Es ist eine tragikomische Mischung aus Abenteuer, Slapstick-Vergnügen und Auseinandersetzung mit Armut, Krankheit sowie Einsamkeit: Charlie Chaplins „Goldrausch“ ist nicht nur einer der größten Erfolge des legendären Schauspielers, Drehbuchautoren und Regisseurs. Das Meisterwerk gilt zudem als einer der Lieblingsfilme von Regiemeister Akira Kurosawa und lässt sich regelmäßig in ewigen Filmbestenlisten finden.
Außerdem wurde der beliebte, heute noch ebenso komische wie bewegende Klassiker unzählige Male imitiert und referenziert – darunter in „Die Simpsons“, im Johnny-Depp-Kultfilm „Benny & Joon“ sowie im zweiten „Nightmare On Elm Street“-Teil. Doch egal, wie oft er kopiert wurde, er wurde nie überflügelt. Aber er erhielt diese Woche ein Heimkino-Upgrade: Diese Woche hat „Goldrausch“ seine deutsche 4K-Premiere gefeiert!
Die Edition enthält neben der von Chaplin bevorzugten, neueren Fassung des Films auch eine Restauration der Original-Stummfilmfassung aus dem Jahr 1925. Darüber hinaus gibt es als Extras die Begleitdokumentation „Chaplin Heute – Goldrausch“, eine Einführung durch den Chaplin-Biografen David Robinson und ein Chaplin-ABC.
Darum geht es in "Goldrausch"
Ein einsamer Goldsucher (Charlie Chaplin) schließt sich dem Goldrausch in Alaska an. Doch der Hänfling ist nicht für das widrige Wetter gemacht: Schnee, Eis und Wind machen ihm schwer zu schaffen! Mangelndes Glück beim Goldschürfen zehrt ebenfalls schwer an ihm: Selbst der deutlich kompetentere Big Jim McKay (Mack Swain), mit dem sich der Schwächling anfreundet, nagt am Hungertuch!
Als dann auch noch ein flüchtiger Mörder (Tom Murray) und die Tänzerin Georgia (Georgia Hale) die Bildfläche betreten, sind Wirrungen, Irrungen und Herzschmerz unvermeidlich. Doch vielleicht fällt ja doch noch ein schimmernder Klumpen Glück für den Goldsucher ab?
Ein Film – zwei Fassungen!
Als „Goldrausch“ erstmals ins Kino gelangte, handelte es sich dabei um einen Stummfilm. Doch 1942 überarbeitete Chaplin sein Werk: Er verlieh ihm einen Erzählerkommentar, verpasste ihm Soundeffekte sowie einen knackigeren Schnitt und schmiss einen von ihm ungeliebten Subplot raus. Außerdem verfasste Komponist Max Terr eine Originalmusik für Chaplins verschneite, melancholisch-pointierte Eskapade.
Chaplin drosselte des Weiteren den romantischen Nachdruck des Endes. Ob dies aus künstlerischem Impuls heraus erfolgte oder als verspäteter Stinkefinger an seine Szenenpartnerin Georgia Hale, mit der er sich nach einer kurzen Affäre verkrachte, bleibt ambivalent. Doch ganz gleich, was Chaplins Beweggründe gewesen sein mochten: Der Verfasser dieses Heimkino-Tipps zieht die kürzere, gedämpfter endende Fassung von „Goldrausch“ der Ur-Version vor.
Dessen ungeachtet ist es ein ungeheuerlicher Glücksfall, dass Chaplin nicht komplett seinen Willen bekam: In den 1950ern verlangte er, dass sämtliche Kopien der ursprünglichen „Goldrausch“-Fassung eingezogen und vernichtet werden. Um dies zu erwirken, zog er international gegen Filmverleiher vor Gericht, die dieses Spiel nicht mitspielten. Solchem Ungehorsam haben wir es zu verdanken, dass die längere Version von „Goldrausch“ noch immer existiert – wenngleich in schlechterer Bildqualität.
Melancholische Freude
Ganz gleich in welcher Fassung: Es ist ein Film, der eindrucksvoll vorführt, welches Genie in Chaplin schlummerte. Das gilt allein schon für die häufig nachgestellte Szene, in der er Gabeln in Brötchen steckt und sie tanzen lässt: Teil ihres seit 100 Jahren strahlenden Zaubers ist Chaplins brillante Darbietung. Doch die Sequenz glänzt vor allem, weil sie viel mehr ist als ein Fall von „komischer Kauz spielt mit dem Essen“:
Chaplin zeigt sie als Traum eines hungernden, vom Pech verfolgten Kerls, der verschüchtert nach Wegen sucht, wie er in einer rauen Welt einer Tänzerin, die er mag, und ihren Freundinnen eine Freude bereiten kann. Dass er selbst in seiner Fantasie nur mit kleinen Mitteln hantiert, und sich zugleich dem Interesse seiner Herzensdame nähert, verleiht dieser oberflächlich albernen Einlage einen deutlich komplexeren, emotionalen Unterbau.
Furiosen Slapstick-Rummel hat „Goldrausch“ aber auch zu bieten, insbesondere wenn es um eine nicht gerade wetterfeste Berghütte geht. Doch diese Sequenzen werden, wie in allen großen Chaplin-Filmen, durch eine sie umgebende, ehrliche Melancholie geerdet: Glück ist in dieser kargen Filmwelt rar gesät – es dominieren Entbehrungen und Sorgen. Doch dafür leuchten die frohen Momente so hell, dass sie sich ins filmkulturelle Gedächtnis gebrannt haben!
Und falls ihr eure weitestgehend dialoglosen Komödien im Schnee unverhohlen-albern und weniger sentimental bevorzugt, ist vielleicht die folgende „Goldrausch“-Hommage nach eurem Geschmack:
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Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.