"Es war ein Fehler": Hollywood-Ikone Paul Newman bereute es, dieses Meisterwerk abgelehnt zu haben
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Paul Newman, einer der berühmtesten Schauspieler Hollywoods, traf Ende der 70er-Jahre eine berufliche Entscheidung, die er später zutiefst bereute. Er lehnte die Rolle in einem Film ab, der zu einem großen Hit wurde – und zu DEM Oscar-Abräumer 1980.

In fast 55 Jahren vor der Kamera drehte Paul Newman zahlreiche Meisterwerke – darunter „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ (1958), „Zwei Banditen“ (1969) und „Der Clou“ (1973). Sie alle zählen längst zum festen Kanon der großen Klassiker der Filmgeschichte. Zehnmal wurde der für seine eisblauen Augen bekannte Darsteller für den Oscar nominiert, 1987 erhielt er den Goldjungen für seine Rolle in Martin Scorseses Drama „Die Farbe des Geldes“. Im Jahr davor hatte er einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk bekommen.

Newman war unbestritten einer der wandlungsfähigsten Darsteller seiner Generation – geschätzt für seine Selbstkritik und Offenheit, seine kritische Haltung zur „Nixon“-Regierung und sein jahrelanges Engagement für die Bürgerrechtsbewegung. Und trotz dieser nach außen hin so makellos und glanzvoll erscheinenden Karriere gibt es berufliche Entscheidungen, die Newman bis zuletzt entschieden bedauerte. So etwa Ende der 70er-Jahre, als er das Angebot ausschlug, in einem später mehrfach preisgekrönten Musical mitzuwirken.

"Es war dumm von mir"

Der erfahrene Broadway-Künstler und Regisseur Bob Fosse („Küß mich, Kätchen!“) bot Newman die Hauptrolle im autobiografischen Musical „Hinter dem Rampenlicht“ (besser bekannt als „All That Jazz“) an, der 1979 in den Kinos startete. Die Karriere des damals 54-Jährigen war zu jener Zeit etwas ins Stocken geraten. Er drehte in den Jahren zuvor vor allem (ziemlich witzlose) Komödien wie „Silent Movie“ unter der Regie von Mel Brooks oder den Flop „Schlappschuss“ (1977). „Hinter dem Rampenlicht“ wäre eine große Chance für die Hollywood-Legende gewesen, wieder in die Spur finden. Doch er sagte Fosse ab! Stattdessen bekam Roy Scheider („Der weiße Hai“) die Hauptrolle.

Hinter dem Rampenlicht
Hinter dem Rampenlicht
Starttermin 11. September 1980 | 2 Std. 05 Min.
Von Bob Fosse
Mit Keith Gordon, CCH Pounder, Wallace Shawn
User-Wertung
3,4

Doch was war der Grund für Newmans Absage? Laut eigener Aussage hielt er Regisseur Fosse, ein ehemaliger Tänzer und Choreograf, nicht für einen ernstzunehmenden Filmemacher – und die Hauptfigur des Films für zu unsympathisch. Jahre später auf seine Absage angesprochen, bezeichnete Newman rückblickend diese Entscheidung als „dummen Fehler“. Und er ging dabei durchaus hart mit sich ins Gericht (via Far Out Magazin): „Es war einfach dumm von mir. Ich war einfach dumm und habe nicht bedacht, was der Regisseur leisten würde. Das war ein schrecklicher Fehler“, so Newman.

Mit Preisen überhäuft

„Hinter dem Rampenlicht“ handelt vom Leben und Sterben des erfolgreichen, arbeits- und sexsüchtigen Musical-Regisseurs Joe Gideon, der am New Yorker Broadway tätig ist. Die Geschichte der Hauptfigur, die auf Fosses eigenem Leben basiert, bildet dabei nur den Rahmen für einen unverfälschten, intensiven Blick hinter die Kulissen einer großen Tanzproduktion und die – gelackte – Entertainment-Welt. Das Musical-Drama wurde ein gewaltiger Erfolg und es hagelte Preise, darunter vier Oscars (u.a. „Beste Musik“ und „Beste Kostüme“) und die Goldene Palme in Cannes. Am Ende stand bei Kosten von überschaubaren 12 Millionen Dollar außerdem ein solides Einspielergebnis von fast 40 Millionen.

Und ganz nebenbei lieferte Scheider als obsessiver, bis an die Grenzen (und darüber hinaus) gehender Workaholic eine der besten Leistungen seiner Karriere. Und Newman? Dem gelang 1982 mit dem von Sydney Lumet inszenierten Gerichts-Drama „The Verdict“ doch noch die künstlerische Rehabilitation. Es war der Startschuss für sein großes Comeback in den 80ern, das seinen Höhepunkt in „Die Farbe des Geldes“ fand.

Es gibt einen absoluten Meisterregisseur, der von „Hinter dem Rampenlicht“ so begeistert war, dass er sich zu folgender Lobeshymne hinreißen ließ: „Es ist der beste Film, den ich je gesehen habe“. Diese Wertschätzung kommt einem Ritterschlag gleich, handelt es sich bei dem Filmemacher schließlich um den Schöpfer von solch unvergessenen Meilensteinen wie „Lolita“ und „Barry Lyndon“:

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