Sie hat eine DER Kultrollen der Neunziger verkörpert – jetzt dreht sie selbst Filme: "The Yoga Teacher" ab sofort im Heimkino [Anzeige]
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

Vom Mystery-Mythos zur Filmikone auf Rollschuhen: Heather Graham wurde mit „Twin Peaks" berühmt und schrieb mit „Boogie Nights“ Filmgeschichte. Jetzt greift sie selbst zur Kamera – als Autorin und Regisseurin eines echten Herzensprojekts.

PLAION PICTURES

Wer in den Neunzigern ein Faible für Fernsehen oder Kino hatte, kam an Heather Graham kaum vorbei: In David Lynchs legendärer Kultserie „Twin Peaks“ verdrehte sie nicht nur Kyle MacLachlan, sondern auch dem Publikum den Kopf. Doch das war nur der Anfang. Unvergesslich wurde sie als Rollergirl in Paul Thomas Andersons oscarnominiertem Meisterwerk „Boogie Nights“: entwaffnend naiv, verletzlich – und dabei völlig unterschätzt. Eine Rolle, die ihr einen festen Platz in der Filmgeschichte sicherte. Selbst markante Auftritte in Filmen wie Wes Cravens „Scream 2“, Gus Van Sants „Drugstore Cowboy“ oder Doug Limans „Swingers“ treten daneben fast in den Hintergrund.

Bis heute verfolgt Heather Graham eine erfolgreiche Karriere als Schauspielerin. Seit knapp zehn Jahren ist sie aber zudem auch als Autorin und Regisseurin aktiv – ihr neuester Film, „The Yoga Teacher“ (ab dem 24. Juli auf VoD und DVD verfügbar), ist einmal mehr unverkennbar persönlich, dabei ebenso charmant wie warmherzig und lustig:

Darum geht’s in "The Yoga Teacher"

Die gutherzige Yogalehrerin Ann (Heather Graham) hat mit ihrer Familie nicht gerade das große Los gezogen: Ihr Vater Alfred (Michael Gross) lässt keine Gelegenheit aus, ihr zu prophezeien, dass sie in der Hölle schmoren wird – bloß weil sie unverheiratet ist und sich dennoch mit Männern trifft. Ihre Mutter Dorothy (Julie Halston) nutzt sie vor allem aus, um ihre völlig unrealistische Gesangskarriere voranzutreiben. Und ihre Schwester Clio (Julia Stiles), frisch aus der Entzugsklinik entlassen, plant nun, Ann beruflich Konkurrenz zu machen – mit einem eigenen Fitnesskurs: „Punch-ilates“, einer Mischung aus Pilates und Boxen.

Zum Glück hat Ann wenigstens ihre besten Freund*innen: Roz (Andrea Savage), Max (Thomas Lennon) und Frances (Odessa Rae) würden alles für sie tun und stehen ihr in jeder Lebens- und Liebeslage treu zur Seite. Aktuell versuchen sie, Ann mit dem charmanten Bauunternehmer Steve (John Brotherton) zu verkuppeln, der gutaussehend, sympathisch und frisch geschieden ist. Das einzige Problem: Steve muss sich um seine Tochter kümmern – und die entpuppt sich als ebenso eifersüchtig wie durchtrieben...

Der Plot von „The Yoga Teacher“ verspricht einen waschechten Wohlfühlfilm – und genau den bekommt man auch. Allerdings ist der Film deutlich überraschender, als es die doch recht „glatte“ Inhaltsangabe vermuten lässt. Mit dem in Deutschland leider nie erschienenen „Half Magic“ hat Heather Graham schon vor einigen Jahren ihre ganz eigene Version des Neunziger-Kultfilms „Zauberhafte Schwestern“ (mit Nicole Kidman und Sandra Bullock) vorgelegt – ein authentisch-feministisches Feel-Good-Fest, das bei seinem US-Kinostart gute Kritiken erhielt.

Auch „The Yoga Teacher“ fällt wieder ausgesprochen persönlich aus – und steckt dabei voller ehrlicher, lebensbejahender Momente. Denn hinter der Oberfläche von „Wahnsinnig attraktive Yogalehrerin mit Pech in der Liebe findet doch noch ihren Traummann“ verbirgt sich weit mehr, das Heather Graham offensichtlich besonders am Herzen liegt: So gibt es gleich mehrere Themen aus „Half Magic“, die sie auch hier wieder aufgreift – von den Folgen eines (zu) streng christlichen Elternhauses hin zu der Erkenntnis, das Hilfsbereitschaft nicht bedeuten sollte, dass man seine eigenen Bedürfnisse stets hintenanstellt.

Im englischen Original heißt der Film „Chosen Family“, also „Wahlfamilie“ – und gemeint sind damit weniger ihr neuer Lover und seine Tochter, sondern vor allem ihre besten Freund*innen. Ein gutgelauntes Hoch auf jene Felsen in der Brandung, auf die man sich einfach immer verlassen kann!

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