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    Transformers 3
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Transformers 3
    Von Christoph Petersen

    Vor etwas mehr als zwei Wochen hat der Verleih Paramount Pictures ausgewählten Pressevertretern schon einmal eine knappe halbe Stunde aus „Transformers 3" vorgeführt. Unser Chefredakteur Carsten Baumgardt war nach dem Screening ziemlich aus dem Häuschen, wie ihr in seinem Bericht nachlesen könnt. Inzwischen haben wir den kompletten Film gesehen und die Euphorie ist vorsichtiger Enttäuschung gewichen. Wie es sein kann, dass sich die Einschätzungen dabei so sehr unterscheiden, liegt auf der Hand: Michael Bays monumentale Materialschlacht bleibt trotz grandioser Momente bloßes Stückwerk und es fällt mitunter schwer zu glauben, dass einige der Szenen tatsächlich aus ein und demselben Film stammen sollen. Die 157 Minuten fühlen sich an, als würde man sich nacheinander Ausschnitte aus drei verschiedenen Filmen anschauen, die nur bedingt schlüssig aufeinander aufbauen. Das Ergebnis ist paradox: „Transformers 3" ist als Ganzes nur schwer zu verteidigen, aber die besten Szenen daraus muss man unbedingt gesehen haben.

    Sam Witwicky (Shia LaBeouf) hat trotz seines jungen Alters schon zweimal die Welt vor dem Untergang bewahrt. Dafür hat ihm die US-Regierung das College bezahlt und er hat eine Ehrenmedaille von Präsident Barack Obama erhalten. Aber das hilft ihm aktuell auch nicht weiter. Denn während seine superheiße Freundin Carly Miller (Rosie Huntington-Whiteley) Karriere als Assistentin des schleimigen Multimillionärs Dylan Gould (Patrick Dempsey) macht, findet der zweifache Weltenretter einfach keine Anstellung. Da kommt es ihm fast gelegen, dass die Decepticons und ihr Anführer Megatron (Stimme: Hugo Weaving) mal wieder etwas im Schilde führen. Diesmal wollen die Alien-Roboter die Menschheit mit Hilfe eines Artefakts unterjochen, das während des Krieges zwischen Autobots und Decepticons auf dem Mond landete und so das von John F. Kennedy in den 1960er Jahren mit aller Konsequenz vorangetriebene US-Raumfahrtprogramm auslöste...

    Film Nr. 1 - Das Geheimnis um die Mondlandung: Der Auftakt von „Transformers 3" weckt sofort Erinnerungen an die erst vor wenigen Wochen gestartete Marvel-Comic-Verfilmung „X-Men: Erste Entscheidung". Wo dort noch die Kuba-Krise zum Mutantenstadl umgedichtet wurde, erscheint diesmal der Wettlauf zum Mond durch das Hinzufügen einiger cybertronischer Artefakte in einem völlig neuen Licht. Etwa eine Viertelstunde lang vermischt Michael Bay selbstgedrehtes Material mit historischen Originalaufnahmen von Kennedy & Co. - nur um dann nie wieder darauf zurückzukommen: Für den weiteren Fortgang der Handlung ist es vollkommen unerheblich, dass das außerirdische Artefakt ausgerechnet auf dem Mond gelandet ist – weshalb es auch absolut nachvollziehbar und sinnvoll ist, dass der deutsche Verleih den US-Untertitel „The Dark of the Moon" einfach weggelassen hat. Damit stehen die ersten 15 Minuten praktisch für sich alleine, was auch gar nicht weiter schlimm wäre, wenn Regisseur Bay und sein Autor Ehren Kruger („The Ring", „Scream 3") über die verbleibenden 142 Minuten einen kohärenten Plot verfolgen würden. Aber dieser erste große Bruch in der Story ist leider nicht der einzige.

    Film Nr. 2 - „Hangover" mit Robotern: Anschließend dauert es noch einmal eine gute Stunde, also insgesamt mehr als die Hälfte des Films, bis endlich alle Figuren an den Start gebracht und der eigentliche Plot in Gang gesetzt sind. Dabei werden einige der Charaktere wie etwa der zum Bestseller-Autor avancierte Ex-Agent Simmons (John Turturro) extrem umständlich vorgestellt, obwohl auch sie ähnlich wie die Mondverschwörung für die eigentliche Handlung praktisch keine Rolle spielen. Um die lange Zeit bis zum eigentlichen Start des Films zu überbrücken, hat Michael Bay die erste Hälfte von „Transformers 3" mit Sidekicks geradezu zugepflastert. Da gibt es zum Beispiel Sams dauerbrabbelnde Autobot-Haustiere, die den Film mit ihrem Pennälerhumor nur bedingt bereichern. John Malkovich („Con Air") als Sams neuer Chef Bruce, der zwar gelbe Kaffeetassen liebt, aber rote aus tiefstem Herzen verabscheut, macht da schon mehr her, absolviert aber auch nur drei kürzere Auftritte. Vollkommen unpassend ist hingegen der Part von Komiker Ken Jeong, der hier als paranoider Verschwörungstheoretiker Jerry agiert, als sei er immer noch in seiner Rolle als nackter Kofferraum-Chinese Mr. Chow aus „Hangover" unterwegs. Das mag in einigen Szenen sogar lustig sein, doch für den Film ist dieser aus dem Rahmen fallende Anarcho-Humor eher schädlich. Wir reden hier immerhin von einer Story über außerirdische Roboterwesen, die sich in Sekundenschnelle in Sattelschlepper oder Küchenmaschinen verwandeln können: Eine solch absurde Prämisse muss man erst einmal geerdet bekommen - und da hilft es ganz sicher nicht, wenn man seinen Film ohne Not auch noch mit übergeschnappten Asiaten bevölkert. Spannung kommt so zumindest nur selten auf.

    Film Nr. 3 - „Pearl Harbor" in Chicago: Ist das Vorgeplänkel dann endlich überstanden, folgt in der zweiten Hälfte eine monumentale Schlacht um Chicago und der klar bessere Teil des Films. Der für Michael Bay typische Patriotismus-Overkill bekommt dabei erfreulich wenig Platz, auch wenn ein nicht-amerikanisches Publikum in den entsprechenden Momenten dann doch ganz schön schlucken muss (oder man lacht einfach drüber, das funktioniert auch). Die nun im Stakkato aufeinander folgenden Actionszenen sind größtenteils atemberaubend – selbst kürzere Einschübe aus „Transformers 3" würden in einem anderen Film locker als spektakulärer Höhepunkt durchgehen. Vor allem eine Sequenz im x-ten Stock eines Bürohochhauses, in dem sich Sam und seine Army-Kumpels mit einigen Decepticons anlegen, während der ganze Gebäudekomplex in sich zusammenstürzt, pulverisiert alle bisherigen Special-Effects-Standards. Keine Ahnung, wie Bay und seine Leute das hinbekommen haben, aber der Aufwand hat sich definitiv gelohnt. Leider wurde auf die Übergänge zwischen den einzelnen Actionsequenzen weit weniger Sorgfalt verwendet, weshalb die Übersicht über die Zusammenhänge in diesem Schlachtengetümmel schnell verloren geht. Das geht auf Kosten der Spannung und verhindert, dass man neben dem Staunen über das Gezeigte auch mit den Figuren mitfiebert.

    Michael Bay, der spätestens seit „Armageddon" durchaus umstrittene Großmeister des Blockbuster-Bombasts übertrifft sich in dieser Hinsicht nach etwas langwierigem und umständlichem Anlauf also wieder einmal selbst. Spätestens wenn kurzerhand halb Chicago abgeriegelt wird, um es per Effektgewitter genüsslich in Schutt und Asche zu legen, dann ist der Zerstörungszampano Bay ganz bei sich. Darstellerische Meriten gibt es unterdessen angesichts der zusammengeschusterten Handlung und kaum definierter Figuren nicht zu verdienen, aber die alten Franchise-Recken Shia LaBeouf („Indiana Jones 4"), Josh Duhamel („So spielt das Leben") und Tyrese Gibson („Fast & Furious Five") schlagen sich immerhin bewährt uneigennützig durch den Dauer-Showdown, in dem auch die noch am ehesten interessante Nebenfigur des Reihen-Neulings Patrick Dempsey („Grey's Anatomy") einen besonderen Auftritt bekommt.

    Insgesamt liegt „Transformers 3" damit zwar wieder über dem Niveau von „Transformers - Die Rache", reicht aber nicht an den stimmigeren und auch emotional packenderen Reihenauftakt „Transformers" heran. Das liegt auch daran, dass die beiden auffälligsten Neuerungen nur bedingt punkten. Der Wechsel von Megan Fox („Jennifer's Body") zu Rosie Huntington-Whiteley ist im Endeffekt ein Nullsummenspiel – persönliche Geschmäcker einmal beiseite gelassen, wurde hier schlicht eine Hammerbraut durch eine andere Hammerbraut ersetzt, denn auf schauspielerisches Talent kommt es bei diesen Rollen ganz sicher nicht an. Somit ist lediglich der (selbst-)ironischere Umgang von Michael Bay mit seinem eigenen Frauenbild eine merkliche Verbesserung im Vergleich zu den Vorgängern (siehe dazu unser Special: „Megan Fox Vs. Rosie Huntington-Whiteley"). Die andere Neuerung ist der Einsatz der 3D-Technik, der zwar handwerklich vollkommen in Ordnung ist, aber weniger zum Überwältigungseffekt des Films beiträgt als man vorher vielleicht erwartet hätte. Die aktuelle Talfahrt des 3D-Kinos wird so auch „Transformers 3" nicht beenden können, weshalb weiter alle Umschwung-Hoffnungen auf den Regiegroßmeistern Steven Spielberg und Martin Scorsese mit ihren 3D-Projekten „Tim und Struppi - Das Geheimnis der 'Einhorn'" und „Die Entdeckung des Hugo Cabret" lasten.

    Fazit: Gerade in der zweiten Hälfte bietet „Transformers 3" spektakuläre Szenen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Wer in Sachen Story und Charakterentwicklung gerne mal ein Auge zudrückt, sollte sich darum auch nicht von den offensichtlichen erzählerischen Schwächen abschrecken lassen. Aber ein wirklich guter Film ist „Transformers 3" trotz der immer wieder hervorstechenden Schauwerte nicht.

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