Nachdem die Fortsetzungen immer gewaltiger wurden und mit „Ballerina“ schließlich sogar noch ein Spin-off hinzukam, vergisst man leicht, dass das „John Wick“-Franchise vergleichsweise bescheiden begonnen hat. Keanu Reeves rächt sich für seinen toten Hund – und bei einem Budget von nur 20 Millionen Dollar hätte „John Wick“ statt als Leinwandhit auch leicht als gehobener Streaming-Stoff enden können. Der Rest ist Kinogeschichte – mit einem weltweiten Gesamtumsatz von inzwischen mehr als 1,17 Milliarden Dollar!
Allerdings hat dabei einer der bedeutendsten Kinomärkte der Welt bislang erstaunlich wenig beigetragen – aber das hat einen simplen Grund: In China sind bislang nur „John Wick 4“ (ca. neun Millionen Dollar) und „Ballerina“ (ca. sieben Millionen Dollar) in den Kinos gestartet. Und die schwachen Ergebnisse ergeben ja durchaus Sinn: Wer will schon einen vierten Teil gucken, wenn er die ersten drei nicht zu sehen bekommt?
Erst zu brutal – und dann kommt noch die Politik dazu
2014 entschied zunächst der chinesische Rechteinhaber Huayi Bros. von „John Wick“, dass der Film zu brutal für das heimische Kinopublikum sei. Nach dem globalen Erfolg kam es zwar 2015 zu einem Umdenken, aber da machten dann die chinesischen Zensurbehörden dem Kinostart einen Strich durch die Rechnung – und 2022 wurden sogar zwischenzeitlich alle Keanu-Reeves-Filme in China von den Streaming-Plattformen verbannt, nachdem der „Matrix“-Star an einem Benefizkonzert zugunsten Tibets teilgenommen hatte.
Nach den So-la-la-Ergebnissen von „John Wick 4“ und „Ballerina“ ist der Originalfilm am vergangenen Wochenende mit zwölf Jahren Verspätung doch noch regulär in den chinesischen Kinos gestartet – und hat sich dort überraschend gut geschlagen: Zwar kamen am ersten Wochenende „nur“ 2,3 Millionen Dollar zusammen, aber erstens ist das für einen solchen Quasi-Klassiker (selbst wenn er bislang noch nicht zu sehen war) ohnehin ein überzeugendes Ergebnis, und zum anderen hat es sogar für einen starken dritten Platz in den chinesischen Kinocharts gereicht.
Nur der Anfang?
Damit stehen die Chancen also gut, dass das chinesische Publikum die weiterhin fehlenden Teile „John Wick 2“ und „John Wick 3“ in absehbarer Zeit ebenfalls noch nachgeliefert bekommt. An der Spitze der Charts hat sich unterdessen nichts verändert: Zum vierten Mal in Folge thront dort Zach Creggers „Resident Evil“-Reboot (das Franchise ist in China traditionell wahnsinnig beliebt).
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