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    War Machine
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    War Machine
    Von Gregor Torinus

    Gute (Anti-)Kriegsfilme gibt es viele, aber wirklich gelungene Satiren sind sehr selten. Bis heute unerreicht ist Robert Altmans bitterer „M*A*S*H“ über das wüste Treiben in einem mobilen US-Lazarett im Koreakrieg. Auch nicht von schlechten Eltern ist David O. Russells grotesker, wenige Tage nach der Beendigung des zweiten Golfkriegs angesiedelter „Three Kings“. Jetzt zeigt Netflix den auf realen Ereignissen basierenden „War Machine“ über einen Vier-Sterne-General in Afghanistan. Regisseur und Drehbuchautor David Michôd, der mit „The Rover“ zuletzt einen hervorragenden Endzeitthriller abgeliefert hat, orientiert sich an den Enthüllungen des Rolling-Stone-Reporters Michael Hastings, dessen Artikel den echten US-General Stanley McChrystal 2010 zu Fall brachte. In „War Machine“ heißt dieser General nun Glen McMahon und wird von Brad Pitt („Inglorious Basterds“, „Allied - Vertraute Fremde“) gespielt, der den Film zudem selbst produziert hat. Dazu kommt ein recht üppiges Budget von 60 Millionen Dollar – gute Voraussetzungen also für eine Kriegsfilm-Satire mit Biss. Das Ergebnis fällt daher umso enttäuschender aus.

    Der Vier-Sterne-General Glen McMahon (Brad Pitt) gilt unter seinen Kollegen als ein echter Rockstar. Kein Wunder, schließlich ist „The Glenical“ ein Mann alter Schule und ein ganz, ganz harter Hund. Als die US-Truppen in Afghanistan kurz vor dem Rückzug stehen, erscheint McMahon als die letzte Hoffnung, das Ruder bei diesem desaströsen Einsatz noch einmal herumzureißen. So übernimmt „The Glenical“ das Kommando und stürzt sich mit ganzer Energie in die unmöglich erscheinende Aufgabe, diesen Krieg doch noch zu gewinnen. Ausgesprochen smart, wie er ist, hat McMahon für dieses ehrgeizige Unterfangen eine ganz neue innovative Strategie entwickelt. Doch um diese umzusetzen, braucht er viel, viel Geld für noch mehr Truppen. Als US-Präsident Obama ihm jene nicht im gewünschten Umfang zur Verfügung stellt, muss sich der stolze General auf eine Betteltour zu den amerikanischen Alliierten nach Europa begeben. Während er sich in der alten Welt mit Politikern und Medien herumschlagen muss, brennt bei seinen Truppen in Afghanistan bereits die Luft ...

    Schon in der ersten Szene von „War Machine“ unterstreicht David Michôd unmissverständlich, dass dieser Film eine Satire ist: Durch den offenen unteren Spalt einer Klokabine blicken wir auf die Stiefel des Generals Glen McMahon, der hier offensichtlich gerade ein wichtiges Geschäft erledigt hat. Das Ganze ist aus dem Off mit einem humoristischen  Kommentar (gesprochen von Scoot McNairy als Journalist Sean Cullen) unterlegt, der in seiner übertriebenen Lobpreisung von „The Glenical“ deutlich macht, dass diesem vermeintlichen Helden die Armystiefel in Afghanistan offensichtlich doch ein paar Nummern zu groß geraten sind. Dieser Kommentar ist streckenweise wirklich ganz witzig und trifft eine bestimmte Art von amerikanischer Außenpolitik und ihre ganz besondere Verkörperung durch diesen sendungsbewussten General McMahon ganz gut. Er scheint der einzige zu sein, der noch ernsthaft daran glaubt, dass das Nation building in Afghanistan funktionieren kann. Und dass sich Demokratie mit Waffengewalt einführen lässt.

    Nur findet der zuweilen clevere Kommentar fast nie eine wirkliche Entsprechung auf der Bildebene. Als der Sprecher erzählt, dass „The Glenical“ niemals mehr als vier Stunden schläft und anschließend als Erstes jeden Morgen sieben Meilen joggt, sehen wir nur eine kleine Gestalt im Halbdunkel um eine Kasernenbaracke herumlaufen. Da ist der Witz verschenkt. Michôd verlässt sich insgesamt viel zu sehr auf den Off-Kommentar: McNairy plaudert einfach immer weiter. Und als es zu dem General nichts mehr zu erzählen gibt, werden auch noch alle seine wichtigen und unwichtigen Helfer vorgestellt. Alleine diese Einführung dauert geschlagene 20 Minuten. Auch danach redet und redet der Sprecher immer weiter. Es passiert herzlich wenig außer Gerede. Fast der gesamte Film besteht aus irgendwelchen Bürositzungen, Truppenbesprechungen und McMahons Auftritten in Europa. Das wäre an sich gar nicht schlimm, aber das Ganze dreht sich dazu noch im Kreise (der Film geht über zwei Stunden) und lockt nur vereinzeltes Schmunzeln hervor.

    Als der General erstmalig den afghanischen Präsidenten Hamid Karzei (wirkt recht lustlos: „Gandhi“ Ben Kingsley) trifft, wird lange ein müder Witz darum gemacht, dass beide nicht wissen, wie ein Videokabel in den Fernseher gesteckt werden soll. Statt die politischen und militärischen Mechanismen, die hier am Werke sind, noch nachhaltiger und tiefschürfender zu entlarven, greift Michôd immer wieder zu solchen recht platten Gags und fügt ihnen durch seine in ihrer Unauffälligkeit eintönigen Inszenierung auch nichts hinzu. Ähnliches gilt für Hauptdarsteller Brad Pitt: Wie er den General mit dauerhaft hochgezogener Augenbraue und dümmlichen Gesichtsausdruck darstellt, wirkt wie die Parodie einer Parodie. So schlecht war Pitt wohl noch nie.

    Fazit: Der Regisseur David Michôd fährt die Kriegsfilm-Satire „War Machine“ ebenso gegen die Wand wie Brad Pitts General Glen McMahon seinen Einsatz in Afghanistan.

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