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    Underwater - Es ist erwacht
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Underwater - Es ist erwacht

    Nichts für Klaustrophobiker!

    Von Janick Nolting

    Horrorfilme, die komplett unter Wasser spielen, bekommt man weiß Gott nicht alle Tage zu sehen! Natürlich, einige Vertreter haben sich in der Vergangenheit schon in die Tiefsee gewagt, man denke nur an „Deep Blue Sea“, den U-Boot-Grusler „Below“ oder zuletzt die „47 Meters Down“-Filme. Doch oft passiert es leider nicht, dass man sich für einen Horrorstreifen in den Tauchanzug zwängt. Insofern macht dieser bisher eher unverbrauchte Schauplatz ein Projekt wie „Underwater – Es ist erwacht“ schon mal schlagartig interessanter und das – man mag es kaum glauben – auch noch ganz ohne Haie! Noch hellhöriger darf man bei dem Regisseur werden: „Underwater“ ist der dritte Spielfilm von William Eubank, der bereits mit „Love“ und „The Signal“ zwei durchaus vielversprechende Genre-Werke vorgelegt hat und in seinem neuen Survival-Schocker erneut großes Potential durchschimmern lässt.

    Norah (Kristen Stewart) arbeitet als Mechanikerin auf der riesigen Kepler-Forschungsstation, die weit unten in der Tiefsee liegt. Wie aus dem Nichts wird die Station von einem rätselhaften Erdbeben erschüttert und zum Großteil zerstört. Mit einigen Überlebenden (u.a. Vincent Cassel, Jessica Henwick) will sich Norah auf eine naheliegende Bohrstation retten, doch der Weg dorthin gestaltet sich gefährlich, als die Gruppe plötzlich feststellen muss, dass irgendetwas Monströses in der Tiefe sein Unwesen treibt…

    Das Unterwasser-Erdbeben erweist sich für die Forscher schon bald als das kleinere Problem.

    „Underwater“ hat im Grunde genommen nichts Eigenes zu bieten, stattdessen fühlt sich der ganze Film an wie ein einziges Zitat: Man nehme eine große Portion „Cloverfield“, etwas von „Abyss“ und „Deep Star Six“ und vor allem ganz viel von „Prometheus“ und der alten „Alien“-Reihe und fertig ist „Underwater“. William Eubank würfelt die einzelnen Referenzen, teils ikonischen Motive und Versatzstücke, wild durcheinander – aber das muss ja nicht per se unbedingt gleich etwas Schlechtes bedeuten. Im Gegenteil! Tatsächlich lässt der Unterwasser-Horror seine Vorbilder jederzeit erkennen, verkommt aber niemals zum billigen Abklatsch, was vor allem an Eubanks starkem Gespür für Schocks und Atmosphäre liegt.

    Von Null auf Hundert

    Bis es in diesem Film zur Sache geht, vergehen keine zehn Minuten. Gerade erst hat man Kristen Stewart mit ihrer neuen, stylischen Kurzhaarfrisur kennengelernt, da bricht in der Tiefseestation auch schon die Hölle los. Und „Underwater“ hält dieses enorme Tempo über die kompletten anderthalb Stunden durch. Der Survivaltrip etabliert direkt in den ersten Sekunden eine ungeheure Spannung, was nicht zuletzt an dem beklemmenden und stimmungsvoll ausstaffierten Setting liegt. Da ist alles dreckig und klapperig, die Lichter flackern, draußen hinter den Metallwänden rumort es bedrohlich. Später lässt Eubank seine Figuren ins finstere, trübe Wasser hinabtauchen, in dem man kaum die eigene Hand vor Augen sehen kann, oder lässt sie durch düstere, enge Gänge kriechen, während irgendetwas hinter ihnen die Verfolgung aufnimmt. „The Descent“ lässt grüßen!

    Kristen Stewart ist gewohnt gut - bekommt aber leider nur wenig zu tun.

    In den besten Momenten ist „Underwater“ verblüffend intensiv, auch wenn das alles im wörtlichen Sinne ziemlich blutleer geraten ist. Etwas mehr Härte hätte dem Stoff gutgetan, besonders drastisch wird es nämlich nie, wenn hier gestorben wird.

    Stattdessen verlässt man sich bei den Monsterattacken eher auf jugendfreundliche, berechenbare Jumpscares, die aber dennoch ihre Wirkung erzielen, da sich der Regisseur bei deren Aufbau offensichtlich bewusst ist, wie nervenzerreißend und bedrohlich absolute Stille im Kinosaal sein kann. William Eubank hat seine Hausaufgaben in Sachen Horror jedenfalls gemacht! Das ist, wie bereits erwähnt, nicht originell, aber dieser Filmemacher versteht, wie man routinierten Schrecken inszeniert. „Underwater“ hätte also tatsächlich die erste schöne Überraschung im noch jungen Horror-Kinojahr 2020 werden können, wenn da nicht dieses große „Aber“ wäre. Denn so packend das alles anfängt, so schnell fällt es auf erzählerischer Ebene schließlich in sich zusammen.

    Alle Klischees erfüllt

    Wo Eubank zuletzt in „The Signal“ inhaltlich mit vielen abstrusen Wendungen und Verstrickungen etwas zu sehr über die Stränge geschlagen hat und letztendlich einfach zu viel wollte, ist bei „Underwater“ eher das Gegenteil der Fall. Der Regisseur wird von seinen beiden Drehbuchautoren Brian Duffield und Adam Cozad schlichtweg im Stich gelassen. Gerade Hauptdarstellerin Kristen Stewart hat in den vergangenen Jahren mehrfach ihr schauspielerisches Talent bewiesen und empfiehlt sich in diesem Film als würdige Ellen Ripley-Nachfahrin. Nützt nur alles nichts, wenn sie, genau wie der Rest des überschaubaren Ensembles, so gar nichts zu tun bekommt, außer grimmig dreinzuschauen, ab und zu laut zu schreien und sich ein paar dümmliche Phrasen an die Köpfe zu werfen.

    Die Figuren sind so dermaßen substanzlos gezeichnet, dass einem ihr Ableben völlig egal bleibt. Bei einigen ist man sich zwischendurch nicht einmal sicher, ob sie überhaupt einen Namen erhalten haben, wiederum andere werden von dem dünnen Drehbuch mit sämtlichen Horrorklischees bedacht. Dass man etwa den Satz „Wir sind gleich wieder zurück!“ in den bedrohlichsten Situationen besser nicht sagen sollte, ist schließlich nicht erst seit „Scream“ bekannt.

    Ein Film für Lovecraft- Fans

    „Underwater“ traut dem Publikum einfach zu selten zu, sich auch einmal länger als 30 Sekunden mit der Materie auseinanderzusetzen und einzelne Situationen auf sich wirken zu lassen. Gleich in der ersten Hälfte erkennt die von Jessica Henwick gespielte Emily, dass der Mensch eben nicht in eine solche Umgebung gehöre, doch das war es dann auch an Erkenntnis. Selbst der erhobene Zeigefinger gegen die ausbeuterische Menschheit wird, ohne zu viel verraten zu wollen, letzten Endes nur zögerlich erhoben. Lieber immer schnell weiter zur nächsten Actionszene!

    Zum Glück tappt Eubank dabei nicht in die Falle, seine Monster voreilig in voller Pracht zu zeigen und zu entzaubern, sondern ein Mysterium aufrechtzuerhalten. Auch „Underwater“ ist nämlich immer dann am unheimlichsten, wenn die Bedrohung nur schemenhaft auftaucht oder etwa im Hintergrund plötzlich einfach nur zwei Augen im Dunkeln leuchten. Was da unten in der Tiefe die Figuren in Wirklichkeit heimsucht, hebt sich der Film für einen großen Moment auf, der alle Fans von H.P. Lovecraft wahrscheinlich in helle Begeisterung versetzen wird. Doch leider ist „Underwater“ genau dann auch abrupt zu Ende, wenn es gerade wieder interessant wird.

    Fazit: „Underwater – Es ist erwacht“ ist ein spannend inszenierter, zum Teil erstaunlich schauriger Tiefsee-Horror, aufgrund seiner inhaltlichen Leere und Herzlosigkeit gegenüber den Figuren allerdings wohl auch schnell wieder vergessen.

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