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    Bibi & Tina - Einfach Anders
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Bibi & Tina - Einfach Anders

    Zurück zu den Wurzeln!

    Von Oliver Kube
    Der Kassetten-Ableger der „Bibi Blocksberg“-Reihe startete bereits 1991. Seitdem erfreuen sich die Kinder-Hörspiele rund um die Abenteuer der jungen Hexe Bibi und ihrer besten, „ganz normalen“ Freundin Tina steter Beliebtheit. In seinen Jugendfilm-Adaptionen integrierte Regisseur Detlev Buck („Rubbeldiekatz“) dann geschickt Elemente aus Musical, Komödie bis hin zu Sozial- und Gesellschaftsdrama. So erschuf er mit „Bibi & Tina“ eine der erfolgreichsten deutschen Kino-Reihen der letzten Jahrzehnte. Diese endete 2017 offiziell mit „Bibi & Tina 4 - Tohuwabohu Total“ und insgesamt sieben Millionen verkauften Tickets. Aber das bedeutete natürlich noch lange nicht das Aus des Franchises an sich:

    Zu immer weiteren Hörspielen, Podcasts, Büchern und zig Merchandise-Krimskrams kreierte Detlev Buck 2020 noch eine TV-Serie für Amazon Prime Video – und deren komplett neuer, rundum verjüngter Cast schafft es nun mit „Bibi & Tina - Einfach anders“ ebenfalls auf die große Leinwand. Zwar beginnt Buck dabei nicht wieder von Null, sondern wirft uns einfach mitten hinein in den (ziemlich außergewöhnlichen) Alltag der Figuren. Trotzdem ist der Film ein Re-Start. Denn in puncto Tonalität und Zielgruppen-Ausrichtung geht er zurück an den Anfang der Reihe. Ungeachtet einiger erzählerischer Holprigkeiten ist „Bibi & Tina - Einfach anders“ insgesamt ein herrlich turbulenter, sympathisch überdrehter Spaß geworden.

    Mit Katharina Hirschberg und Harriet Herbig-Matten haben Detlev Buck und sein Team zwei tolle neue Darstellerinnen für die besten Freundinnen Bibi & Tina gefunden.


    Nachdem am Vorabend ein überraschender Meteoritenschauer über ihnen herabregnete, begrüßen Bibi (Katharina Hirschberg) und Tina (Harriet Herbig-Matten) drei neue Logiergäste auf den Martinshof. Die Jugendlichen, die sich Disturber (Emilia Nöth), Silence (Leander Lesotho) und Spooky (Pauletta Pollmann) nennen, sind anders als die Kids, die sonst hier ihre Reiterferien verbringen. Silence spricht kein Wort, Spooky ist nur daran interessiert, Beweise für die Existenz von Außerirdischen zu finden, und die dauerhaft miesgelaunte Disturber ist von der auf dem Hof herrschenden Harmonie so genervt, dass sie gleich mit Bibi aneinandergerät.

    Disturbers Misstrauen gegenüber hilfsbereiten Menschen treibt sie schließlich in die Arme des Fieslings V. Arscher (Kurt Krömer). Der führt gerade einen von mysteriösen Motiven angetriebenen Kleinkrieg gegen Graf Falko (Holger Stockhaus), der dadurch schon seinen Adelstitel und das Schloss Falkenstein verloren hat. Über Nacht völlig mittellos geworden, finden Falko und sein treuer Butler Dagobert (Herman van Ulzen) ebenfalls vorläufig Unterschlupf auf dem Martinshof. Bibi, Tina und ihre Freunde nehmen die Aufklärung der verworrenen Erb-Angelegenheit in die Hand – eine Aufgabe, die sich dank „Fake News“ im lokalen Radio, der Sorge um Bibis (versehentlich?) vergiftete Schimmelstute Sabrina und sogar eines Besuchers aus dem Weltall nicht gerade einfach gestaltet…

    » Die "Bibi & Tina"-Serie bei Amazon Prime Video*

    Die bisherigen Hauptdarstellerinnen Lina Larissa Strahl („Alle für Ella“) und Lisa-Marie Koroll („Takeover“) sind inzwischen Mitte 20. Weshalb es nur logisch war, die erste Reihe an dem Zeitpunkt zu beenden, als die Handlungsstränge der Filme ihrem Alter entsprechend immer reifere Themen anschlagen mussten. Auch wenn viele Erwachsene noch immer großen Spaß an den „Bibi & Tina“-Hörspielen haben, sind die Film-Vorlagen schließlich primär auf ein kindliches Publikum ausgerichtet. Und genau auf dieses konzentriert sich das erneut von Bettina Börgerding verfasste Drehbuch von „Bibi & Tina: Einfach anders“ mit seinem Sommerferien-Ambiente, den übersteigert gezeichneten Figuren und abgedrehten Situationen sowie auch schon mal etwas albern anmutenden Dialogen voll und ganz.

    Die neuen Titelstars Katharina Hirschberg und Harriet Herbig-Matten müssen sich ihre Rollen nicht erst im Laufe des Films zu eigen machen. Dank der Serie fühlen sie sich in ihnen und der Reiterhof-Umgebung bereits merklich wohl und legen mit sympathischem Selbstbewusstsein los. Die zwei Nachwuchsmiminnen gehen mit so viel positiver Energie und ansteckendem Enthusiasmus ans Werk, dass auch der Teil des Publikums, der die zehn TV-Episoden mit ihnen noch nicht kennt, das Duo umgehend akzeptieren wird.

    Wenig(er) Pferde, dafür Esel und Kaninchen


    Ein wenig schade ist nur, dass die bisher fast ebenso wichtigen vierbeinigen Lieblinge der beiden Protagonistinnen im Laufe der rasant voranschreitenden, streckenweise ziemlich vollgepackten Geschichte etwas kurz kommen. Es gibt natürlich die typischen Szenen, in denen Bibi und Tina im Galopp auf Sabrina und Amadeus über Felder und Wiesen reiten. Ansonsten haben die Pferde, neben all den anderen Handlungssträngen, jedoch wenig mehr zu tun, als gut auszusehen. Bibis Schimmelstute wird sogar durch eine Futtervergiftung für einige Zeit gänzlich aus dem Verkehr gezogen. Kleine Tierfreunde bekommen – quasi als Entschädigung? – während der obligatorisch eingestreuten Songs aber ein kuscheliges Riesenkaninchen und einen süßen Esel zum Bestaunen und Liebhaben geboten.

    Apropos Songs: In der ersten Hälfte wird die durch viele Ortswechsel ohnehin schon leicht fahrig anmutende Erzählstruktur ganz schön oft von Musical-Einlagen unterbrochen, die der hier noch im Aufbau befindlichen Geschichte regelmäßig den Fluss nehmen. Was allerdings nicht heißen soll, dass die wie separate Videoclips inszenierten Lieder für sich gesehen nicht funktionieren würden. Im Gegenteil: Die Stücke von Ex-Rosenstolz-Mitglied Peter Plate und seinem Kompositionspartner Ulf Leo Sommer sind schmissig auf den Punkt produziert, alle Darsteller singen oder rappen anständig bis sehr gut und die Texte sind durchgehend clever beziehungsweise witzig formuliert. Auch Melodien und Arrangements sitzen, sodass mindestens die Hälfte der Stücke echtes Ohrwurm-Potenzial hat. Der absolute Höhepunkt hinsichtlich all dieser Qualitäten ist eine herrlich absurde Ode an die Normkartoffel – launig vorgetragen von Holger Stockhaus in der Rolle des (Ex-)Grafen Falko von Falkenstein.

    Irgendwie müssen die Kids einen Weg finden, um den fiesen V. Arscher (Kurt Krömer) wieder aus dem Schloss Falkenstein zu vertreiben.


    Ein wirklicher Schwachpunkt ist hingegen das Science-Fiction-Element der Story. Dieses verläuft, nachdem es als großer, recht aufwändig mit CGI-Effekten inszenierter Einstieg dient, leider zusehends im Sande. Aus dem Aufbau wird kaum Substanzielles gemacht und bis zum vergleichsweise lahmen Abschluss des Segments, kurz vor dem Abspann, kommen in der zweiten Hälfte der Laufzeit nur noch eher belanglose Intermezzi, die fast schon alibi-mäßig eingesprenkelt scheinen. Detlev Buck hätte diesen Sub-Plot problemlos weglassen können, ja vielleicht sogar sollen, um das Ganze weniger hektisch und wuselig wirken zu lassen. Die Geschichten um die drei „Problemkids“ und den neuen Erben des Schlosses wären für sich allein schon locker nachmittagfüllend gewesen.

    Trotzdem macht „Bibi & Tina - Einfach anders“ mit seiner positiv überdrehten Stimmung richtig Laune. Großen Anteil daran hat Kurt Krömer, der neben seiner Hauptfigur als „legitimer“ Erbe des Schlosses zudem eine Polizistin, einen Kartoffelbauern, eine Putzfrau, einen Vampir sowie einen UFO-Propheten verkörpert und dazu natürlich auch Gesangsparts liefert. Der Komiker und „LOL: Last One Laughing“-Kandidat dreht dabei immer wieder komplett frei. Einige Passagen wirken stark improvisiert. Weshalb Krömer mit seiner Performance sogar Vergleiche mit Jim Carrey, zum Beispiel in „The Cable Guy“ oder zuletzt den „Sonic The Hedgehog“-Filmen, provoziert.

    Fazit: Die rundherum positive Energie, gelungene Situationskomik und der spürbare Enthusiasmus aller Beteiligten vor und hinter der Kamera sorgen für reichlich Pluspunkte. Das macht es alten wie neuen „Bibi & Tina“-Fans bestimmt leicht, über ein paar Unstimmigkeiten im inhaltlich etwas überladenen Kino-Comeback hinwegzusehen.

     

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