„Magic Mike“-Star Channing Tatum spielt einen Ex-Army-Ranger, der reihenweise McDonald's-Filialen ausraubt, dafür in den Knast wandert, dort ausbricht und sich dann in einem Toys “R” Us verschanzt, wo er sich in eine Mitarbeiterin verliebt: Das klingt skurril, vielleicht sogar übertrieben und unglaubwürdig. Doch die Prämisse hinter dem Mix aus Räuberpistole, Liebesdrama und Komödie basiert auf wahren Ereignissen!
Die hat „Blue Valentine“-Regisseur Derek Cianfrance so kurzweilig, zugleich feinfühlig und scharfsinnig zusammengetragen, dass „Der Hochstapler – Roofman“ für mich eine der stärksten Filmüberraschungen von 2025 darstellt. Nun könnt ihr euch daheim vom Genrehybriden überzeugen: „Der Hochstapler“ ist diese Woche auf DVD und Blu-ray erschienen!
DVD und Blu-ray bieten Bonusmaterial mit rund 40 Minuten Laufzeit: Neben Featurettes sind entfernte Sequenzen und Alternativszenen mit von der Partie. Alternativ könnt ihr euch die romantische Gauner-Dramödie als VOD sichern, beispielsweise bei Amazon Prime Video*.
Darum geht es in "Der Hochstapler"
Der frühere Army Ranger Jeffrey Manchester (Channing Tatum) leidet unter Geldnöten und darunter, dass er sich von seiner Tochter und seiner Ex ungeliebt fühlt. Daher nutzt er eine Sicherheitslücke auf dem Dach vieler McDonald's-Filialen und raubt diese reihenweise aus. Da er sich bei seinen maskierten Überfällen bemüht, gütig mit der Belegschaft der Fast-Food-Läden umzugehen, erhält der „Roofman“ in den Medien den Ruf eines Gentleman-Räubers.
Der schützt ihn allerdings nicht davor, verpfiffen zu werden. Jeffrey landet im Gefängnis und verliert wieder die Bindung zu seiner Tochter, die er mühevoll mit teuren Geschenken stabilisiert hat. Eines Tages gelingt dem aufmerksamen Knacki die Flucht, jedoch ist ihm die Polizei auf den Fersen. Also verschanzt er sich in einer Filiale der Spielzeugladenkette Toys “R” Us. Dort beobachtet er, wie Filialleiter Mitch (Peter Dinklage) seine Angestellten herumkommandiert – darunter die alleinerziehende Leigh Wainscott (Kirsten Dunst), für die Jeffrey Gefühle entwickelt. Aber wie soll er sich ihr bloß annähern..?
Hoch gestapelt, komplexe Emotionen gewonnen
Oft wird unter deutschen Filmfans über die hiesigen Verleihtitel internationaler Produktionen gelästert. Aber im Fall von „Roofman“, wie die Dramödie im Original heißt, trifft der deutsche Haupttitel „Der Hochstapler“ die Essenz des Werks deutlich besser: Regisseur/Autor Cianfrance und sein Schreibpartner Kirt Gunn spinnen aus der Absurdität eines Fast-Food-Räubers und heimlichen Spielzeugladen-Bewohners eine thematisch ausgeklügelte, auf emotionaler Ebene einfühlsam-berührende Erzählung über Hochstapelei in verschiedenster Form!
Der fiktionalisierte Jeffrey Manchester wagt sich, wie sein reales Vorbild, nach einiger Zeit als Spielwarenladen-Einsiedler aus seinem kunterbunten Versteck heraus und nimmt in einer Kirchengemeinde eine falsche Identität an, um unter Leute zu kommen – er wird zum klassischen Liebesschwindler respektive Hochstapler. So, wie Cianfrance und Gunn ihren Protagonisten anlegen und Tatum ihn mit einer Mischung aus kernigem Auftreten, sensibler Ader und Orientierungslosigkeit verkörpert, wird der filmische Jeffrey jedoch obendrein zum wandelnden Hochstapler-Syndrom.
Der Armee-Veteran mit ungewöhnlicher Kombination aus krimineller Energie und verzweifeltem Drang, wertgeschätzt zu werden, fühlt sich nie so, als sei er gut genug oder dort, wo er hingehört: Jeffrey kann seiner Ex und seiner Tochter nicht genug bieten, also gaukelt er ihnen ein reicheres Ich vor – weshalb er sich dann fühlt wie Falschgeld. Leigh gegenüber lebt er notgedrungen eine falsche Identität vor, weswegen er stets fürchtet, erwischt zu werden. Und selbst, wenn er in seine wahren Manieren rutscht, glaubt er, dass diese echte Seite an ihm die Zuneigung dieser Frau nicht verdient und sie das eines Tages merken wird. Also versteift er und droht, so ihre Sympathien zu verlieren...
Das hat für sich betrachtet bereits enormes tragikomisches Potential, das Cianfrance inszenatorisch auskostet, indem er kleine, unbequeme Alltagsmomente bewusst eine Spur zu lang stehen lässt und die skurrileren Aspekte der Story pointiert angeht. Doch lässt man „Der Hochstapler“ in Gedanken nachreifen, entwickelt sich diese Tragikomödie zur unerwartet komplexen, filigranen Erzählung über unzufriedene Seelen, die sich auf der Suche nach Zuneigung in einen Teufelskreis der Anpassung, des Verbiegens und der verkrampften, nach hinten losgehenden (Pseudo-)Optimierung begeben.
Das ist universeller, als man glauben dürfte und echt nicht schlecht für einen Film, dessen Story sich zum absonderlichen Nachrichtenmagazin-Kurzbeitrag zusammenraffen ließe! Eine ganz andere Mischung aus Humor, Kriminalität und dem väterlichen Drang, seiner Familie Glück bereiten zu können, stellen wir euch derweil im folgenden, actionreichen Heimkino-Tipp vor...
Sci-Fi-Bombast mit über 100 Millionen Dollar Budget: Spektakuläre Stephen-King-Verfilmung neu im Heimkino*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.