Das Verhältnis zwischen Netflix und den Kinos gilt als sehr kompliziert. Immer wieder gab es Streitereien und Sticheleien. Netflix-Boss Ted Sarandos sagte dem Kino-Erlebnis einst sogar den baldigen Tod voraus, während sich manche Lichtspielhäuser bis heute weigern, die wenigen Netflix-Titel überhaupt zu zeigen. Ein paar seiner prestigeträchtigsten Produktionen bringt der Streamingdienst nämlich dann doch auf die große Leinwand. Das hat vor allem einen Grund: Sie sollen damit die Voraussetzungen für die Teilnahme an den Oscars erfüllen. Meist ist dies aber nur ein kurzer Vorabstart, um die Qualifikationskriterien zu erfüllen. Wenig später steht der jeweilige Titel dann bereits im Abo zum Abruf bereit. Doch das ändert sich jetzt.
Bei „La Bola Negra“ geht Netflix einen ungewöhnlichen Schritt: Das gefeierte spanische Drama von Javier Calvo und Javier Ambrossi wird in den USA satte 47 Tage exklusiv im Kino laufen, bevor es ins Streamingangebot aufgenommen wird. In Nordamerika wird der Film bereits am 16. Oktober 2026 in den Kinos starten, nachdem bislang ein Kinostart im November anvisiert war. In Deutschland ist „La Bola Negra“ aktuell für einen Kinostart am 19. November terminiert. Hierzulande hält Netflix nicht die Rechte an dem Film, sondern der Pandora Filmverleih. Daher wird das bildgewaltige Epos hier auch erst einmal ausschließlich exklusiv im Kino laufen.
47 Tage exklusiv im Kino: Das ist ein Netflix-Rekord.
Da erst ab dem 2. Dezember 2026 die amerikanische Auswertung auf Netflix folgen wird, stellt „La Bola Negra“ einen Rekord auf. Noch nie lief ein Netflix-Film länger exklusiv in den Kinos. Den bisherigen Höchstwert hielt Noah Baumbachs „Marriage Story“, der 2019 für 30 Tage exklusiv auf der großen Leinwand zu sehen war. Der Streamingdienst scheint sich von dem epischen Drama nach seiner Weltpremiere in Cannes, die auch uns begeistert hat, einen Kino-Hype zu erhoffen. Am Ende soll das in Oscar-Erfolgen münden. Schon jetzt gilt das queere Geschichts-Melodram als einer der großen Favoriten.
Nach der Weltpremiere in Cannes, bei der Javier Calvo und Javier Ambrossi mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurden, gab es daher auch ein Wettbieten um die US-Rechte für „La Bola Negra“. Netflix soll sich damals unter anderem gegen die gerade in Sachen Oscar-Kampagnen erfahrenen Indie-Verleiher A24 und Neon durchgesetzt und dafür eine Rekordsumme hingeblättert haben.
Darum geht es in "La Bola Negra"
Der Titel verweist auf ein unvollendetes Werk des spanischen Dichters und Dramatikers Federico García Lorca. Da lediglich wenige Seiten davon erhalten geblieben sind, handelt es sich bei „La Bola Negra“ allerdings nicht um eine gewöhnliche Verfilmung. Kombiniert mit Elementen aus Alberto Conejeros Theaterstück „La piedra oscura“ erwartet uns ein 155 Minuten langes Epos, das drei schwule Männer in verschiedenen Epochen der spanischen Geschichte begleitet.
1932 möchte der junge Carlos (Milo Quifes) Mitglied eines elitären Geheimbundes werden. Über seine Aufnahme wird mit weißen und schwarzen Kugeln abgestimmt. Obwohl schon mehrere Männer seiner Familie der Vereinigung angehörten, wird Carlos aufgrund der Gerüchte über seine Homosexualität abgelehnt.
1937 erlebt der naive Sebastián (Guitarricadelafuente) den Spanischen Bürgerkrieg. Nachdem italienische Soldaten sein Dorf angegriffen haben, schließt er sich ausgerechnet der Armee des faschistischen Diktators Francisco Franco an. In einem Militärkrankenhaus soll er den verwundeten republikanischen Gefangenen Rafael (Miguel Bernardeau) bewachen. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich langsam eine verbotene Liebesgeschichte.
Im Jahr 2017 erforscht der unglückliche Theaterautor Alberto (Carlos González) queere Spuren in der spanischen Kulturgeschichte. Der Tod seines ihm unbekannten Großvaters führt ihn auf eine persönliche Suche, die auch sein schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter Teresa (Lola Dueñas) verändert.
In Nebenrollen wartet das Drama noch mit zwei großen Namen auf. Penélope Cruz als Nachtclubsängerin Nené und Glenn Close als Lorca-Expertin gehören ebenfalls zum Ensemble. Produziert wurde das Werk unter anderem vom spanischen Regie-Meister Pedro Almodóvar („Parallele Mütter“).
Für uns ist "La Bola Negra" "pure epische Wucht"
Wir konnten „La Bola Negra“ bereits bei seiner Weltpremiere in Cannes sehen. Der Autor dieser Zeilen vergibt in der FILMSTARTS-Kritik starke vier von fünf Sternen. Schon die Überschrift bringt die Begeisterung auf den Punkt: „Pure epische Wucht!“ „La Bola Negra“ ist ein visuell und emotional ausgesprochen groß gedachter Film, der sich in Sachen Ausstattung, Kostümen, Kamera und Musik nicht vor deutlich teureren Hollywood-Epen verstecken muss.
Besonders beeindruckend ist, wie die drei Zeitebenen miteinander kommunizieren. Bilder, Geräusche und Gefühle fließen von einer Epoche in die nächste, sodass die verschachtelte Konstruktion nie wie eine bloße Drehbuchübung wirkt. Das Herzstück bleibt dabei die zurückhaltend erzählte Beziehung zwischen Sebastián und Rafael. Mitten im Krieg und unter ständiger Beobachtung bleibt den beiden kaum Raum für offene Liebeserklärungen. Vieles wird stattdessen über kleine Gesten, Blicke und Pausen vermittelt.
Auch wenn es „La Bola Negra“ einem beim ersten Sehen schwer macht, weil der Film mit so vielen Themen, Figuren und historischen Bezügen geradezu überladen ist, handelt es sich dabei nach unserer Meinung um ein „wahrhaft episches, [...] tief bewegendes queeres Geschichts-Melodram.“
Wir empfehlen euch daher, sich den Kinostarttermin am 19. November 2026 dick im Kalender zu markieren. Hierzulande wird der Film auch nicht auf Netflix erscheinen, sondern erst einmal exklusiv nur im Kino laufen - und das auch länger als 47 Tage.
Um einen Film, der leider nie ins Kino kam, den es aber jetzt zumindest wieder im Streaming-Abo gibt, geht es im folgenden Artikel:
Neu im Streaming-Abo: Dass dieses Sci-Fi-Meisterwerk niemals in die deutschen Kinos kam, ist eine Frechheit!