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    Kiss & Kill
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Kiss & Kill
    Von Carsten Baumgardt
    Ashton Kutcher steht für einiges. Der Ladies Man verkauft auf Werbeplakaten Unterwäsche und twittert sich mit Ehefrau Demi Moore die Finger wund, bis ihm fünf Millionen Fans folgen. Er gewinnt Teen-Choice-Awards wie er Nominierungen für die Goldene Himbeere kassiert und weiß Antworten auf Fragen wie „Ey Mann - Wo is' mein Auto?". Aber Ashton Kutcher als eiskalter Profikiller? Willkommen bei einem von vielen Problemen der romantischen Action-Komödie „Kiss & Kill". Robert Luketics Film, der von einem Großteil der US-Presse böse niedergeprügelt wurde, ist gewiss nicht sonderlich gut, aber unterhält als krude Mischung aus „Mr. and Mrs. Smith", „True Lies" und „Meine Braut, ihr Vater und ich" immerhin einigermaßen.

    Wieder einmal ist Jen Kornfeldt (Katherine Heigl) nach einer gescheiterten Beziehung bitter enttäuscht auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Sie will immer alles kontrollieren, aber das passt dem jeweiligen Partner naturgemäß kaum. Die junge Frau plant, den Männern abzuschwören. Aber ihre guten Vorsätze halten nur solange, bis sie im Südfrankreich-Urlaub mit ihren Eltern (Tom Selleck, Catherine O'Hara) dem braungebrannten und durchtrainierten Beau Spencer Aimes (Ashton Kutcher) über den Weg läuft. Dann geht alles ganz schnell. Sie verlieben sich, heiraten und leben den amerikanischen Vorstadt-Traum in der Provinz Georgias. Eine Kleinigkeit hat Spencer seiner Liebsten jedoch drei Jahre lang hartnäckig verschwiegen: seine wahre Profession. Er verdingt sich nämlich als internationaler Top-Spion und Killer, der bereits 15 Menschen (natürlich nur böse) getötet hat. Allerdings ist Spencer inzwischen aus der Branche ausgestiegen, was bei seinen Berufsgenossen aber auf wenig Gegenliebe stößt. Ein Auftragskiller nach dem anderen fällt an Spencers 30. Geburtstag in die Idylle des Paares ein und trachtet den beiden nach dem Leben. Jen ist schockiert, muss sich aber schnell mit der neuen Situation arrangieren. Denn auch wenn sie ihrem Mann am liebsten in den Allerwertesten treten würde, erscheint von Kugeln durchsiebt zu werden auch nicht gerade als erstrebenswerte Alternative...

    Die romantische Action-Komödie ist wieder auf dem Vormarsch. In „Der Kautions-Cop" versucht Gerard Butler die süße Jennifer Aniston einzubuchten, während Cameron Diaz sich in „Knight And Day" weigert, Tom Cruises Status als Supergeheimagent anzuerkennen - bevor sich die Paare beim Happy End schließlich den Armen liegen. Romantik, Spannung und Action... Gleich drei Wünsche auf einmal? Aber dieses Dreigestirn ist gewiss kein Triumvirat. Vielmehr stehen sich die Elemente oft gegenseitig im Weg. Das bremste schon den „Kautions-Cop" aus und hemmt nun auch „Kiss & Kill". Für sich genommen funktionieren die verschiedenen Teile ganz ordentlich. Ashton Kutcher („The Butterfly Effect", „Valentinstag") und Katherine Heigl („Beim ersten Mal", „Grey's Anatomy") geben ein passables romantisches Pärchen ab. Tom Selleck („Magnum", „In & Out") sorgt als übervorsichtiger Aufpasser-Vater für einige komische Einlagen, nur Catherine O'Hara („Away We Go", „Penelope") fällt deplatziert aus der Rolle. Als Mutter ist sie ständig besoffen, was als komischer Running Gag herhalten soll, aber nicht wirklich lustig, sondern eher traurig ist. Heigls Charakter scheint zwar direkt aus ihrem vorherigen, ebenfalls von Robert Luketic inszenierten Projekt „Die nackte Wahrheit" importiert worden zu sein, aber diesmal nervt ihr Kontrolltick weit weniger als im Clinch mit Gerard Butler. Und der romantische Aspekt steht Kutcher wesentlich besser zu Gesicht als seine Auftritte als brutaler Killer mit Herz. Diese Nummer nimmt man ihm partout nicht ab.

    Die Postkartenmotive zum Auftakt im malerischen Nizza machen schon etwas her und Kutchers Einführung in James-Bond-Manier hat bei wohlwollender Betrachtung sogar etwas Ironisches. Doch kippt „Kiss & Kill" dann erst einmal in seine Agenten-Killer-Mär, geht's schnell bergab. Zu aberwitzig ist das Spektakel, das Luketic im Regie-Autopilotmodus abzieht. Selbst der kleinste Hauch von Glaubwürdigkeit kommt dem Film abhanden, stattdessen havariert er im puren Nonsens. Die sich bietenden Möglichkeiten, die Kleinstadt-Idylle satirisch aufs Korn zu nehmen, lässt Luketic ebenso ungenutzt passieren, wie die Chance, über gepfefferte Dialoge Würze beizumengen. Der separierte Actionteil, der nach einer Dreiviertelstunde so richtig ins Rollen kommt, erdrückt die zuvor etablierte Romantik und geht stur seines Weges. Kutcher und Heigl werden von Nachbarn, die sich im Dutzend billiger als Auftragsmörder entpuppen, gehetzt... kurzum: „Kiss & Kill" rummst und kracht gehörig, ohne sich aber emotional beim Publikum Gehör zu verschaffen – zu beliebig und einfallslos ist die Hatz im Kugelhagel.

    Fazit: Romantik, Comedy und Action in Einklang zu bringen, ist eine Kunst, die Regisseur Robert Luketic nicht beherrscht. „Kiss & Kill" ist als bloßes Stückwerk gerade noch akzeptabel, überzeugt in seiner Gesamtheit aber kaum. Mit dem Einsatz eines MacGuffins (die aus allen Ecken auftauchenden Killer) zitiert Luketic sogar Altmeister Alfred Hitchcock. Der wiederum ist einer der wenigen, der die romantische Thriller-Komödie einmal wirklich in den Griff bekommen hat... doch von Hitchcocks „Über den Dächern von Nizza" ist „Kiss & Kill" weit entfernt.
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