Onslaught
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Onslaught

Terminator trifft die Universal Soldiers – aber als superbrutale Slasher-Hommage!

Von Pascal Reis

Inzwischen erscheint es beinahe wie ein ungeschriebenes Gesetz: Liefert ein Indie-Regisseur einen Publikums- oder Kritikerhit ab, ist der Ruf des großen Blockbuster-Kinos meist nicht weit. Irgendwann zieht es die meisten dann aber doch wieder zurück zu ihren Wurzeln – weg von rigiden Studioauflagen, hin zur eigenen künstlerischen DNA. Auch Adam Wingard hat diese Reise hinter sich. Vor allem mit „You‘re Next“ und „The Guest“ schuf er moderne Genre-Kultfilme, nur um sich nach mittelgroßen Projekten wie den Remakes „Blair Witch“ und „Death Note“ schließlich mit „Godzilla vs. Kong“ sowie der Fortsetzung „Godzilla x Kong: The New Empire“ ins schwergewichtige Spektakelkino zu verabschieden.

Mit „Onslaught“ backt Adam Wingard nun wieder kleinere, dafür aber umso blutgetränktere Brötchen – und schließt damit zugleich eine Trilogie ab, die der neue Film gemeinsam mit „You're Next“ und „The Guest“ bilden soll. Größere inhaltliche Überschneidungen sollte man dabei abseits der Erwähnung obskurer Militärexperimente allerdings nicht erwarten. Die Verwandtschaft der drei Titel ist vielmehr spiritueller Natur: Sie alle zollen mit großer Leidenschaft jenem Horror- und Action-Kino der 1970er- und 1980er-Jahre Tribut, das weniger um feine Zwischentöne als um Atmosphäre und Exzess bemüht war. Auch „Onslaught“ reiht sich hier nahtlos ein – und besticht vor allem durch ein Sounddesign, das ab der ersten Minute so richtig scheppert.

Um Celeste (Adria Arjona) das Leben so richtig schwerzumachen, braucht es nicht nur eine, sondern gleich drei Killermaschinen! Plaion Pictures
Um Celeste (Adria Arjona) das Leben so richtig schwerzumachen, braucht es nicht nur eine, sondern gleich drei Killermaschinen!

Nach einem fehlgeschlagenen Militärexperiment zieht eine Einheit genetisch modifizierter Supersoldaten eine Schneise der Verwüstung durch das amerikanische Hinterland. Die drei hochgefährlichen Krieger wurden darauf programmiert, alles und jeden anzugreifen, der ihnen in die Quere kommt. Die ehemalige Scharfschützin Celeste (Adria Arjona) versucht derweil, mit den traumatischen Folgen ihres Auslandseinsatzes klarzukommen. Dass sie trotz allem weiterhin ihre Fähigkeiten trainiert, erweist sich schon bald als lebensrettend.

Denn die drei Supersoldaten nehmen ausgerechnet Kurs auf die abgelegene Wohnwagensiedlung, in der Celeste inzwischen lebt. Als die Gefahr unmittelbar vor ihrer Haustür steht, muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen und all ihre tödlichen Fähigkeiten einsetzen, um sich und ihre Tochter Daisy (Blake Kennedy) zu schützen. Es beginnt ein erbarmungsloser Kampf ums Überleben …

Burritos isst man mit den Fingern!

Wenn wir Celeste zu Beginn dabei beobachten, wie sie in der Wüste auf Kürbisse ballert und diese in tausend Stücke zerfetzen lässt, wackeln direkt die Kinosessel! Jeder Schuss hallt mit urgewaltiger Wucht durch den Saal – zumindest solange sich das Kino traut, den Ton laut Vorgaben aufzudrehen; ansonsten sollte man sich am besten direkt beschweren. Aber selbst das gibt nur einen ersten Vorgeschmack darauf, was uns in „Onslaught“ noch erwartet – vor allem in Sachen kreischenden Kettensägen, röhrenden LKW-Motoren und der – wie von Wingard nicht anders gewohnt – wunderbar flächigen Synthesizer-Arrangements. Bevor „Star Wars“-Heldin Adria Arjona aber in den Sarah-Connor-Gedächtnismodus schaltet, um ihre Tochter zu beschützen, nimmt sich „Onslaught“ zunächst die Zeit, seine Figuren und ihre Lebensrealitäten zu veranschaulichen.

Teilzeitmutter Celeste überlässt den Abwasch auch gerne mal ihrer Tochter, gibt ihr dafür aber die wirklich wichtigen Lektionen fürs Leben mit: Tankstellen-Burritos isst man mit den Fingern, nicht mit Messer und Gabel! Überhaupt geht die Beschreibung dieses in der staubigen Einöde gelegenen Mikrokosmos auf, weil Adam Wingard hier geerdete Töne anschlägt und genau beobachtet. Er zeigt einen Hort von Menschen, die bereits Gewalt erfahren haben, zugleich aber sehr genau wissen, dass sie sich jederzeit auf neue Gefahren einstellen müssen. Celestes zitternde Hände hätten dabei eigentlich keiner weiteren Erklärung bedurft, aber statt darauf zu vertrauen, liefert „Onslaught“ doch lieber eine überstilisierte Schwarz-Weiß-Rückblende auf vergangene Kriegsschrecken.

„Stirb langsam“-Ikone Reginald VelJohnson ist als Vietnamveteran mit von der Partie – und hat natürlich einen vollgepackten Waffenschrank. Plaion Pictures
„Stirb langsam“-Ikone Reginald VelJohnson ist als Vietnamveteran mit von der Partie – und hat natürlich einen vollgepackten Waffenschrank.

An Bodenhaftung und Rhythmusgefühl verliert „Onslaught“ immer dann, wenn er sich den größeren Nebenfiguren zuwendet. Diese sind derart demonstrativ exzentrisch gezeichnet, dass ihre bemüht schräge Art zunehmend ermüdet. Dan Stevens darf nach „Cuckoo“ erneut einen deutschen Mad Scientist geben, diesmal mit Glasauge, Halbglatze und in Weiß gekleidet wie das Oberhaupt einer Sekte. In seiner ersten Szene leckt er zum Frühstück devot die Pantoletten seiner Frau (Rebecca Hall), bevor er zu den Klängen von Karel Gotts „Rot und Schwarz“ in den geheimen Experimentierkomplex aufbricht.

Hier schielt Adam Wingard so unverhohlen in Richtung Kult, dass sich ein unangenehmes Gefühl von postmodernem Pastiche einstellt – als sei man in das Kino der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre zurückversetzt. Ähnlich verhält es sich mit dem abgefeimten Regierungsbeamten Cyrus (Drew Starkey), der von einer BDSM-Party im Kirchen-Setting abgeholt werden muss und anschließend vor allem damit beschäftigt ist, seine Spleenigkeit zur Schau zu stellen. Wenn er sich schließlich eine Flasche Wasser aus einem blutbesudelten Kühlschrank schnappt und sie in einem Zug hinunterstürzt, kippt die vermeintlich schrullige Coolness sogar endgültig ins Peinliche.

Wummerndes Genre-Kino!

„Onslaught“ gefällt hingegen immer dann am besten, wenn er sich Adria Arjona widmet oder die drei blutrünstigen Supersoldaten Butcher (Alex Pereira), Cockroach (Dave Campbell) und Crybaby (Tyler Hall) von der Leine lässt, die sich gnadenlos durch alles metzeln, was sich ihnen in den Weg stellt. Neben einer ersten Demonstration der Killermaschinen, die erwartungsgemäß völlig aus dem Ruder läuft, bleibt vor allem der Überfall des animalischen Dreiergespanns auf eine Tankstelle in Erinnerung. Wingard verzichtet dabei vollständig auf musikalische Untermalung und lässt den Amoklauf allein aus einer Geräuschkulisse des puren Grauens entstehen: wummernde Schüsse, um ihr Leben schreiende Menschen – und ein Hackbeil, das immer wieder auf einen Körper niedersaust.

Hier offenbart „Onslaught“ dann auch ganz lustvoll seine Nähe zum Slasher-Kino und geht dabei sogar eine ganze Ecke weiter als der thematisch vergleichbare Action-Reißer „Universal Soldier“, in dem einst Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren als reanimierte Supersoldaten in den Anti-Terror-Kampf geschickt wurden. Wenn die drei Killermaschinen schließlich im Trailerpark eintreffen, inszeniert Wingard sie mit der brachialen Rohheit eines Uber Jason aus dem interstellaren „Freitag der 13.“-Gemetzel „Jason X“. Eines seiner offensichtlichen Lieblingsbilder ist dabei das nebelumhüllte Trio, bewaffnet mit Beil, Kettensäge und Gewehr, bereit für das nächste Blutbad. Nur der goldene Schimmer ihrer Augen durchbricht die Dunkelheit.

Die drei Killermaschinen sind bereit, alles und jeden zu zerlegen, der sich ihnen in den Weg stellt. Plaion Pictures
Die drei Killermaschinen sind bereit, alles und jeden zu zerlegen, der sich ihnen in den Weg stellt.

In der letzten halben Stunde konzentriert sich Wingard schließlich so konsequent auf das Wesentliche, dass „Onslaught“ beinahe zur aufs Elementarste zurückgeworfene Genre-Reduktion wird. Der Überlebenskampf von Celeste kommt ohne weitere Sperenzchen aus und wird stattdessen von einer ungemein stimmungsvollen Audiovisualität getragen, die man sich über weite Strecken des Films ähnlich konsequent gewünscht hätte. Zu berstenden Drums und krachenden Riffs wird die Wohnwagensiedlung zu Kleinholz zerlegt. Wenn die massigen Körper der Supersoldaten dabei mit brutaler Wucht durch die dünnen Wände krachen, wirkt jeder Einschlag wie ein Jump Scare.

Fazit: Als Hommage an das Action- und Horrorkino vergangener Dekaden kann „Onslaught“ vor allem dank seines wuchtigen Sounddesigns und seiner kompromisslosen Gewaltmomente als stimmungsvolles Genre-Kino überzeugen. Leider verweilt Adam Wingard zwischendrin zu häufig bei seinen bemüht exzentrisch gezeichneten Nebenfiguren, deren ausgestellte Spleenigkeit nicht nur zunehmend ermüdet, sondern auch den Rhythmus des Films empfindlich ausbremst. So wirkt „Onslaught“ nie rund, sondern eher wie ein leidenschaftliches, wild auseinanderdriftendes Sammelsurium an Ideen.

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