Ich muss wohl erstmal mit einem Geständnis beginnen: Ich bin jetzt nicht der größte Science-Fiction-Fan. Mein Bild von dem Genre beschränkt sich – zugegeben – oft auf überkomplexe Plots, Klischees und vor allem auf dystopische oder bedrückende Stimmungen. Und ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, dass auch „Der Astronaut – Project Hail Mary“ genau in dieses Muster passt.
Als ich den ersten Trailer zum neuen Blockbuster vom Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller gesehen habe, fühlte ich mich darin sogar bestätigt. Die Musik war schwer und dramatisch, und auch die Prämisse – dass der von Ryan Gosling gespielte Wissenschaftler Ryland Grace ohne jede Erinnerung an seine Identität oder den Grund seiner Reise ins Weltall in einem Raumschiff erwacht – ließ mich vermuten, hier eine Mischung aus Sci-Fi-Abenteuer und düsterem Thriller vor mir zu haben. Wie falsch ich damit lag, sollte sich allerdings erst beim Kinobesuch herausstellen.
Ich habe "Der Astronaut – Project Hail Mary" eine Chance gegeben ...
Die weiteren Trailer habe ich mir gar nicht mehr angeschaut, weil ich mir mein Urteil längst gebildet hatte. Entsprechend wenig Lust hatte ich, mir „Der Astronaut“ überhaupt anzusehen – und das, obwohl ich eigentlich ein großer Gosling-Fan bin. Doch als ein Großteil meines Kollegiums beschloss, den Film beim Special Screening am 2. März 2026 im UCI Luxe Berlin zu schauen, gab schließlich der Gruppenzwang den Ausschlag. Und ich kann nur sagen: Was für eine gute Entscheidung!
Solltet ihr den Film noch nicht gesehen haben, dann solltet ihr A) unbedingt ins Kino gehen und B) euch bewusst sein, dass ab hier Spoiler folgen.
… und wurde belohnt!
Denn statt der erwarteten düsteren Sci-Fi-Thriller-Atmosphäre entpuppte sich der Film als überraschend heiteres Abenteuer. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen: In Rückblenden erfahren wir, dass das Schicksal der Menschheit offenbar in den Händen des Lehrers Ryland Grace liegt – eine Verantwortung, der er sich eigentlich gar nicht stellen möchte. Allein sein zögerliches, fast schon widerwilliges Auftreten sorgt dabei immer wieder für komische Momente.
Das wahre Herzstück der Geschichte spielt jedoch in der Gegenwart. Nachdem Grace sich damit arrangiert hat, plötzlich ein Astronaut zu sein, trifft er auf ein Alien – und zwar vermutlich das liebenswürdigste seit E.T. oder WALL·E. Das krabbenartige, steinähnliche Wesen, das er schließlich Rocky tauft, versucht mit ihm über Geräusche, Gesten und sogar eine Art Puppenspiel zu kommunizieren. Mithilfe eines von Grace entwickelten Übersetzungsprogramms, das nach und nach erweitert wird, gelingt schließlich auch ein echter Dialog. Besonders niedlich ist dabei die Szene, in der Grace gemeinsam mit Rocky eine passende Stimme für ihn auswählt.
Als Rocky eines Tages kurzerhand beschließt, in Graces Raumschiff einzuziehen, entsteht für mich das absolute Humor-Highlight des Films. Es macht einfach unglaublich viel Spaß zu beobachten, wie sich ihre Beziehung entwickelt: Mal wirkt Rocky wie ein quirliges Haustier, dann wieder wie ein engagierter Kollege, ein nerviger Mitbewohner oder fast schon wie ein langjähriger Ehepartner.
Ich hätte den beiden ewig zuschauen können – da geriet die angepeilte Rettung der Erde fast zur Nebensache. Umso schöner, dass der Film genau diesen Fokus beibehält und die Freundschaft der beiden auch im Angesicht der intergalaktischen Krise in den Mittelpunkt stellt.
Letztlich wurde „Der Astronaut“ für mich zu einem echten Kinoereignis. Meine Erwartungen an einen düsteren Sci-Fi-Thriller wurden komplett über den Haufen geworfen, und stattdessen bekam ich eine der besten Buddy-Komödien seit Langem zu sehen. Neben Klassikern wie „Hangover“ (2009) und „Ziemlich beste Freunde“ (2011) gehören für mich auch Animationsfilme wie „Oben“ (2009) und „Zoomania“ (2016) zu den stärksten Genre-Vertretern der letzten Jahre – und „Der Astronaut“ steht ihnen in nichts nach.
Die Freundschaft zwischen Grace und Rocky ist so besonders, die Dialoge so charmant und der Film insgesamt so herzerwärmend, dass ich es kaum erwarten kann, ihn noch einmal im Kino zu sehen.
Auch mein FILMSTARTS-Kollege Markus Trutt beschreibt „Der Astronaut – Project Hail Mary“ in seiner Kritik als „rührende Buddy-Komödie im All“ und vergibt hervorragende 4 von 5 möglichen Sternen. Den Trailer, der mir das wahrscheinlich schon viel eher verraten hätte, könnt ihr übrigens hier anschauen: