In den späten 1940er-Jahren kam Elizabeth Short in die Stadt der Engel, getrieben vom Traum, in Hollywood als Schauspielerin den großen Durchbruch zu schaffen. Eine Rolle konnte sie letztlich nie ergattern, doch Berühmtheit erlangte sie dennoch – auf tragische und grausame Weise. Als ihre verstümmelte Leiche 1947 im Leimert Park aufgefunden wurde, geriet ganz Hollywood in Aufruhr. Selbst „Citizen Kane“-Schöpfer Orson Welles wurde zeitweise mit dem Mord in Verbindung gebracht.
Bis heute ist ungeklärt, wer Elizabeth Short getötet hat. Der Stoff scheint wie gemacht für einen düsteren Thriller, der menschliche Abgründe auslotet – und genau ein solcher entstand 2006 mit „The Black Dahlia“. Regisseur Brian De Palma („Scarface“) verfilmte den gleichnamigen Roman von „L.A. Confidential“-Autor James Ellroy und stellte dabei einmal mehr unter Beweis, dass er zu den großen visuellen Virtuosen des amerikanischen Kinos zählt.
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Darum geht's in "The Black Dahlia"
Los Angeles im Jahr 1947: Elizabeth Short (Mia Kirshner), aufgrund ihres lasziven Auftretens als Schwarze Dahlie bekannt, wird grausam zugerichtet im Zentrum von L.A. aufgefunden. Die beiden Polizisten Dwight „Bucky“ Bleichert (Josh Hartnett) und Leland „Lee“ Blanchard (Aaron Eckhart) übernehmen die Ermittlungen in dem mysteriösen Mordfall. Zwischen den beiden entsteht nicht nur eine berufliche Partnerschaft, sondern auch eine persönliche Nähe – und Bleichert fühlt sich zunehmend zu Lees Freundin Kaye (Scarlett Johansson) hingezogen.
Je tiefer Blanchard in die Ermittlungen eintaucht, desto stärker beginnt der Fall, an ihm zu zehren. Seine bislang souveräne Fassade bekommt Risse, Besessenheit tritt an die Stelle professioneller Distanz. Als Bleichert bei seinen Nachforschungen schließlich auf die aus wohlhabendem Hause stammende Madeleine Linscott (Hilary Swank) trifft, erweitert sich nicht nur der Kreis der Verdächtigen. Die beiden Polizisten geraten mehr und mehr in einen Strudel aus Eifersucht, sexueller Faszination, Machtspielen und Gewalt, der sie zunehmend voneinander entfremdet...
Ein Augenschmaus
Wer mit dem Werk von Brian De Palma vertraut ist, erkennt schnell seine unverkennbare, stark ästhetisierte Handschrift: Split Screens, ausgedehnte Plansequenzen, elegante Tracking-Shots und Point-of-View-Einstellungen prägen sein Kino. De Palmas Filme sind in erster Linie visuell gedacht, ohne dabei auf einen wiederkehrenden thematischen Kern zu verzichten: Voyeurismus, Sexualität, Abhängigkeit und Obsession bilden seit jeher das Fundament seines Schaffens.
Insofern war Brian De Palma eine naheliegende und durchaus schlüssige Wahl, um „The Black Dahlia“ zu inszenieren, nachdem David Fincher („Sieben“) das Projekt verlassen hatte. Und rein inszenatorisch schöpft De Palma aus den Vollen: Mit beeindruckender Detailversessenheit erweckt der Film das Los Angeles der 1940er-Jahre zum Leben. Kostüme, Kulissen und Ausstattung verschmelzen zu einem opulenten Gesamtbild – ein wahrer Augenschmaus. Die Oscar-Nominierung für Kameramann Vilmos Zsigmond kommt sicher nicht von ungefähr!
Erzählerisch jedoch bleibt „The Black Dahlia“ hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Geschichte entwickelt nur bedingt jene Komplexität, die der Stoff eigentlich nahelegt, und wirkt stellenweise unnötig verklausuliert. Die Vielzahl an Figuren und Nebensträngen verlangsamt immer wieder das Tempo und erschwert die emotionale Bindung. Zwar ist der Cast prominent besetzt, doch gerade Hauptdarsteller Josh Hartnett fehlt es in seiner Rolle an Ambivalenz und innerer Zerrissenheit, um das Publikum nachhaltig zu fesseln. So bleibt ein Film, der thematisch ganz auf De Palmas Terrain operiert – mit Motiven wie Doppelgängertum, Eifersucht und Korruption –, der jedoch trotz seiner visuellen Brillanz nicht in jeder Hinsicht zu packen vermag.
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