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Beilight - Biss zum Abendbrot
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Beilight - Biss zum Abendbrot
Von
Okay, mit den Parodie-Pannen „Date Movie", „Fantastic Movie", „Meine Frau, die Spartaner und ich" und „Disaster Movie" hat das Duo Jason Friedberg und Aaron Seltzer neben Uwe Boll so ziemlich die abschreckendste Filmographie aller aktiven Regisseure vorzuweisen. Aber trotzdem: Was soll bei einer Parodie der „Twilight"-Reihe schon schiefgehen? Eine verstockte Mormonin schreibt über zwei Teenager, die drei Bücher hindurch in aller erlahmender Ausführlichkeit darüber diskutieren, ob sie nun gemeinsam in die Kiste springen sollen oder nicht. Dazu gibt es um die Hauptdarsteller Kristen Stewart und Robert Pattinson einen absurden Starkult, der selbst die Kreischkonzerte bei einem Auftritt von Tokio Hotel noch in den Schatten stellt. Mehr Steilvorlagen gab es selten für eine Filmverlade. Aber da haben die „Twilight"-Hasser die Rechnung ohne das Unvermögen der Regisseure gemacht. Trotz der dankbaren Vorlage kommen Friedberg und Seltzer in „Beilight – Biss zum Abenbrot" nicht über zwei bis drei annehmbare Pointen hinaus, weshalb bereits der Trailer, der noch die besten Szenen des Films in sich vereint, mit Gurken-Gags gespickt ist.

Der Inhalt stimmt mehr oder weniger mit dem von „Twilight – Biss zum Morgengrauen" und „New Moon - Biss zur Mittagsstunde" überein: Teenagerin Becca Crane (Jenn Proske) zieht zu ihrem Sheriff-Vater Frank (Diedrich Bader, „Balls of Fury") nach Sporks, Washington. Doch irgendetwas geht in diesem beschaulichen Städtchen nicht mit rechten Dingen zu. Jacob White (Chris Riggi), ein netter Junge von nebenan, entpuppt sich als ungewöhnlich behaart und jagt andauernd der Nachbarskatze hinterher. Und ihr sexy-kreidebleicher Mitschüler Edward (Matt Lanter) ist übermenschlich schnell und funkelt merkwürdig, wenn er sich die Kleider vom Körper reißt. Außerdem macht Becca bald die unerfreuliche Bekanntschaft eines Vampir-Trios, das optisch stark an die Black Eyed Peas erinnert...


Es gibt zwei Arten von Parodien. Entweder schaut man sich die Eigenheiten des Originals aus und überzieht diese ins Absurde, wie es etwa die Pro-7-Comedy-Show „Switch: Reloaded" allwöchentlich zelebriert. Oder man ist einfach nur hemmungslos albern, wie es das Trio David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" oder „Top Secret" auf die Spitze getrieben hat. „Beilight – Biss zum Abendbrot" gelingt hingegen nichts von beidem. Wenn Becca plötzlich in Strapsen auf Edward herumhüpft und nach ausgefallenen Sexspielchen lechzt, dann wird schnell klar, dass die Macher gar nicht verstanden haben, warum „Twilight" eigentlich eine solch dankbare Vorlage ist. Statt die Prüderie zu übertreiben und Becca zum Beispiel etliche Keuschheitsgürtel umzuschnallen, machen sie einfach einen auf „Girls Gone Wild", was mit Stephenie Meyer in etwa so viel zu tun hat wie Mutter Theresa mit einer Orgie am Hofe von Kaiser Caligula. Außerdem gibt es etliche Szenen, in denen einfach nur ein Moment aus der „Twilight"-Saga eins-zu-eins nachgespielt wird. Nun könnte man sagen, dass die Reihe schon in sich eine Verarsche sei, die keiner weiteren Überhöhung bedarf, aber solche Füll-Szenen haben in einer Parodie natürlich dennoch nichts verloren – erst Recht, wenn sie gerade so eben die 70-Minuten-Marke übertrifft.

Was die Besetzung angeht, bleiben Friedberg und Seltzer ihrer Linie treu und setzen auf Darsteller, die ihren Vorbildern möglichst ähnlich sehen. Außer einem gewissen Wiedererkennungswert ist mit diesem Vorgehen aber natürlich wenig gewonnen. Zumindest Newcomerin Jenn Proske gelingt es hier und da, die Manierismen von Kristen Stewart, die stets spielt, als würden alle Probleme dieser Welt allein auf ihren Schultern lasten, zu kopieren. Das erreicht zwar kein „Switch: Reloaded"-Niveau, ist aber ganz okay. Die anderen Darsteller versuchen hingegen gar nicht erst, auf die Eigenheiten der Originale einzugehen. Matt Lenter („Schön bis in den Tod", „90210") verlässt sich als Edward allein auf Unmengen von Haarspray und weißer Schminke, während sich der Humorhorizont von Chris Riggi („Gossip Girl") als Jacob darauf beschränkt, dass er wie Taylor Lautner ständig mit freiem Oberkörper herumläuft – wobei das penetrante Six-Pack-in-die-Kamera-Halten gerade in „New Moon" eigentlich schon viel lustiger war als nun in „Beilight – Biss zum Abendbrot".

Fazit: Das gab es noch nie. Wo sich die heimischen Verleiher in Sachen dämlicher Titelschöpfungen normalerweise gegenseitig übertrumpfen, ist der deutsche Titel „Beilight: Biss zum Abendbrot" noch mit Abstand das Beste an dieser unterirdischen Möchtegern-Parodie.
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