"Pures Kino": Den wohl (größen-)wahnsinnigsten deutschen Film des Jahres ab dieser Woche im Heimkino nachholen
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Im Kinofrühjahr 2025 kehrte „Lola rennt“-Regisseur Tom Tykwer nach langer Abstinenz auf die große Leinwand zurück: Sein neuer Film „Das Licht“ spaltet die Gemüter, ist aber definitiv groß gedachtes Kino – und bald auch auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Neun Jahre lang hat sich der „Lola rennt“-Regisseur der großen Leinwand ab- und dem Fernsehen zugewandt. Doch dieses Frühjahr war es so weit: Zwischen zwei „Babylon Berlin“-Staffeln sandte Tom Tykwer endlich einen frischen Film auf Arthouse-Leinwände los. Und eines kann man Tykwers neuem Werk wirklich nicht vorwerfen: Ein Maß an Zurückhaltung.

Das Licht“ ist ein Familiendrama über Beziehungskrach, Eltern-Kind-Konflikte, weltumspannende Probleme und den Kummer einer syrischen Haushälterin, erzählt mit VR-Action, Traum(a)-Rückblenden und Musicaleinlagen. Und ab dem 24. Juli 2025 ist „Das Licht“ auf DVD und Blu-ray im Heimkino erhältlich.

Darum geht es in "Das Licht"

In Berlin regnet es Sturzbäche – doch Familie Engels schaut nicht nur deshalb ständig drein wie zehn Tage Regenwetter: Tim (Lars Eidinger) hat bei seinem Arbeitgeber, einer hippen Berlin-Mitte-Agentur, die Unternehmen einen nachhaltigen Anstrich verpasst, nicht mehr dasselbe Ansehen wie früher. Seine Frau Milena (Nicolette Krebitz) setzt Förderprojekte in Kenia um, gerät aber in Finanzierungsprobleme.

Ihr E-Sportler-Sohn Jon (Julius Gause) verliert sich derweil in der VR-Welt seines Lieblingsspiels, seine aktivistische Zwillingsschwester Frieda (Elke Biesendorfer) wiederum in den drogenberauschten Raves ihres Lieblingsclubs. Und der aus einer Affäre Milenas mit einem kenianischen Ingenieur stammende Dio (Elyas Eldridge) fühlt sich nirgends so richtig zu Hause. Als dann auch noch die Haushälterin der Familie stirbt und die aus Syrien geflüchtete Farrah (Tala Al-Deen) ihre Nachfolge antritt, kommt richtig Bewegung ins Leben der Engels. Denn Farrah besitzt ein mysteriös blinkendes Licht mit unfassbarer Wirkung...

Ein voller Film, von Queen befeuert

„Das Licht“ hat bei Presse und Publikum einen bunten Reigen an Reaktionen provoziert – von verächtlichem Schnauben über Verwunderung bis Beifall und Gejubel war so ziemlich alles dabei. Und während der Verfasser dieses Textes trotz großer Musicalliebe mit Bedauern feststellen musste, dass er mit Tykwers Generalumschlag gar nicht auf einer Schallwellenlänge liegt, eroberte der Genrehybrid sehr wohl einige Herzen in der FILMSTARTS-Redaktion.

So bezeichnet FILMSTARTS-Chefkritiker Christoph Petersen ihn bewundernd als „ein (über-)ambitioniertes Mammutwerk, in dem er vom Klimawandel über Entfremdung bis zu Flüchtlingsfragen direkt die ganzen großen Themen der Moderne anpackt“ sowie als „aufregendes, anregendes, pures Kino!“

Weiter beschreibt er den sich akustisch großzügig bei Queen bedienenden Film: „Wo Freddie Mercury einst Ballade, Oper und Hardrock zu einer gleichermaßen pathetischen wie parodistischen Metapher über Schuld, Sühne und Erlösung verband, nutzt nun auch Tykwer die verschiedensten, nur scheinbar widersprüchlichen stilistischen Mittel für eine Großerzählung voller mysteriöser Symbolik.“ Und eines muss auch ich gestehen: Redebedarf weckt eben diese Symbolik und eben dieser Stilmischmasch auf jeden Fall – das hat „Das Licht“ braveren, geordneteren Filmen voraus.

Eine interessante Debatte ist euch nach einem geselligen „Das Licht“-Filmabend also sicher. Und auch unser folgender Heimkino-Tipp aus Deutschland regt zu Gesprächen an:

Über 3 Stunden großes Kino: Dieser Thrillerklassiker hat bis heute nichts an Dringlichkeit verloren – jetzt neu im Heimkino!

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