Ausgerechnet Donald Trump will Hollywood retten: So könnte sein neuer Plan die Filmindustrie verändern

Wird Donald Trump vom verächtlichen und spöttischen Kritiker des „linken“ Hollywood plötzlich zum Retter? Der US-Präsident hat jetzt zumindest einen Plan vorgestellt, der deutlich konkreter klingt als seine einstige Drohung mit drastischen Zöllen.

Midwestern Films LLC / Pixabay

Die amerikanische Filmindustrie hat seit Jahren ein Problem. Weltweit kämpfen andere Länder mit Steueranreizen um große und kleine Filmprojekte, sodass immer mehr amerikanische Produktionen in Wirklichkeit woanders auf der Welt entstehen. Besonders Großbritannien lockt mit guten Bedingungen. „Barbie“ und „Supergirl“ wurden so teilweise in den Warner-Studios in Leavesden bei London gedreht, „Wicked“ entstand in den Sky Studios Elstree, „Avengers: Doomsday“ in den legendären Pinewood Studios und auch Tom Cruise drehte „Mission: Impossible 8“ zu großen Teilen in Großbritannien. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen und gilt auch für weitere Länder. So entsteht etwa ein Großteil der Serien, wie ganz aktuell „Reacher“, in Kanada, während insbesondere B-Movie-Action oft in Bulgarien gedreht wird. Auch Ungarn ist zum Beispiel schon lange ein Anlaufpunkt für so unterschiedliche Projekte wie „Dune“, „Poor Things“ oder die kommenden Actioner „Matchbox“ und „Mayday“.

Das Ergebnis: Von Jahr zu Jahr steigt der Anteil der amerikanischen Filme und fiktionalen TV-Produktionen, die außerhalb der Vereinigten Staaten gedreht werden. 2025 waren es satte 45 Prozent. In Amerika sorgt das für Probleme. Die Zahl der Drehtage in den USA liegt weiterhin unter dem Niveau von vor der Corona-Pandemie. Viele Soundstages bleiben leer, zahlreiche Filmschaffende aus den diversen Gewerken stehen ohne Jobs da. Denn während natürlich die prominenten Stars ans Set geflogen werden, heuert man Setbauer, Maskenbildner oder Beleuchter dann oft direkt vor Ort an.

Donald Trump als Retter Hollywoods? Das hat eine gewisse Ironie

Die US-Politik hat dieses Problem schon länger auf dem Schirm. Donald Trump ernannte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit mit Jon Voight, Mel Gibson und Sylvester Stallone sogar drei Hollywood-Botschafter, was mit viel Spott bedacht wurde. Doch einer von ihnen hat ihm über die vergangenen Monate in einer gemeinsam koordinierten Aktion mit US-Filmgewerkschaften und diversen Lobby-Verbänden gut zugeredet. Und jetzt will ausgerechnet Donald Trump diese Entwicklung aufhalten und die amerikanische Filmindustrie retten, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt.

Schließlich pflegt der US-Präsident seit Jahren ein ausgesprochen schwieriges Verhältnis zu Hollywood. Schon lange vor seiner ersten Amtszeit lästerte Trump regelmäßig über die Oscars, bezeichnete die Verleihung unter anderem als langweilig und „traurigen Witz“. Später attackierte er etwa die historische Oscar-Auszeichnung des südkoreanischen Thrillers „Parasite“ als Bester Film und teilte regelmäßig gegen Hollywood-Stars aus, die ihn ihrerseits kritisierten. Robert De Niro, Meryl Streep, George Clooney oder Mark Ruffalo standen schon im Kreuzfeuer von ihm und der MAGA-Bewegung. Trump pflegte zu dem von ihm als links verteufelten Hollywood eine Feindschaft … und doch soll ausgerechnet er jetzt das durchsetzen, was sich Teile der Filmindustrie schon seit vielen Jahren wünschen.

Trumps Kehrtwende: Von Zöllen zu Geldgeschenken

Im Mai 2025 hatte Donald Trump noch einen ganz anderen Plan gegen die Abwanderung von Filmen ins Ausland. Wir berichteten damals ausführlich über seine Ankündigung, Filme, die außerhalb der Vereinigten Staaten produziert werden, mit einem Zoll von satten 100 Prozent zu belegen. Unklar blieb aber immer, wie ein solcher Zoll auf ein Produkt wie einen Film überhaupt funktionieren sollte. Schließlich werden Filme nicht wie Autos oder andere Waren einfach in einem Land hergestellt und anschließend in ein anderes importiert.

Vielleicht hat auch Trump das erkannt oder die Lobby-Arbeit war erfolgreich. Sein eigener Hollywood-Botschafter Jon Voight forderte den Präsidenten schon damals auf, auf Anreize statt auf Strafen zu setzen. Wie Branchenbeobachter berichten, soll er damit immer und immer wieder beim ihm persönlich zugeneigten Präsidenten vorstellig geworden sein. Das Ergebnis: Auch Trump verfolgt jetzt diese andere Strategie. Statt Produktionen für Dreharbeiten außerhalb der USA zu bestrafen, sollen Hollywood-Studios mit finanziellen Anreizen dazu gebracht werden, wieder häufiger in den Vereinigten Staaten zu produzieren. Donald Trump fordert jetzt eine bundesweite Filmförderung.

„Der Kongress sollte unverzüglich einen bundesweiten Produktionsanreiz beschließen, um Arbeitsplätze in der Unterhaltungsindustrie in Amerika zu schaffen“, erklärte Trump auf Truth Social. Republikaner und Demokraten sollten gemeinsam eine entsprechende Gesetzgebung auf den Weg bringen. Mit den für ihn üblichen, markanten Worten zeichnete er zudem ein gewohnt drastisches Bild. Hollywood sei eine „komplette und totale Katastrophe“, bekomme trotz seines berühmten Namens inzwischen nur noch sehr wenig Arbeit und werde durch die Abwanderung von Produktionen massiv geschädigt. Das will er nun ändern.

So könnte Trumps Hollywood-Förderung aussehen

Wichtig ist zum aktuellen Zeitpunkt: Wie genau das Modell aussehen wird, steht bisher nicht fest. Trump selbst hat keine konkreten Vorschläge gemacht, weder eine Förderhöhe noch sämtliche Bedingungen genannt. Das genaue Gesetz will er dem dafür auch zuständigen Kongress überlassen. Doch trotzdem schweben schon Details zum möglichen Vorhaben im Raum, die nach unserer Einschätzung wirklich großes Potenzial haben und die USA als Drehstandort wieder deutlich attraktiver machen würden.

Aus dem Umfeld von Jon Voight und den an der Initiative beteiligten Branchenverbänden ist nämlich zu hören, dass es der Plan sei, auf Bundesebene einen Steueranreiz von rund 20 Prozent auf in den USA anfallende Arbeitskosten einer Film- oder Fernsehproduktion zu schaffen. Sollte es so kommen, würden die Verantwortlichen hinter einem Film also 20 Prozent der in den USA anfallenden Arbeitskosten zurückbekommen, primär Gehälter für Cast und Crew.

Besonders attraktiv wird der Vorschlag jedoch durch ein weiteres, ziemlich entscheidendes Detail. Diese bundesweite Förderung soll ein Sockelbeitrag sein, der nach den derzeitigen Vorstellungen mit den bereits bestehenden Förderprogrammen einzelner US-Bundesstaaten kombinierbar sein wird. In dem Zusammenhang müssen wir kurz über die aktuell bereits bestehende Filmförderung in den USA reden.

Das ist die aktuelle Filmförderung in den USA und darum kann sie nicht mithalten

Wir sprechen zwar immer von Hollywood, meinen damit aber natürlich die gesamte amerikanische Filmindustrie und nicht nur diesen einen Fleck in Kalifornien. Auch wenn man in der Heimat der Traumfabrik selbst zuletzt das eigene Förderprogramm bereits massiv erhöht hat und künftig 750 Millionen Dollar pro Jahr an Filme und Serien auszahlen will, werden US-Filme mittlerweile überall im Land gedreht. Georgia, New York, New Mexico, Louisiana und viele weitere Bundesstaaten versuchen, mit ihren eigenen Förderprogrammen Filme und Serien anzulocken.

Bislang bringt das aber ein Problem mit sich. Diese Förderprogramme einzelner Bundesstaaten waren ursprünglich hauptsächlich dafür gedacht, untereinander um Produktionen zu konkurrieren. Gegen die nationalen Programme anderer Länder wie Großbritannien oder Kanada kommen sie jedoch immer schwerer an, sodass die eingangs beschriebene Abwanderung ins Ausland zunimmt.

Das künftige Modell: US-Förderung + Staaten-Förderung

Der von Trump vorgeschlagene bundesweite Anreiz soll diese Programme nicht ersetzen, sondern einen neuen Sockel schaffen, wie gerade Tony Armer und Katie Pryor von Film USA im Branchen-Podcast The Town erklären. Die US-Förderung würde eine Art finanziellen Grundrabatt schaffen, der im ganzen Land gilt. Die einzelnen Bundesstaaten könnten anschließend ihre eigenen Förderungen obendrauf packen. Produktionen würden also für einen Dreh in den USA zwei Mal kassieren. Sie könnten erst die Förderung der US-Regierung erhalten und anschließend zusätzlich vom Programm des jeweiligen Bundesstaates profitieren. Mit dieser Kombination sollen amerikanische Drehorte finanziell wieder mit London, Vancouver oder Budapest konkurrieren.

Im Rahmen seiner Zoll-Drohungen klagte Trump 2025 noch darüber, dass andere Länder mit finanziellen Anreizen Hollywood aus den USA „weglocken“ würden und verteufelte dieses System. Jetzt will er es übernehmen und stößt damit natürlich quer durch die Filmbranche auf Begeisterung. Die Motion Picture Association (MPA), die unter anderem die großen Hollywood-Studios vertritt, begrüßte Trumps Vorstoß genauso wie all die Gewerkschaften. Schließlich haben sie im Hintergrund lange dafür gekämpft. Was dazu kommt und äußerst selten ist: Selbst vom politischen Gegner gibt es grundsätzlich Zustimmung zur Idee, wie von dem demokratischen Senator und langjährigen Trump-Kritiker Adam Schiff.

Die Frage bleibt nur: Kommt Trumps Hollywood-Gesetz wirklich?

Zum Ende dieses Artikels bleibt aber festzuhalten, dass noch nichts beschlossen ist. Trump hat einem möglichen Gesetz zwar schon den Namen „Motion Picture, Television, and Entertainment Revitalization Act“ gegeben, aber der eigentliche Gesetzestext fehlt noch. In den nächsten Wochen und Monaten sind noch zahlreiche offene Fragen zu klären: Wie hoch wird die Förderung am Ende tatsächlich ausfallen? Welche Kosten werden angerechnet? Welche Produktionen qualifizieren sich? Und die unserer Meinung nach größte Streitfrage im politisch tief gespaltenen Amerika: Wer verwaltet das Programm und entscheidet über die Förderanträge?

Trotzdem gibt es in der Filmindustrie großen Optimismus. Donald Trump ist ohnehin in seiner typischen Das-muss-sofort-gemacht-werden-Manier der Überzeugung, dass das Gesetz so schnell beschlossen wird, dass es zum 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Doch dieses Mal teilen auch recht viele Brancheninsider diese Einschätzung. Die Verantwortlichen von Film USA äußerten sich zum Beispiel im Branchen-Podcast The Town optimistisch. Hinter den Kulissen werde bereits seit eineinhalb Jahren an einer solchen Lösung gearbeitet, wobei neben den Film Commissions auch Studios und Gewerkschaften in die Lobbyarbeit eingebunden waren. Auch hier hegt man so die Hoffnung, dass das Gesetz noch 2026 verabschiedet wird. Vorerst ist es aber ein Wunschfahrplan und kein feststehender Termin.

Doch auch wenn viele Eier noch ungelegt sind, könnte ausgerechnet Trumps Unterstützung am Ende der entscheidende Schritt gewesen sein, um einen jahrelangen Wunsch der Filmindustrie plötzlich umzusetzen. Ob Donald Trump Hollywood damit tatsächlich „rettet“ und dann wirklich mehr Produktionen wieder in den USA drehen, ist natürlich eine andere Frage. Doch es scheint so, dass der Präsident, der jahrelang gegen Hollywood und seine Stars wetterte, zumindest den Weg dafür bereitet.

Die Filmstudios selbst müssen derweil mit Inhalten weiter relevant bleiben. Unter anderem Videospieladaptionen stehen dabei gerade im Fokus. Details zu einer neuen Ankündigung gibt es im folgenden Artikel:

Von den "Resident Evil"-Machern: Letztes Jahr erschienen, jetzt steht die Verfilmung fest – Sci-Fi-Videospiel schafft es auch ins Kino!

Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Rund zwei Jahrzehnte war Björn Becher auch als zugelassener Rechtsanwalt tätig und interessiert sich daher für alle Filmthemen mit Jura-Bezug – von Justizfilmen über Fragen des Jugendschutzes bis hin Hollywoods Branchenprozessen.
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