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    Warum "Halloween Ends" noch nicht das Ende ist: Wir sprechen mit dem Macher von "Halloween Kills", "Sinister" & "The Purge"
    22.10.2021 um 16:00
    Tobias Mayer
    Tobias Mayer
    -Redakteur
    Tobias hat die ganze Reihe geschaut, von „Halloween“ (1978) bis „Halloween Kills“ (2021), was angesichts bestimmter Teile schon eine Leistung für sich ist.

    Kein anderer Produzent von Horrorfilmen steht so gut im Geschäft wie Jason Blum. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie es mit der „Halloween“-Reihe weitergeht – und was eigentlich der am wenigsten gruseligste Horrorfilm ist, den er kennt.

    Universal Studios. All Rights Reserved.

    Als Jason Blum Ende der Neunziger für Miramax Films arbeitete, schlug er den Kauf eines kleinen, super günstig produzierten Horrorfilms namens „Blair Witch Project“ aus – der zu einem Hit werden und eine ganze Welle anderer Found-Footage-Filme nach sich ziehen sollte. Womöglich hat ihn gerade dieser Fehler besonders dafür sensibilisiert, Horror-Hits zu erkennen...

    ... denn als Chef seiner im Jahr 2000 gegründeten Produktionsfirma Blumhouse Productions bewiesen er und sein Team mehrfach den richtigen Riecher. Als Produzent verantwortet Jason Blum u. a. das „Paranormal Activity“-Franchise, den Oscarfilm „Get Out“, die „Purge“-Reihe – und die von David Gordon Green inszenierte neuen Fortsetzung des John-Carpenter-Klassikers „Halloween“.

    Blumhouse-Filme werden günstig produziert, damit sie bei Erfolg besonders profitabel sind und bei Misserfolg nicht das ganze Studio in den Abgrund reißen. Wir konnten mit Jason Blum also über das Geschäft reden und über das unendliche „Halloween“-Franchise – aber los ging es erst mal mit einer ganz persönlichen Frage...

    FILMSTARTS: Jason, ich liebe Horrorfilme, aber meine Freundin hasst dieses Genre sehr...

    Jason Blum: Oh oh, das ist nicht gut. Sprich' mit mir, ich kann helfen.

    FILMSTARTS: Kann ich sie irgendwie davon überzeugen, dass Horrofilme das beste Filmgenre der Welt sind?

    Jason Blum: Ja. Du musst wie folgt anfangen: Wenn sie schläft, musst du einen Horrorfilm anmachen, und zwar im Loop und mit sehr leisem Ton. So leiten wir die Sache ein. Wichtig ist: Der Film muss wirklich leise sein. Damit wird sie ganz entspannt in die Welt des Horrors eingeführt. Wenn du das eine Woche lang gemacht hast, garantiere ich dir, dass sie bereit ist, „Halloween“ zu schauen. (lacht)

    FILMSTARTS: Alles klar, das werde ich sehr bald probieren und mich dann wieder bei dir melden. Jetzt zu was anderem: Wenn es um berühmte Filmkiller geht, kennst du dich ja aus. Warum glaubst du ist Michael Myers so einzigartig, zum Beispiel verglichen mit Jason Voorhees?

    Jason Blum: Ich glaube, Michael Myers Einzigartigkeit geht auf den Zeitdruck zurück, den John Carpenter hatte, als er die Figur erschuf. Er hat das Böse dabei einfach auf seine purste Form reduziert. Michael Myers ist der Grund, warum das „Halloween“-Franchise seit so vielen Jahren existiert. Für mich ist „Halloween“ das „James Bond“ der Horror-Reihen. Daher gibt es hier die meisten Fortsetzungen, verglichen mit allen anderen Horror-Franchises.

    FILMSTARTS: „Halloween Kills“ ist ein sehr grausamer und brutaler Film. David Gordon Green hat mir erzählt, dass er den Film eigentlich subtiler anlegen wollte, sich aber einfach nicht zurückhalten konnte. Ich weiß, dass deine Regisseure die volle kreative Kontrolle bekommen, aber gab es vielleicht trotzdem eine Situation, in der du eingeschritten bist und so was gesagt hast wie: „Nein, David, das ist zu grausam, das können wir einfach nicht machen!“

    Jason Blum: Ich habe so was tatsächlich schon mal gemacht, mit einem anderen Regisseur bei einem anderen Film, aber nicht mit David. Leute, die sich einen „Halloween“-Film anschauen, wollen sehen, wie Michael Myers Menschen tötet. Ich habe also nicht von David verlangt, den Film zahmer zu machen. Er sollte ein R-Rating bekommen (die zweithöchste Altersfreigabe in den USA), davon abgesehen gab es jedoch keine Vorgabe.

    3 neue "Halloween"-Filme und kein Ende in Sicht

    FILMSTARTS: War es deine Idee, gleich drei neue „Halloween“-Film zu machen, oder war das die Idee von Regisseur David Gordon Green?

    Jason Blum: Es war meine Idee. Ich dachte mir, eine Trilogie wäre eine coole Idee. Allerdings mussten wir den ersten gut hinbekommen, andernfalls hätten wir garantiert keine drei Filme gemacht. David hat aber bei dem ersten einfach so gute Arbeit geleistet. Das hat uns erlaubt, Nummer 2 und Nummer 3 zu machen.

    FILMSTARTS: Aber lass' uns ehrlich sein: Wenn es um ikonische Horror-Franchises geht, gibt es kein wirkliches Ende. Warum also heißt der nächste Film „Halloween Ends“?

    Jason Blum: Du hast vollkommen recht. Ich hoffe natürlich, dass es anschließend noch weitergeht, „Halloween Ends“ ist einfach nur das Ende dieser neuen Trilogie.

    Der am wenigsten gruselige Horrorfilm

    FILMSTARTS: Kürzlich hast du gesagt, dass der erste „Freitag der 13“ der furchterregendste Horrorfilm ist, den du jemals geschaut hast. Was ist der am wenigsten gruselige?

    Jason Blum (lacht): „Freitag der 13.“ war nicht der furchterregendste Film, aber ich hatte nie so viel Angst, wie bei diesem, da ich damals zu jung war. Was der am wenigsten furchterregendste Film für mich war? Da muss ich nachdenken... das ist übrigens eine großartige Frage...

    FILMSTARTS: Es ist vor allem eine gemeine Frage, ich weiß.

    Jason Blum: Es ist eine gemeine Frage. Die Antwort lautet: „Hotel Transsilvanien“ (lacht).

    FILMSTARTS: Alle wissen – oder glauben, zu wissen – worin die Aufgabe des Regisseurs bei einem Horrorfilm besteht. Aber was tut eigentlich ein Horrorfilm-Produzent?

    Jason Blum: Jeder Produzent legt seinen Job anders aus. Ich kann dir sagen, was ich mache: Das Wichtigste dabei ist, dass du „Halloween“ magst und Horrorfilme und Verkleidungen. Heute Nacht ist die Premiere von „Halloween Kills“ im Chinese Theatre in Hollywood, dort werden wir alle kostümiert erscheinen. Das war meine Idee. Außerdem musst du als Horror-Produzent einen Sinn für Humor haben. Wir versuchen in unserer Community, die Dinge nicht zu ernst zu nehmen. Und die dritte wichtige Sache ist, dass du einen guten Geschmack hast.

    FILMSTARTS: Wie hast du diesen Beruf eigentlich erlernt? Man kann sicherlich keinen Uni-Abschluss im Produzieren von Horrorfilmen machen, oder?

    Jason Blum: Ich weiß es nicht, vielleicht aber kannst du so einen Abschluss ehrenhalber bekommen, wenn du bei Blumhouse arbeitest. Du brauchst einfach Übung. Je mehr Filme wir machen, desto besser werden wir.

    FILMSTARTS: Wenn ich mir deine IMDb-Seite anschaue, stehen da etwa 35 kommende Projekte, bei denen du als Produzent involviert bist. Wie sieht deine tägliche Arbeitsroutine aus und schläfst du eine oder zwei Stunden pro Woche?

    Jason Blum: Bei Blumhouse arbeiten 100 Menschen. Ich bin also zum Glück nicht der einzige, der diese Filme produziert. Außerdem lehne ich die verrückte amerikanische Arbeitsmoral ab, 15 Stunden pro Tag zu arbeiten. Ich orientiere mich da eher am europäischen Modell der Arbeitswoche. Ich arbeite acht oder neun Stunden pro Tag, ich mache viele Urlaube, ich bekomme viel Schlaf und genau deswegen bin ich so produktiv. Viel produktiver als Kollegen von mir, die 15 Stunden pro Tag arbeiten, nicht schlafen und sehr schlechte Laune haben.

    2021 Universal Studios. All Rights Reserved.
    Hat sehr schlechte Laune in "Halloween Kills": Allyson (Andi Matichak)
    Was ist eigentlich mit einem neuen "Freitag der 13."?

    FILMSTARTS: Viele Horror-Fans wollen einen neuen „Freitag der 13.“-Film sehen. Kannst du uns dazu irgendetwas Neues sagen?

    Jason Blum: Nein, wir produzieren diesen Film ja derzeit nicht. Ich habe in Interviews aber gesagt, dass ich ihn gerne produzieren würde und ich versuche es hinzubekommen, doch Stand jetzt habe ich die Rechte nicht und keinen Plan. Es ist derzeit nur ein Traum – aber manchmal erfüllen sich meine Träume.

    FILMSTARTS: Was denkst du als Produzent von Horrorfilmen über die gegenwärtige Veränderung im Filmgeschäft? Ist der Aufstieg der Streamingdienste und das Ende des exklusiven Kinofensters ein Vorteil oder ein Nachteil?

    Jason Blum: Beides. Die Vorteile sind, dass Konsumenten mehr Zugang zu Inhalten bekommen. Menschen in den USA lernen zum Beispiel endlich, Untertitel zu lesen. Das ist eine großartige Sache, für die wir nur hundert Jahre gebraucht haben. Ein Nachteil ist aber zum Beispiel: Nichts hat einen so großen Einfluss auf die Kultur wie ein weltweiter Kinostart. Und ich hoffe, dass so etwas weiterhin möglich sein wird. Die Filme, an denen wir gearbeitet haben, fühlen sich damit besonderer und einzigartiger an, als wenn sie als Stream erscheinen. Ich versuche jedoch, nicht zu sehr darüber nachzudenken. Es passiert, daran können wir nichts ändern. Wir müssen uns anpassen.

    „Halloween Kills“ läuft seit dem 21. Oktober 2021 in den deutschen Kinos. Wenn ihr diesen und andere wichtige Neustarts, egal ob Kino, Streaming oder Heimkino, auf gar keinen Fall verpassen wollt, dann abonniert unseren kostenlosen Newsletter, der jeden Donnerstag erscheint.

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