Streaming-Tipp: Dieses Fantasy-Märchen ist ein surrealer Trip durch zauberhafte Traumwelten – und ein Rausch für die Sinne!
Monta Alaine
Monta Alaine
Bereits jung von ihrem Vater an Klassiker wie "Taxi Driver" und "Clockwerk Orange" herangeführt stand fest: Film sollte es sein. Nach diversen Stops in der Branche gilt ihre Liebe auch heute noch Hollywood-Kino à la Nolan und raffinierten Arthouse-Filmen.

Michel Gondry träumt am liebsten auf Zelluloid - und lässt sein Publikum gleich mitträumen. Mit „Science of Sleep - Anleitung zum Träumen" erschafft der französische Regisseur eine Pappmaché-Welt voller Sehnsucht, Surrealismus und Selbstironie.

Vielen dürfte Michel Gondry bekannt sein als der Regisseur von „Vergiss mein nicht!“ bzw. „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“, wie das gefeierte Romance-Mindfuck-Movie mit Jim Carrey und Kate Winslet im Original heißt. Ehe er damit 2005 seinen Durchbruch hatte, drehte er Musikvideos mit Größen wie Björk („Army of me“), den Rolling Stones („Like a Rolling Stone“) oder Daft Punk („Around the World“).

Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt dabei das Kult-Video zu „Everlong“ von den Foo Fighters: Dave Grohl „träumt“ sich hier in den Traum seiner Freundin (Taylor Hawkins), um sie retten zu können. Die Idee der gemeinsam Träumenden inspirierte Gondry auch zu seinem Film „Science of Sleep - Anleitung zum Träumen, in dem er auch Autobiographisches aufarbeitete: Gedreht wurde er in dem selben Pariser Haus, in dem Gondry mit seiner Familie gelebt und, wie auch sein Protagonist, als Kalender-Designer gearbeitet hatte.

Ihr könnt „Science of Sleep“ aktuell bei LaCinetek streamen, wo er von Cédric Klapisch empfohlen wurde. Die Streaming-Plattform bietet einen Katalog von über 850 Filmen, basierend auf Lieblingsfilmen von Regisseur*innen aus aller Welt. Die „ideale Kinemathek“ wird mit jedem Monat größer – es lohnt sich also für cinephile Menschen, dort mal reinzuschauen. Ihr könnt Filme einzeln leihen (3.99 Euro) oder kaufen (9,99 Euro) oder auch ein Abo abschließen (4,99 Euro/Monat) - das Probeabo ist für sieben Tage gratis.

Zwischen Traum und Realität

Stéphane (Gael García Bernal) zieht nach dem Tod seines Vaters von Mexiko nach Paris zu seiner Mutter. Die hat ihm einen Job bei einem Kalenderverlag verschafft. Doch der stellt sich als wesentlich weniger kreativ heraus, als erhofft. Immer mehr verliert der sentimentale Stéphane sich in seinen lebhaften Träumen, die ihn bisweilen den Bezug zur Realität verlieren lassen.

Seine Lage wird auch nicht besser, als er auf Stéphanie (Charlotte Gainsbourg) trifft, die nebenan einzieht. Als sich zwischen den beiden eine zarte Verbindung entwickelt und Stéphanie distanziert bleibt, reagiert der Kalender-Designer mit Unverständnis, Rückzug und Wut. Er flüchtet sich weiter in seine Traumwelten hinein, in denen er sich mit ihr vereint sieht und die Kontrolle behält. Traum und Realität beginnen, sich immer mehr zu vermischen – und dazwischen die Frage: Können Stéphane und Stéphanie sich in dieser Zwischenwelt finden?

Stéphanes Innenwelt besteht aus liebevoll gestaltetenen Bilderwelten Universum Film
Stéphanes Innenwelt besteht aus liebevoll gestaltetenen Bilderwelten

„Science of Sleep“ lebt von Gondrys einzigartiger Handschrift: Der Film visualisiert Stéphanes Traumwelten mit handgemachten Mitteln und einer ordentlichen Portion Charme. Fliegende Pappmaché-Fische, aus Karton gebaute Städte und Wasser aus Cellophan-Streifen treffen hier auf Stop-Motion-Animationen und surreale Montagen. Seine Innenwelt wird dargestellt als „Stéphane TV“, das aus einem Karton-Studio gesendet wird und in dem geladene Gäste innere Monologe führen. Perspektiven verschieben und verdichten sich, ganz wie es die Traumlogik vorgibt. „Science of Sleep“ ist wahrhaft ein Fest fürs Auge, gekrönt vom feinen Score Jean-Michel Bernards („Hugo Cabret“).

Gondry entschied sich dabei bewusst gegen eine glatte Mainstream-Ästhetik. Der Film sieht aus, wie eine liebevolle Bastelarbeit voller Spuren des Machens und des Chaos. Anstatt auf CGI setzt Gondry auf Modellbau, Miniatursets, schräge Kulissen und die Magie des Kinos in seiner Reinstform, wodurch eine ganz bezaubernde und eigentümliche, aber auch nostalgische Bild-Traum-Ästhetik entsteht.

Alles ist hier handgemacht und in mühsamer Handarbeit zurechtgerückt – bis hin zu den übergroßen Händen, die auf Gondrys eigene Kindheitsträume zurückgehen und bereits in „Everlong“ einen denkwürdigen Auftritt hatten. Wenn ihr mehr zur Machart von „Science of Sleep“ sehen wollt, findet ihr im Bonusmaterial der DVD ein Making of und dazu noch Interviews, sowie einen Videoclip zu Bernards „If you rescue me“.

Träumen bis zum bösen Erwachen

Gondry macht das Unsichtbare sichtbar. Seine Filme und Musikclips, allen voran „Science of Sleep“, sind der Traumästhetik verhaftet, die motivische Nähe zum Surrealismus – ohne die politische Dimension – ist deutlich spürbar. Die Surrealisten forderten das Ende der Herrschaft der Logik, eine Auflösung der Grenzen zwischen Vernunft und Wahnsinn, die „Science of Sleep“ auch ein Stück weit erfüllt.

Doch das Stellen der Traumwelt über die reale Welt wird Stéphane, dem ewigen Träumer, auch zum Verhängnis: Wo er in seinem Kopf der große Held, der geniale Erfinder ist, werden sich im wahren Leben seine tiefste Verunsicherung und Bindungsunfähigkeit sichtbar. So ist „Science of Sleep“ am Ende ein visuell traumhaftes Märchen für Träumer*innen und zugleich ein kleines Lehrstück, das daran erinnert, die Realität nicht aus dem Auge zu verlieren.

Wie die Zusammenarbeit von Michel Gondry und Jim Carrey bei „Vergiss mein nicht!“ so war, könnt ihr übrigens hier nachlesen:

"So beschissen ist dieses Business": Von Jim Carrey wurde verlangt, nicht gesund zu werden, damit er noch besser spielt

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