Die „Der Herr der Ringe“-Trilogie gilt als Meilenstein der modernen Filmgeschichte. Mit Peter Jacksons visionärer Adaption von J.R.R. Tolkiens Epos wurde Anfang der 2000er nicht nur ein Fantasy-Universum von ungeahnter Detailtiefe auf die Leinwand gebracht, sondern auch die technische Entwicklung des Kinos maßgeblich vorangetrieben.
Neben monumentalen Landschaften, epischen Schlachten und einer emotionalen Heldenreise prägte vor allem eine Figur das kollektive Filmbewusstsein: Gollum – eine zerrissene Kreatur zwischen Mitleid und Wahnsinn.
Dass Gollum zu einer der einprägsamsten Erscheinungen der Trilogie wurde, ist vor allem dem Briten Andy Serkis zu verdanken. Heute als Pionier des Motion-Capture-Schauspiels gefeiert, war seine Arbeit zu Beginn der Dreharbeiten im Jahr 2000 noch kaum einzuordnen.
Hohn und Spott am ersten Drehtag für Gollum
Gemeinsam mit früheren Mitstreiter*innen blickte Serkis bei einem großen „Herr der Ringe“-Reunion-Panel auf der C2E2 2025 in Chicago auf die Entstehung der Filme zurück – und erinnerte sich an einen Moment, der exemplarisch für das anfängliche Unverständnis seiner Arbeit stand (via Popverse).
„Als ich in Neuseeland ankam, hatten die anderen bereits seit vier oder fünf Monaten gedreht“, erinnerte sich Serkis. „Ich war noch mitten in der Vorbereitung auf Gollum, habe viel alleine geprobt, bin herumgekrochen, übte. [...] Und dann kam der Tag.“ Damals war man noch nicht mit dem Konzept des Motion Capture vertraut, sodass seine Performance in einem hautengen Ganzkörper-Anzug zunächst für viel Verwirrung am Set sorgte.
„Film wird ja nicht chronologisch gedreht, und meine erste Szene war Nummer 765 aus dem dritten Teil“, so Serkis. „Ich kam also an das Set gekrochen und wurde sozusagen zu Gollum mit meinem Lycra-Anzug und ich schlüpfte in die Rolle. Und dann fing Peter Jackson an, über mich zu lachen.“ Die Reaktion des Regisseurs sowie der anderen Anwesenden blieb ihm in Erinnerung. „Die ganze Crew dachte sich wohl: ‚Wer ist dieser Typ, und was zur Hölle macht der hier? Könnt ihr ihn bitte aus dem Bild nehmen? Wir wollen hier drehen‘“, so der Schauspieler.
„Wir haben dann die Szene gedreht, und das war eine sehr schöne Sache, aber es war eine monatelange Vorbereitung und dann stand ich da. Und ich musste lachen, als ich sah, wie Peter vor mir stand und wie ein Kind kicherte, weil hier diese Figur Gollum zum Leben erweckt wurde, aber alles, was man sah, war dieser Typ mit einem rasierten Kopf in diesem sehr dünnen Anzug, der [Gollum-Geräusche machte, Anm. d. Red.]“, erinnerte sich Serkis.
Was wie ein absurder Scherz wirkte, sollte später Maßstäbe setzen. Die Darbietung von Serkis, in Kombination mit fortschrittlichster CGI, verlieh Gollum eine Tiefe, wie sie bei digitalen Figuren bis dahin kaum denkbar war. Rückblickend wirkt die Situation schon fast ironisch – denn gerade dieser belächelte Ansatz hat ein ganzes Genre geprägt.
Andy Serkis wurde zum Synonym für die Kunst des Motion Capturing
Ob als Caesar in „Planet der Affen“, als King Kong oder Supreme Leader Snoke in „Star Wars“ – seine Fähigkeit, mit Stimme und Körper digitalen Figuren Leben einzuhauchen, brachte ihm nicht nur das Lob von Kritiker*innen, sondern auch eine internationale Karriere. Mittlerweile ist er auch als Regisseur gefragt, etwa bei „Venom: Let There Be Carnage“ (2021).
Dass Jackson damals über den ersten Gollum-Auftritt am Set lachte, zeigt, wie aus Neugier, Unwissenheit – und einer Prise Spott – eine der eindrucksvollsten Performances der jüngeren Filmgeschichte entstehen konnte. Und wer Peter Jackson kennt, weiß: Für ein bisschen Schabernack war er immer zu haben – genauso wie einige seiner Mittelerde-Stars, die später in einer der besten Actionkomödien aller Zeiten überraschende Gastauftritte hatten. Mehr dazu in diesem FILMSTARTS-Artikel:
Er ist nur für 90 Sekunden zu sehen: Habt ihr diesen "Herr der Ringe"-Megastar in der Kult-Komödie "Hot Fuzz" erkannt?*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.