Sogar Regie-Legende Martin Scorsese hat für sein neuestes Projekt KI verwendet – aber anders als ihr denkt
Louis Verheyen
Louis Verheyen
-Freier Autor
Genießt alle Facetten des Kinos und lässt sich von „Mulholland Drive“ ebenso gern verstören wie von „Call Me By Your Name“ verzaubern. Hofft immer noch wehmütig darauf, dass Richard Kelly mal wieder einen Film dreht.

Martin Scorsese gilt dank Meisterwerken wie „Goodfellas“ oder „The Wolf Of Wall Street“ als einer der wichtigsten Regisseure aller Zeiten. Umso mehr dürfte es viele schockieren, dass gerade er sich nun für den Einsatz von KI im Kino stark macht.

Pidax Film

Der rapide Fortschritt von künstlicher Intelligenz mischt auch die Filmwelt seit einer Weile ordentlich auf. Erst kürzlich sorgte beispielsweise der Trailer zu „As Deep As The Grave“ für Aufruhr, in dem ein komplett am Computer generierter Val Kilmer eine Rolle spielt. Während viele Zuschauer*innen und Filmschaffende das Thema aus moralischer und kreativer Sicht kritisch beäugen, hat sich nun der vielleicht beste noch lebende Filmemacher für die Verwendung von KI im Kino ausgesprochen: Martin Scorsese.

Damit fügt sich der 83-Jährige in eine Reihe großer Hollywood-Namen ein, die der neuen Technologie zugewandt sind. Sein langjähriger Kreativpartner Paul Schrader zum Beispiel, der für ihn unter anderem die Drehbücher für „Taxi Driver“ und „Wie ein wilder Stier“ verfasste, hält künstliche Intelligenz für ein hervorragendes Werkzeug für die Entwicklung von Geschichten. Regiekollege James Cameron ist sogar als Vorstand beim KI-Unternehmen Black Forest Labs tätig – genau die Firma, mit der nun auch Scorsese zusammenarbeiten wird.

Wie der „Goodfellas“-Macher der New York Times verriet, experimentierte er für einen seiner neuen Filme sogar bereits mit der KI-Technik, die ihm das Unternehmen zur Verfügung stellt. Allerdings stellte er klar: Die Technologie kommt nur in der Vorproduktion zum Einsatz, nicht beim Dreh selbst.

Martin Scorsese will in Zukunft KI-Storyboards verwenden

Einer der grundlegendsten Schritte bei der Vorproduktion von großen Filmen ist das Erstellen von Storyboards – also Konzeptzeichnungen, mit denen die Kameraeinstellungen, Positionierungen der Schauspieler*innen und die Sets vor Drehbeginn geplant werden. „Seit 70 Jahren entwerfe ich meine Storyboards selbst“, erklärte der Regisseur. „Dabei gab es schon immer ein grundlegendes Problem: Wie vermittelt man seinem Cast und seiner Crew das, was man vor seinem geistigen Auge sieht?“

Dieser Prozess werde dem Filmemacher zufolge durch den Einsatz des KI-Tools „Flux“ nun deutlich vereinfacht: In dieses müsse man nur einen bestimmten Befehl eingeben, und man erhalte im Handumdrehen eine passende visuelle Darstellung. „Dank dieses Werkzeugs kann ich meinem Kreativteam meine visuellen Vorstellungen nun wesentlich klarer und effizienter vermitteln“, so Scorsese.

Ich habe den ersten komplett KI-generierten Actionfilm gesehen: Müssen wir uns wirklich Sorgen um die Zukunft des Kinos machen?

Weiter betonte er, man solle neuen Technologien nicht grundsätzlich ablehnend begegnen: „Man darf nicht vergessen: Das Kino ist ein junges Medium – gerade einmal um die 125 Jahre alt. Deshalb müssen wir offen dafür sein, wie es sich weiterentwickeln kann.“ Durch das KI-Tool könne man demnach Zeit und Geld bei der Produktion einsparen, ohne Qualität einzubüßen.

Die Technologie kam bei Scorseses letztem Projekt zum Einsatz

Der Filmemacher offenbarte außerdem, dass er die Technologie bereits für eines seiner letzten Projekte verwendet hat. Um welches genau es sich dabei handelt, gab er zwar nicht an, der zeitliche Ablauf legt allerdings nahe, dass es sich um „What Happens At Night“ handeln könnte – einen womöglich schon dieses Jahr erscheinenden psychologischen Horrorfilm mit Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence, dessen Dreharbeiten kürzlich abgeschlossen wurden.

Ob durch diesen speziellen Einsatz künstlicher Intelligenz tatsächlich kein Qualitätseinbruch in Scorseses zukünftigen Filmen bemerkbar sein wird, wird sich also in nächster Zeit zeigen. Allerdings lässt sich gegen die Worte des Regisseurs schon jetzt einwenden, dass handgefertigte Storyboards durchaus eine Kunst für sich sein können. Nicht umsonst gelten die Skizzen für Klassiker wie „Alien“ und „Jurassic Park“ bis heute als legendär – und haben sich durch ihre dynamischen Zeichnungen sicherlich auch auf die fertigen Werke übertragen.

So euphorisch, wie sich Scorsese über diese neuen technischen Möglichkeiten zeigt, dürften jedenfalls auch seine zukünftigen Projekte von KI-generierten Storyboards unterstützt werden. Für eines dieser Projekte könnte übrigens einmal mehr Robert De Niro vor die Kamera treten, wie dieser neulich in einem Interview verriet:

Legendäres Erfolgs-Duo vor der Rückkehr? Robert De Niro spricht über zukünftige Projekte

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