Ausgerechnet der wichtigste Marvel-Film seit Jahren entstand ohne fertiges Drehbuch – das steckt dahinter

„Avengers: Doomsday“ wird ein Schlüsselfilm für Marvel. Umso erstaunlicher ist es, dass die Dreharbeiten zum gigantischen MCU-Blockbuster ohne fertiges Drehbuch begannen. Doch die Regisseure sehen das entspannt.

Disney und seine verbundenen Unternehmen

Das MCU hat einige schwierigere Jahre hinter sich. Doch 2026 soll die große Wende bringen. „Spider-Man: Brand New Day“ eilt schon mal von Kassenrekord zu Kassenrekord und hat gezeigt, dass es nicht wirklich eine generelle Superheldenmüdigkeit gibt. Viel wichtiger für Marvel werden jedoch „Avengers: Doomsday“ und „Avengers: Secret Wars“, denn bei diesen Filmen geht es um weit mehr als nur starke Kinozahlen. Beide Titel haben die Aufgabe, das bisherige Kapitel zu beenden und ein neues aufzuschlagen, das den Erfolg des MCU für die kommenden Jahre sichert.

Dafür fährt Marvel so ziemlich alles auf, was das Franchise zu bieten hat: die alten Avengers kehren zurück, treffen auf die Fantastic Four, die alten X-Men aus einer anderen Kino-Ära und natürlich auch auf die New Avengers, die die Zukunft bilden sollen. Dazu ist sogar Robert Downey Jr. wieder dabei, wobei er jetzt Bösewicht Doctor Doom verkörpert. Zudem wurden nach jahrelanger, problematischer Entwicklung und einigen Personalwechseln Joe und Anthony Russo erneut als Regisseure verpflichtet, obwohl die Macher von u. a. „Infinity War“ und „Endgame“ sich eigentlich schon vom MCU verabschiedet hatten.

Doch ausgerechnet bei diesem für Marvel so wichtigen Mega-Blockbuster stand zu Beginn der Dreharbeiten noch gar nicht endgültig fest, was genau vor der Kamera passieren würde. Was schon länger kein Geheimnis in der Branche ist, bestätigten die Russo-Brüder jetzt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press ausdrücklich. „Avengers: Doomsday“ ging mit einem noch nicht fertiggestellten Drehbuch in Produktion. Was bei einem Film dieser Größenordnung eigentlich alarmierend klingt, ist für die Regisseure allerdings weniger außergewöhnlich, als man denken könnte.

Für die Russos ist ein Drehbuch ein "lebender Organismus"

Die Russos sehen sich selbst als Regisseure, die stark mit Improvisation und ausführlichen Proben am Set arbeiten. „Wir wollen sehen, was die Schauspieler*innen selbst zu den Figuren bringen. Doch manchmal bekommst du sie erst wenige Tage oder wenige Wochen, bevor du mit ihnen drehst. Das ist die Zeit, in der die Magie entsteht“, erklärt Joe Russo den Ansatz, auf den sie schon bei Comedy-Serien wie „Arrested Development“ und „Community“ setzten.

„Wir betrachten das Drehbuch immer als einen lebenden Organismus“, beschreibt Russo die Herangehensweise, bei der einzelne Szenen, Dialoge und offenbar auch größere Elemente erst während der Produktion entstehen.

Für den Cast ist das nicht immer einfach. Mystique-Darstellerin Rebecca Romijn plauderte bei einem öffentlichen Auftritt während der „Doomsday“-Dreharbeiten aus, dass es kein fertiges Skript gebe. Dadurch wisse sie nicht einmal, ob sie ihre Szenen schon alle gedreht habe. Später machten Meldungen die Runde, dass durchgehend ein Drehbuchautor am „Doomsday“-Set anwesend war, um das Skript weiterzuschreiben und Szenen anzupassen oder neu zu entwickeln.

"Avengers: Doomsday" musste ohnehin komplett umgebaut werden

Dass der Dreh von „Avengers: Doomsday“ ohne komplettes Drehbuch begonnen wurde, mag manchen Fans Sorgenfalten auf die Stirn treiben, muss aber nicht unbedingt ein Qualitätsmalus sein. Es gibt einfach unterschiedliche Arbeitsweisen. James Gunn von Marvel-Konkurrent DC erklärte zum Beispiel, dass in seiner Firma Projekte nur grünes Licht bekommen, wenn das Skript komplett fertig ist. Vor Fehlschlägen wie „Supergirl“, wo zwar ein fertiges Drehbuch vorlag, der Film im Schnitt aber mehrfach geändert wurde, bewahrt das allerdings nicht. Gleichzeitig gibt es berühmte Gegenbeispiele wie „Der weiße Hai“, der zum Meisterwerk wurde, obwohl die Beteiligten die nötigen Seiten für den nächsten Drehtag regelmäßig erst in der Nacht davor schrieben.

Bei „Avengers: Doomsday“ war der Verzicht auf ein fertiges Drehbuch sicher nicht die Ideallösung, aber wahrscheinlich der Grund, warum Joe und Anthony Russo, die mit solchen Situationen gut zurechtkommen, den Job bekommen haben. Der fünfte „Avengers“-Film hat bekanntlich eine besonders turbulente Entstehungsgeschichte hinter sich. Ursprünglich sollte das große MCU-Crossover noch „Avengers: The Kang Dynasty“ heißen und Jonathan Majors' Kang als zentralen Gegenspieler in den Mittelpunkt rücken. Die grundlegende Neuausrichtung nach dessen Entlassung und dem Comeback von Downey Jr. sorgte dafür, dass die Dreharbeiten begannen, während am Skript noch gearbeitet wurde.

Die Russos stürzen sich derweil gerade ins nächste Abenteuer. Sie bereiten aktuell den Dreh zu „Avengers: Secret Wars“ vor, der in Kürze beginnen soll. Wir erfahren dagegen erst einmal, ob die ungewöhnliche Arbeitsweise am Ende tatsächlich jene von Joe Russo beschworene Magie hervorbringt. Avengers: Doomsday“ startet am 16. Dezember 2026 in den deutschen Kinos. Nachfolgend haben wir den Trailer für euch:

Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren