Wie sehr sich der Publikumsgeschmack und der Stellenwert des Kinos an sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert haben, lässt sich gut anhand der Liste der erfolgreichsten Filme in Deutschland nach Zuschauerzahlen nachvollziehen. Nur ein einziger Film aus der aktuellen Dekade befindet sich in den Top 50 – und zwar „Avatar 2: The Way Of Water“. Während dieser aber auf dem dritten Platz der weltweit erfolgreichsten Filme aller Zeiten steht, reicht es in Deutschland „nur“ für Platz 30 (vier Plätze vor „Jurassic Park“).
Davor finden sich in der Liste neben der „Herr der Ringe“-Trilogie und mehreren „Harry Potter“-Teilen zahlreiche deutsche Filme, die heutigen Zuschauer*innen zum Teil nicht mehr viel sagen dürften (so lockte der U-Boot-Kriegsfilm „Haie und kleine Fische“ im Jahr 1957 beachtliche 9,7 Millionen Menschen in die Kinosäle!). Auf Rang 13 rangiert mit „Das Schweigen“ (1963) ein Meisterwerk der schwedischen Regie-Legende Ingmar Bergman nur knapp hinter dem ersten „Avatar“-Blockbuster …
… und auf Platz 26 steht eine sowjetische Weltkriegs-Romanze, die bei den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme gewann und im Jahr 1957 auf die Leinwand kam: „Wenn die Kraniche ziehen“ von Mikhail Kalatozov. 9,7 Millionen Zuschauer*innen strömten damals in den gefeierten Film – davon 2,8 Millionen in der ehemaligen DDR.
„Wenn die Kraniche ziehen“ – ein Klassiker der sogenannten Tauwetter-Periode nach dem Ende der stalinistischen Diktatur – dreht sich um Veronika (Tatjana Samoilowa) und Boris (Alexei Batalow), ein junges Paar in Moskau, das verliebt Pläne für die gemeinsame Zukunft schmiedet. Doch als der Zweite Weltkrieg ausbricht, wird Boris an die Front geschickt – und Veronika bleibt allein zurück. Der Film ist daraufhin fast vollständig aus ihrer Perspektive erzählt. Kalatozovs Melodram handelt vor allem davon, wie sich der Krieg auch abseits der Gräuel des Schlachtfeldes auf den Alltag und die Psyche der Menschen auswirkt.
Basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von Viktor Rosow, sieht man dem Film seine Bühnenherkunft in keiner Minute an – dafür sorgt vor allem die ungemein bewegliche, expressive und kontrastreiche Kamera von Sergei Urussewski, die ihm in Cannes einen Preis für herausragende künstlerisch-technische Errungenschaften einbrachte. Im Streaming könnt ihr euch hierzulande leider nicht davon überzeugen, dafür gibt es eine Blu-ray-Veröffentlichung der restaurierten Fassung:
Bei einem anderen Kriegsfilm handelt es sich übrigens um das erste Leinwand-Werk überhaupt, das bei der Oscar-Verleihung als „Bester Film“ ausgezeichnet wurde (einen Preis für die besten visuellen Effekte gab's noch obendrauf!). Wenn ihr wissen wollt, um welchen Film es geht (und wer die ersten Schauspieler*innen und Regisseure waren, die einen Academy Award in der Hand halten durften), dann lest auch den nachfolgenden Artikel:
Dieses Weltkriegs-Epos gewann den allerersten Oscar als "Bester Film": Es ist 2,5 Stunden lang und setzte technisch völlig neue Maßstäbe*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.