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    Woher weißt du, dass es Liebe ist?
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Woher weißt du, dass es Liebe ist?
    Von Annemarie Havran
    Zu wissen, wann man jemanden wirklich liebt, ist eine der schwierigsten Fragen überhaupt. Da wollen Gefühle abgewogen, das Potenzial der Beziehung analysiert und die Kompatibilität der potentiellen Partner überprüft werden. Letztendlich ist es aber der Bauch / das Herz, der / das zu einem sprechen muss, was in einer Gesellschaft der emotionalen und materiellen Übersättigung nicht immer ganz leicht ist. Sich zu entscheiden, ob man die neue romantische Komödie von „Die Simpsons"-Co-Schöpfer James L. Brooks nun mag oder nicht, ist ähnlich schwierig. Dafür schwankt „Woher weißt du, dass es Liebe ist?" zu unentschlossen zwischen amerikanischem Retro-Flair und finanzkrisenbezogenem Zeitgeist. Stellenweise überladen und langsam erzählt, treffen hier verschiedene Dekaden Hollywood'schen Filmschaffens aufeinander und machen es dem Zuschauer nicht gerade leicht, aus diesem Konglomerat ein eindeutiges Gefühl herauszufiltern. An anderer Stelle begeistert Brooks wiederum mit ausgefeilten Dialogen und glänzend aufgelegten Darstellern. Ein Feel-Good-Movie, das aber so viel mehr sein könnte (und dies auch sein wollte).

    Die Softball-Spielerin Lisa (Reese Witherspoon) wird aufgrund ihres Alters vom Teamchef des Nationalteams (Dean Norris) aufs Abstellgleis geschoben. Die Ausgebootete schlittert daraufhin in eine ausgewachsene Existenzkrise, die sie durch eine überhastete Beziehung mit dem egozentrischen Baseball-Star Matty (Owen Wilson) und einem Blind Date mit dem bodenständigen und herzensguten Manager George (Paul Rudd) zu überspielen versucht. Für wen sie aber echte Gefühle hegt, vermag sie nicht zu erkennen. George wiederum hat seine ganz eigenen Probleme. Er steckt mitten in einem wirtschaftsjuristischen Verfahren fest, das ihm sein eigener Vater (Jack Nicholson) eingebrockt hat. Und Sport-Profi Matty ist sowieso eine Nummer für sich, interpretiert er Monogamie doch recht subjektiv und weist ansonsten einen Hang zur exzessiven Selbstbeweihräucherung auf. Während sich für George die rechtliche Situation zuspitzt und Matty eine ernsthafte Beziehung mit Lisa forciert, sich dabei aber eher unbeholfen anstellt, muss Lisa endgültig entscheiden, welchem der beiden Männer ihr Herz gehört...

    Der bis dato letzte Film von Regisseur James L. Brooks war 2004 die Einwanderer-Komödie „Spanglish" mit Adam Sandler. Die meisten Kinogänger dürften jedoch „Besser geht's nicht" positiver im Gedächtnis behalten haben, schließlich zählt der Film zu den besten Komödien der 90er Jahre und brachte Hauptdarsteller Jack Nicholson bereits den zweiten Oscar unter Brooks‘ Federführung ein (nach einem Nebendarsteller-Oscar für „Zeit der Zärtlichkeit"). Für sein Regiedebüt „Zeit der Zärtlichkeit" 1983 kassierte Brooks selbst den Regie-Oscar und drehte seitdem nur fünf weitere Filme in knapp 20 Jahren. Mit „Woher weißt du, dass es Liebe ist?" ist nun leider kein weiterer großer Wurf hinzugekommen, sondern eher eine durchschnittliche, wenn auch recht charmante Liebeskomödie.

    Und dass es zumindest zum Mittelmaß reicht, ist vor allem dem gut aufgelegten Ensemble zu verdanken, allen voran der bezaubernden Reese Witherspoon (Oscar für „Walk the Line"), die zwischen all den romantischen Gesten und Dialogen nicht vergisst, auch immer wieder auf die Zerrissenheit ihrer Figur als aussortierte Sportlerin zurückzukommen. Ihre Figur lässt sich von beiden Männern nichts vormachen, weshalb sie mehr ist als nur eine nett anzuschauende Projektionsfläche für Männerträume, sie fungiert auch als Identifikationsfigur für das weibliche Publikum. Selten war es in einer romantischen Komödie so unwichtig, für wen sich die Heldin letztendlich entscheidet, Hauptsache, sie bekommt ihr eigenes Leben wieder in den Griff.

    An ihrer Seite karikieren Owen Wilson („Meine Braut, ihr Vater und ich") und Paul Rudd („Trauzeuge gesucht!") ihr Image in gewisser Weise selbst. Matty ist ein überdrehter, selbstverliebter Egoist, der aber zumindest bereit ist, sich für die Frau seiner Träume zu bessern, nur hat er keinen blassen Schimmer, wie zum Teufel er das anstellen soll. Er ist wie ein großes Kind, dessen absurder Vorstellung einer Beziehung nicht Bösartigkeit, sondern bedauernswerte Arglosigkeit zugrundeliegt. Wilson bringt das alles so charmant und aberwitzig überspitzt rüber, dass er trotz allem immer sympathisch bleibt. Ihm gegenüber gibt Paul Rudd den ahnungslosen Stoffel, der unverschuldet in der Misere landet und sich vor Gericht verantworten muss. Dabei guckt er so knuffig aus der Wäsche, dass man ihn gerne adoptieren und mit Haferschleim füttern möchte. Trotzdem würden wir gerne einmal sehen, wie Rudd dieses Besetzungs-Klischee einmal sprengt, vielleicht könnte er dann beweisen, dass er mehr ist als ein Mark Ruffalo ohne Ambitionen. Für die Rolle des George passt Rudd aber wie die Faust aufs Auge, gestaltet er das romantische Hin und Her mit Lisa doch herrlich unbeholfen. Das Potenzial des Plots um Georges Jobverfehlungen, der sich auf die perfiden Methoden des modernen Finanzgeschäfts bezieht, wird jedoch verschenkt. Er ist nur Aufhänger für Georges verwirrtes Auftreten, gewinnt aber nie eine eigenständige Bedeutung.

    Jack Nicholson („Easy Rider"), der hier bereits zum vierten Mal mit Regisseur James L. Brooks zusammenarbeitet, überstrahlt trotz seiner Besetzung in einer Nebenrolle wie gewohnt alles. Es ist ein herrlicher Running Gag, dass sich der von ihm gespielte Choleriker Charles Madison ständig in Zurückhaltung versucht, was aber nur mäßig erfolgreich ist und in einem explosiven Minenspiel und ständig schwankenden Laustärken mündet. Nicholson nimmt sich nicht wirklich zurück, sondern spielt es nur und erntet so in nahezu jeder seiner Szenen einen Lacher.

    Doch die überzeugenden Darsteller und die oft geschliffenen Dialoge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Handlung seltsam altmodisch und im Erzähltempo doch arg langsam daherkommt. Das verkopfte Diskutieren über Lebensentwürfe und Liebesansichten passt nicht recht zur luftig-lockeren Atmosphäre des Films. Ein wenig realitätsfern scheint auch das Konzept, Gefühle nur über Gespräche auszuloten, weshalb Lisa und George etwa tiefe Liebesgeständnisse austauschen, ohne sich zuvor auch nur einmal geküsst zu haben. Zu sehr orientiert sich Brooks an Screwball-Komödien der 50er Jahre, ohne aber je deren Spritzigkeit zu erreichen.

    Was bleibt, ist eine charmante Komödie, die sich aber leider nicht übers Mittelmaß hinaufschwingen kann. Dafür ist „Woher weißt du, dass es Liebe ist?" eine der wenigen romantischen Komödien, die für Männer und Frauen gleichermaßen sehenswert ist. Ein nostalgischer Kinogenuss, der aber etwas gestelzt und im Vergleich zu modernen Hollywoodkomödien geradezu im Schneckentempo daherkommt.
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