sich trotz seiner ikonischen Auftritte in Filmen wie „Scream“ und „Scooby-Doo“ nie als ganz großer Star in Hollywood etablieren konnte. Dass ein weltbekannter Regisseur für einen kleinen Kult-Darsteller wie Lillard sein Desinteresse aussprach, wirkte daher wie bloßes nach unten Treten.
Bereits letztes Jahr zeigte sich Lillard daher enttäuscht über Tarantino: „Das verletzt deine Gefühle. Das ist echt scheiße. Und sowas würdest du nicht über Tom Cruise sagen. Sowas würdest du niemandem sagen, der zu den Top-Schauspielern in Hollywood gehört.“
Doch auch für Lillard ist diese Angelegenheit mittlerweile nicht mehr nur negativ behaftet, denn seine Arbeit erhielt in der Folge ebenfalls viel Würdigung im Netz. „Es war, als würde man die eigene Totenwache durchleben.“, verriet der Schauspieler nun in einem Interview für Entertainment Weekly. „All das, was wir nach dem Tod eines Angehörigen zu sehen bekommen, ist so rührend. Und tatsächlich habe das nun hautnah miterlebt – quicklebendig! Ich kann mir keine schönere Reaktion auf das Ganze vorstellen.“
Übrigens: Dass Tarantino ungefiltert über Schauspieler herzieht, ist eigentlich nichts Neues. Auch an einem Horror-Darsteller der 80er-jahre ließ der Filmemacher kein gutes Haar – und fiel dabei nochmal deutlich schroffer aus, als bei Paul Dano!
"Ich war schon immer allergisch gegen ihn": Diesen Schauspieler hasste Quentin Tarantino auf den allerersten Blick