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    Der junge Häuptling Winnetou
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Der junge Häuptling Winnetou

    Der erste Winnetou-Kinofilm seit 54 Jahren!

    Von Markus Tschiedert
    Eigentlich sollte jedes Kind schon mal von Winnetou gehört haben. Denn seit der Häuptling der Mescalero-Apachen 1962 seinen ersten Leinwandauftritt in „Der Schatz im Silbersee“ absolvierte, ist er schließlich ein wichtiger Bestandteil deutscher Filmgeschichte. Nach dem Erfolg der ersten Wild-West-Romanverfilmung nach Karl May brach in den Sechzigern ein wahres Winnetou-Fieber aus. Darsteller Pierre Brice wurde hierzulande sogar zum absoluten Kult samt BRAVO-Starschnitt und stand im Indianerkostüm noch bis 1998 immer wieder vor der Kamera. Dieses Jahr feiert Winnetou sein 60-jähriges Leinwandjubiläum – und passend dazu kehren nicht nur einige der früheren Filme ins Kino zurück …

    … er wird mit „Der junge Häuptling Winnetou“ parallel auch noch einer erheblichen Verjüngungskur unterzogen. Als 12-Jähriger muss Winnetou 54 Jahre nach seinem letzten Kinofilm „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“ nun sein allererstes Abenteuer als Teenager-Indianer bestehen. Der kinderfilmerprobte Regisseur und Co-Autor Mike Marzuk („Fünf Freunde“) baut dabei vor allem Reminiszenzen an die Originalfilme ein, die diesen jungen Winnetou aber leider ziemlich alt aussehen lassen.

    Häuptlingssohn Winnetou (Mika Ullritz) und sein neuer Freund Tom Silver (Milo Haaf) müssen unbedingt den Goldschatz der Indianer beschützen.


    Häuptlingssohn Winnetou (Mika Ullritz) sehnt sich danach, wie sein Vater Intschu-Tschuna (Mehmet Kurtulus) ein großer Krieger zu sein. Aber dafür muss der Wirbelwind noch viel lernen und wird stattdessen erst mal zum Aufsammeln von Pferdeäpfel verpflichtet. Der Junge empfindet das als Demütigung, doch sein Vater hat ganz andere Sorgen: Die Büffel sind verschwunden und seinem Volk droht eine große Hungersnot.

    Eines Nachts erwischt Winnetou den etwa gleichaltrigen Tom Silver (Milo Haaf) beim Pferdestehlen. Doch als ihm Tom erzählt, er wüsste, wo die Büffel abgeblieben sind, wittert Winnetou seine Chance, seinem Vater zu beweisen, was er wirklich drauf hat. Die beiden Jungen machen sich ganz allein auf den Weg, das Geheimnis um das Verschwinden der Herde zu enträtseln und geraten dabei an den fiesen Todd Crow (Anatole Taubman), der wiederum an den Goldschatz der Indianer will…

    Bei der Aussicht reichen auch acht Wigwams


    „Der junge Häuptling Winnetou“ will kein Prequel sein, nicht mal ein Reboot, sondern einfach ein kindgerechter Abenteuerfilm, quasi ein Cowboy-und-Indianer-Spiel von einst, als die Jugend noch für Wild-West-Romantik zu haben war. Bei der heutigen Generation ist da aber durchauch Zweifel angebracht, steht sie doch mehr auf Harry Potter oder Marvel-Held*innen und kennt Winnetou womöglich nur noch vom Hörensagen durch die Eltern und Großeltern. Ob sie mit dem alten Karl May noch hinterm Ofen hervorzulocken ist? Ein Versuch ist es gewiss wert, wenngleich die Umsetzung recht altbacken daherkommt.

    Wahrscheinlich um dem Flair alter „Winnetou“-Filme gerecht zu werden, wirken alle Mitspielenden mit ihren Perücken und in der Wild-West-Kluft dann doch eher wie auf einer Faschingsfete. Aber zumindest sind da noch die herrlichen Landschaftsaufnahmen, die das große Plus des Films sind. Gedreht wurde im spanischen Andalusien, die perfekte Western-Kulisse, wo Sergio Leone bereits „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) drehte und auch Pierre Brice in dem TV-Zweiteiler „Winnetous Rückkehr“ (1998) ein letztes Mal den Häuptling mimte. Da gibt man sich auch mit acht Wigwams zufrieden, um sich hier ein ganzes Indianerdorf vorgaukeln zu lassen. Das Western-Panorama ist jedenfalls stimmig genug.

    Anatole Taubman hat ansteckend viel Spaß an seiner Rolle als Bösewicht Todd Crow.


    Zumindest gilt das für ältere Semester, die sich hier noch mal ganz als Kind fühlen dürfen – und es scheint fast so, als sei genau das die eigentliche Zielgruppe, die man mit diesem Film überzeugen will. Die kennt nämlich noch Ralf Wolter als Sam Hawkens, den lustigen Sidekick von Winnetou und Old Shatterhand, der jeden Satz kichernd mit „wenn ich mich nicht irre“ beendet. Wenn sich in „Der junge Häuptling Winnetou“ nun ein Junge namens Sam Hawkens genauso verhält, werden nur all jene diesen Running Gag durchschauen, die auch schon die Originale kennen.

    Im verstaubten Sprachduktus von Karl May geben die edlen Indianer weise Worte von sich. Etwa wenn eine alte Squaw zu Winnetou, der stets alles allein bewältigen will, bildreich spricht: „Ein Pfeil bricht, viele Pfeile sind unzerbrechlich.“ Und auch Mehmet Kurtulus („Big Game“) als charismatischer Häuptling findet situationsbedingt immer die richtigen Worte, beispielsweise: „Unsere Augen können uns trügen, nicht aber unser Herz.

    Wie in den (guten) alten Zeiten


    Um die Klischee-Kiste noch weiter zu füllen, muss auch noch ein schwarz gekleideter Schurke mit schrägen Marotten her. Anatole Taubman („James Bond 007: Ein Quantum Trost“) genießt es sichtlich, als Todd Crow so richtig dick aufzutragen, um sich besonders bei Kindern unbeliebt zu machen. Und dann sind da noch Mika Ullritz („Fack ju Göhte 3“) als Titelheld, Lola Linnéa Padotzke als Nscho-tschi und Newcomer Milo Haaf als junger Shatterhand-Ersatz Tom Silver. Das Trio ist zwar zuckersüß, doch Kids von heute werden sich nur noch bedingt mit ihren Belangen identifizieren können. Das Cowboy-und-Indianer-Spielen stammt für die meisten eh von Anno Dazumal, und das verklärte (deutsche) Indianerbild gibt ihnen auch noch Recht.

    „Der junge Häuptling Winnetou“ ist alles andere als innovativ, die Handlung wirkt dazu noch wie aus dem Setzbaukasten zusammengeschustert und der Spannungsbogen leiert ebenso schnell aus. Angesichts der vielen Kinderfilme von „Bibi & Tina – Einfach Anders“ bis „Mein Lotta-Leben 2 - Alles Tschaka mit Alpaka“, die ebenfalls in diesem Sommer starten und thematisch einfach viel näher an den Bedürfnissen der 8- bis 14-Jährigen dran sind, wird es der Winnetou im Miniformat wohl eher schwer haben, sich zu behaupten – „wenn ich nicht nicht irre“.

    Fazit: Winnetou kehrt ins Kino zurück – und zwar als 12-jähriger Nachwuchs-Häuptling. Als Kinderfilm ist das aber kaum zu gebrauchen, wenn hier vor allem aufgebrauchte Klischees früherer Karl-May-Kinofilme wiederbelebt werden, so dass in erster Linie die alten Fans von damals etwas damit anfangen können.

     

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